shadow Geschichte zum Staunen, Schmunzeln, Dazulernen

Die ZeitReise umfasst die Geschichte unserer Bank von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis ins Jahr 2020 und wagt einen Blick in die Zukunft. Damit das Projekt gelingt, kümmert sich unser Historisches Unternehmensarchiv um die Aufarbeitung der Vergangenheit. Ein Zwischenbericht.

Zwei Millionen Seiten, 150 Schachteln und 49 m2 Trouvaillen

Die Schätze haben sich seit 1870 angesammelt. Allein schon die Protokolle, Jahresberichte und Mitarbeiterzeitungen umfassen unzählige Laufmeter. Besonders beeindruckend sind die Bankrats- und Bankpräsidiumsprotokolle, die bis 1930 noch handschriftlich und in Leder eingefassten Bänden vorliegen. Die faszinierenden Zeitzeugen lagern im Archiv des Hauptsitzes bei exakt 18 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45-55 Prozent - optimale Voraussetzungen, um den natürlichen Zerfallsprozess des Papiers oder des Einbands zu verlangsamen und gleichzeitig Schimmelbildung vorzubeugen. Zudem dürfen die wertvollen Quellen nur mit weissen Handschuhen angefasst werden, damit auch nicht der kleinste Hauch Schweiss die Werke zusätzlich belastet.

Unser Historiker-Team: Matthias Wiesmann, Gerda Leipold und Tobias Straumann.
1/4

Unser Historiker-Team: Matthias Wiesmann, Gerda Leipold und Tobias Straumann.

Die wertvollen Quellen dürfen nur mit weissen Handschuhen angefasst werden.
2/4

Die wertvollen Quellen dürfen nur mit weissen Handschuhen angefasst werden.

Seit 1870 haben sich diverse Trouvaillen angesammelt.
3/4

Seit 1870 haben sich diverse Trouvaillen angesammelt.

Die Sichtung der Rohdaten wird voraussichtlich Mitte 2018 abgeschlossen sein.
4/4

Die Sichtung der Rohdaten wird voraussichtlich Mitte 2018 abgeschlossen sein.

Drei Historiker und zwei Studierende für die ZeitReise

Mit Blick auf das Jubiläum der Zürcher Kantonalbank im Jahr 2020 kommt dem Historischen Archiv (Histar) eine besondere Bedeutung zu. Gerda Leipold, die historische Archivarin, arbeitet zusammen mit dem freien Historiker Matthias Wiesmann, dem Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann und zwei Studierenden die 150-jährige Geschäftstätigkeit der Bank umfassend auf. Mit Hochdruck und Begeisterung wird so das Fundament für eine korrekte und spannende Darstellung der Geschichte unserer Bank gelegt.

"Unsere erste Aufgabe ist das Zusammenstellen der Grundlagen mit dem Ziel, eine Datenbank zur effizienten Beantwortung unserer Fragen an Gegenwart und Vergangenheit zu erstellen. Damit dies gelingt, lesen wir jede Seite aufmerksam durch, um Informationen herauszufiltern, die für die Entwicklung unserer Bank relevant waren", erklärt Gerda Leipold.

«Besonders interessant sind Diskussionen über Ereignisse, die man heute - nachträglich - als Meilensteine einstufen kann.»

Die Historiker erfassen alle Funde manuell in der Datenbank. Matthias Wiesmann erklärt: "Die deutsche Kurrentschrift, in der Schweiz bis Anfang des 20. Jahrhunderts die allgemeine Verkehrsschrift, erschwert uns die Arbeit sehr, da sie für das ungeschulte Auge schwer zu entziffern ist: Auch mit intensivem Training ist ein rasches Überfliegen der handgeschriebenen Seiten unmöglich - jeder Buchstabe und jedes Wort muss bewusst gelesen werden."

Da die Bank in den 1930er-Jahren zirka 60 Schreibmaschinen (für 300 Mitarbeiter) anschaffte, nimmt den Historikern ab jenem Zeitpunkt ein Texterkennungsprogramm einen Teil der Auswertung ab. Die Seiten werden eingescannt und in das Programm "Datalab" eingespiesen. Dieses verwandelt die Dateien in einen Lauftext und ermöglicht so das maschinenunterstützte Durchsuchen der Dokumente nach Stichwörtern. "Die Unterscheidung zwischen 'e' und 'c' klappt aufgrund der Ähnlichkeit des Buchstabenbilds nicht immer fehlerfrei, und wir müssen nachkorrigieren", fügt Matthias Wiesmann an. Trotzdem ist das Programm mit einer Erkennungsrate von bis zu 98 Prozent eine grosse Hilfe; denn damit durchsucht man Tausende Seiten in wenigen Sekunden.

Geschichten aus über 150 Jahren 

"Wir haben während der Recherchearbeiten in unserem Archiv bereits eine Menge schöner Geschichten gefunden - alle einzigartige Zeugen ihrer Zeit - und wir können es kaum erwarten, diese öffentlich zu machen", sagt Gerda Leipold. Kürzlich las sie zum Beispiel im Bankratsprotokoll von 1922 vom Ankauf des ersten Automobils der Zürcher Kantonalbank. Eine Frage, die man sich damals stellte, war: Ist es angemessen, bei Kunden mit einem Automobil vorzufahren, und welchen Eindruck würde dies wohl hinterlassen? Schliesslich entschied man sich aus Praktikabilitätsgründen trotzdem für den Kauf.

Matthias Wiesmann fügt an: "Mich fasziniert die Einbettung des Bankgeschäfts in allgemeine soziale Entwicklungen. Um beispielsweise schon bei den Kindern den staatlich erwünschten 'Sparsinn' zu wecken, richtete man in den Volksschulen anfangs des 20. Jahrhunderts Schulsparkassen ein. Die Zürcher Kantonalbank wickelte im Hintergrund den Geldverkehr dieses 'Räppli-Sparens' ab."

Einen weiteren Einblick in vergangene Zeiten ermöglicht die Geschichte der Gesamtmobilmachung der Schweizer Armee im Jahr 1940. Mehr als die Hälfte des männlichen Personals hatte dem Aufgebot zu folgen - 301 der insgesamt 635 Beamten und Angestellten. Dies wirkte sie sich auf den Geschäftsbetrieb aus; denn noch nie stand die zu bewältigende Arbeit in einem solchen Missverhältnis zu den verfügbaren Mitarbeitenden. Das Resultat waren vorübergehende Schliessungen verschiedener Zweigstellen und Einschränkungen der Öffnungszeiten.

Ausstellung im ErlebnisGarten und ein Jubiläumsbuch

Die Sichtung der Rohdaten wird voraussichtlich Mitte 2018 abgeschlossen sein. Ab dann werden die gefundenen Fakten zur ZeitReise zusammengesetzt. Diese wird im Internet präsentiert und umfasst zusätzlich eine Ausstellung und ein Buch. 

In der Ausstellung, die im ErlebnisGarten stattfindet, wird die ZeitReise über verschiedene Sinne mit modernen Mitteln zugänglich gemacht - der Titel lautet: "So haben Sie Geschichte noch nie erlebt". Raphaela Ziegler, Leiterin des InfoCenters und des Teilprojekts ZeitReise ergänzt: "Wir sind im Moment noch in der Konzeptphase. Angedacht ist eine überraschende Mischung aus Virtual Reality und Augmented Reality, ergänzt durch analoge Umsetzungen. Auch Trouvaillen aus dem historischen Archiv werden ihren Platz erhalten."

Die Einordnung in die wirtschaftliche, politische und soziale Dimension des Kantons Zürich und der Schweiz nimmt Prof. Tobias Straumann im geplanten Jubiläumsbuch vor. Die wichtigsten Ereignisse, Entscheidungen, Brüche, und Lernprozesse werden hier einfliessen. Viele Bilder und Geschichten werden einzelne Aspekte der Entwicklung der Zürcher Kantonalbank aufgreifen, damit diese über die Jahre hinweg erlebbar wird. 

Genaueres enthüllen wir näher am Eröffnungsdatum - lassen Sie sich überraschen: Geschichte zum Staunen, Schmunzeln, Dazulernen.

Über die Personen

  • Matthias Wiesmann ist freier Historiker und Autor. Daneben ist er Mitglied des Gemeinderats der Stadt Zürich.
  • Gerda Leipold ist Historikerin der Zürcher Kantonalbank. Ebenso bearbeitet sie die Gemeindearchive in Appenzell Ausserrhoden.
  • Tobias Straumann ist Wirtschaftshistoriker mit Spezialgebiet Finanz- und Währungsgeschichte. Er lehrt an den Universitäten Basel und Zürich.

Die Gespräche wurden im März 2018 geführt.

Lesen Sie weiter


Alle ansehen

Entdecken Sie unser Jubiläum

Jubiläum 2020
ZüriBahn
ErlebnisGarten
ZeitReise

Folgen Sie uns

Aktuelle Infos auf unseren Social Media-Kanälen.

Bleiben Sie informiert

Abonnieren Sie unseren Jubiläums-Newsletter.