«Stifti» bei der Bank

Seit der erste Lehrling seine Stelle antrat, hat sich viel verändert. Nicht nur Lerninhalte und -methoden, sondern auch das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden. Heute zählt die Zürcher Kantonalbank mit über 420 Ausbildungsplätzen im Bereich Kaufmännische Grundbildung (KV), Informationstechnik (IT) sowie mit Praktikumsstellen für Absolventen von Mittel- oder Hochschulen zu einer der grössten Ausbildungsstätten im Wirtschaftsraum Zürich.

Die ersten zwei Lehrlinge beschäftigte die Zürcher Kantonalbank schon ab 1871, dem zweiten Jahr ihres Bestehens. Und drei Jahre später vermeldet der Geschäftsbericht deren erfolgreichen Lehrabschluss und ihre Weiterbeschäftigung in der Bank: Es seien «zwei Lehrlinge zu Commis [kaufmännische Gehilfen] befördert worden».

Der Schritt junger Leute in die Berufswelt war und ist ein grosser, und dementsprechend auch die Verantwortung des Lehrbetriebs. So verpflichtete sich die Zürcher Kantonalbank 1912 gemäss einem Lehrvertrag zwischen ihr und einem zukünftigen Lehrling aus Affoltern am Albis in Ziffer 4: sie werde «den Lehrling human behandeln, auf ihn erzieherisch einwirken […] ihn nicht zu andern als geschäftlichen Dienstleistungen verwenden». Doch, wo beginnen und enden geschäftliche Dienstleistungen? Diese Grenze zu ziehen, fiel offenbar einigen Beteiligten schwer. Davon berichtete auch noch viele Jahre später ein Mann anlässlich seiner Pensionierung in der Personalzeitung: «Als ich 1971 bei der Filiale Neumünster als Lehrling anfing […] hatte ich mit meinem Vorgesetzten immer wieder Auseinandersetzungen wegen meines schulterlangen Haars oder weil er mir erklärte, wie oft ich sein Auto zu waschen hätte.» So eindrücklich können frühe Berufserlebnisse bis ans Ende der Laufbahn in Erinnerung bleiben!

Treue Lehrlinge

Bei hohen Dienstjubiläen liest man in der Personalzeitung immer wieder, dass die Jubilarinnen und Jubilare schon ihre Lehre bei der Bank gemacht haben. Ein Beispiel aus 1956 sei hier aufgeführt: Albert G. war 40 Jahre bei der Bank – nur unterbrochen durch berufliche Aufenthalte in anderen Sprachräumen. Er hatte ab 1910 die Lehre bei der Filiale Horgen absolviert, wechselte dann nach Lugano und später zur Banque Cantonale Neuchâteloise und kehrte anschliessend in die Vorschussabteilung der Zürcher Kantonalbank zurück. 1931 wurde er für ein Jahr Vorsteher der Agentur Wipkingen und dann zum Filialleiter in Horgen – bis zur Pensionierung.

Lehrlingslager in Valbella, 1970er Jahre.
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Lehrlingslager in Valbella, 1970er Jahre.

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Lehrlingslager in Valbella, 1970er Jahre.

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Lehrlingslager in Valbella, 1970er Jahre.

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Lehrlingslager in Valbella, 1970er Jahre.

Zweite Chance

Wenn 1952 zum Beispiel «neun Jünglinge und eine Tochter» ihre Lehrzeit beendeten, so sagt dies auch etwas über das Verhältnis der Geschlechter unter den Lernenden aus. Der Grossteil von ihnen, wie auch der Mitarbeitenden in der Bank, waren Männer. Zu Zeiten der Personalknappheit, etwa in den 1960er Jahren, ergab sich diesbezüglich jedoch Handlungsbedarf. Man führte eine sogenannten «Anlehre» ein, die überwiegend von Frauen absolviert wurde. Diese oft von Quereinsteigerinnen genutzte Anlehre sah eine kürzere Ausbildungszeit vor: zwei statt der üblichen drei Lehrjahre und danach eine Abschlussprüfung.

Schritt halten mit den Entwicklungen der Informatik


Monotone Sortierarbeiten und Listenkontrollen sowie Botengänge prägten bis zur zunehmenden Automatisierung den Alltag der Lernenden. 1972 wurde die Banklehre neu gestaltet mit zwei unterschiedlichen Schwerpunkten: dem kaufmännischen Typ mit mehr Buchhaltung und Rechnen und dem Sekretariats-Typ mit sprachlichem Schwerpunkt.

Die Verbreitung der elektronischen Datenverarbeitung verringerte sukzessive die Bedeutung dieser Arbeiten und zentralisierte Buchhaltung und Zahlungsverkehr. Für die Lernenden wurde eine eigene zentrale Lernenden-Werkstatt im Geschäftshaus Neue Hard geschaffen. Dieser technologischen Entwicklung war auch das Angebot einer Informatik-Lehre in der Zürcher Kantonalbank ab 1990 geschuldet. 1993 wurde ein 18-monatiges Praktikum für Hochschulabsolventen geschaffen, das bereits gut ausgebildeten jungen Menschen einen Berufseinstieg anbot.

Lehrvertrag der Zürcher Kantonalbank, 1912.

Die Wahrheit über die KV-Lehre: Die Zürcher Kantonalbank macht Werbung für die KV-Lehre. Preisgekrönter Spot aus dem Jahr 2019.

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Überbetriebliche Zusammenarbeit


Ab der Jahrtausendwende veränderte sich die Ausbildung nochmals stark: 2005 begann die Zusammenarbeit mit dem Center for Young Professionals in Banking (heute: Challenge your Potential), einem bankenübergreifenden Kooperationsprojekt. Auf den Sommer 2019 wurde das KV-Curriculum neu konzipiert. Die Fokussierung in den ersten beiden Lehrjahren auf die Basisausbildung und im dritten Lehrjahr auf die Vertiefungsrichtung bringt sowohl den Lernenden als auch dem Betrieb einen Mehrwert. Sie werden für ein bestimmtes Marktgebiet tätig sein und in verschiedenen Filialen eingesetzt.

Über 150 Jahre konstant blieb jedoch das Engagement der Bank für die Berufslehre: Seit Jahren besetzt die Zürcher Kantonalbank gegen 100 Lehrstellen. Konstant blieb auch das Angebot zur Weiterbeschäftigung nach dem Lehrabschluss. Rund 90 Prozent der Lehrlinge können danach bei der Bank eine Stelle antreten und bleiben oft ein Leben lang in ihrem Dienst. Gut Bewährtes – auch im Kleinen – wird beibehalten oder wieder eingeführt: so etwa das ab 1970 durchgeführte Lehrlingslager, das nach siebenjähriger Unterbrechung 2015 wieder startete.

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Werbe-Inserat der Zürcher Kantonalbank, 1991.

«Von Anfang an sollt Ihr Euch daran gewöhnen, jede anvertraute Arbeit sauber und exakt auszuführen. Als aufmerksam und gewissenhaft, auch in der Erledigung von Kleinigkeiten, müsst Ihr Euch erweisen, wenn Ihr Eure Vorgesetzten befriedigen wollt.»
Ansprache an die neuen Lehrlinge in der Personalzeitung, 1953.
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