«Junges Blut, spar dein Gut, Armut im Alter wehe tut.»

Lehrerschaft und Zürcher Kantonalbank versuchten lange Zeit gemeinsam, die Jugend mit erhobenem Zeigefinger für das Sparen zu begeistern. Doch den Schulsparkassen war letztlich kein grosser Erfolg beschieden. Zu umständlich war das System mit Sparkarten und Klebemärklein. Das Thema ist jedoch weiterhin aktuell.

Um kleine Ersparnisse zu sammeln und nutzbringend anzulegen und damit den «Sparsinn» der Kinder zu wecken, betrieben ab 1910 Lehrkräfte an der Volksschule sogenannte Schulsparkassen. Offenbar vertraute der Staat der elterlichen Erziehung in Geldangelegenheiten nur bedingt und schuf eine eigene Organisation für die Akkumulation von Kleinstbeträgen. Jedes Kind erhielt eine Sparkarte, die es mit Sparmarken beklebte. Solche Marken konnten für 20 Rappen beim Lehrer bezogen werden. War die Karte voll, ging sie an eine Filiale oder Agentur der Zürcher Kantonalbank. Der erklebte Betrag wurde nun auf einem speziell gekennzeichneten Sparheft des entsprechenden Kindes gutgeschrieben. Noch im Reglement von 1944 waren Rückzahlungen aus solchen Sparheften nur bei Einwilligung der Eltern und des Klassenlehrers möglich. Später hatte der Lehrer hier nichts mehr zu sagen.

Umschlag eines Schülersparhefts, herausgegeben von der Sparkasse der Stadt Zürich, welche 1990 durch die Zürcher Kantonalbank übernommen wurde.

Begeisterung fürs «Räppli-Sparen» hält sich in Grenzen


Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Schulsparkassensystem eine wechselvolle Zeit. In Wallisellen wollte die Lehrerschaft die aufgehobene Schulsparkasse wieder einführen, weil «die Erziehung zur Sparsamkeit einen Teil unserer allgemeinen Erziehungsaufgabe bilde und insbesondere der Festigung des Charakters der heranwachsenden Jugend diene», wie es in einem Brief an die Schulpflege hiess. Dazu passte auch der martialische Spruch, der auf der Sparkarte von 1946 aufgedruckt war: «Junges Blut, spar dein Gut, Armut im Alter wehe tut.» In Opfikon hingegen teilte die Schulpflege 1959 der Filiale Oerlikon mit: «Durch die notwendig werdende komplizierte Administration wird die Institution der Schulsparkassen dem ursprünglichen Gedanken des unmittelbaren ‹Räpplein-Sparens› entfremdet.» In den 1960er Jahren versuchten die Promotoren anstelle des umständlichen Markenklebens mit Mehrfach-Sparbüchsen, die im Schulzimmer aufgehängt wurden, die Institution des Schulsparens zu retten. Für jedes Kind gab es in diesen grossen Behältern einen Schlitz und ein zugehöriges Fach. Mit dem regelmässigen Münzeinwurf durch eifrige Sparerinnen und Sparer in der Öffentlichkeit des Schulzimmers sollten offenbar auch sparfaule Kinder des Klassenverbands animiert werden, hin und wieder einen Batzen auf die Seite zu legen. In einem internen Bericht von 1972 musste die Zürcher Kantonalbank allerdings einsehen, «dass die Jugend für das Klein-Sparen kaum mehr zu begeistern ist». Ebenso war auch von der Lehrerschaft die Bereitschaft immer geringer geworden, «aus ideellen Gründen» an einer solchen Einrichtung mitzuwirken. So erodierte die von Pädagogen orchestrierte Sparerziehung mit praktischer Anwendung immer mehr.

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Sparkarte von 1946.

Sparkarte von 1946.

Von der Schulbank in die echte Bank


Für die Bank rückte damit der direkte Kontakt zu ihren jugendlichen Kunden stärker in den Vordergrund. Mit dem 1948 eingeführten Jugendsparheft war für sie bereits ein attraktives Sparvehikel geschaffen worden. Heute sind Jugendliche und junge Erwachsene eine bei allen Banken stark umworbene Kundengruppe, welche dadurch in den Genuss diverser Vorzugskonditionen und Zusatzleistungen kommt. In den Schulen ist derweil das Thema Finanzen ebenfalls wieder aktueller geworden. Es geht um den vernünftigen Umgang mit Geld – bis hin zur Schuldenberatung.

Mehrfachsparbüchse für das Schulzimmer.

Titelbild: Druckplatte für Sparmarken.

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