«Wir treffen also die nötige Vorsorge!»

In der Angst vor einem bevorstehenden Krieg sorgte sich die Zürcher Kantonalbank Ende der 1930er Jahre um die sichere Verwahrung für Geld und Vermögen. Wie diese gewährleisten, wohin flüchten? Was lange streng geheim war, ist heute bekannt.

Bereits ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, nämlich im September 1938, anlässlich der Sudetenkrise, hatte die Bank als erste Sicherheitsmassnahme den eigenen Goldbestand aus dem exponierten Zürich in die Innerschweiz evakuiert. Transportkisten und Unterbringung hatte man schon vorher organisiert.

710 Transportkisten stehen bereit

«Um unsere Depots und Faustpfandhinterlagen sowie die eigenen Valoren gleichzeitig zu transportieren, brauchen wir rund 710 Transportkisten. Das Gesamtgewicht inklusive Kisten beträgt 70,5 Tonnen», berechnete man im Bankrat. Die Evakuierung der wertvollen Güter sollte etappenweise erfolgen und bei drohender Kriegsgefahr möglichst frühzeitig, da es nach einer Mobilmachung wohl schwierig werden würde, Lastwagen aufzutreiben.

Zuerst die Kunden und der Norden: Schon zwischen April und August 1939 wurden zuerst die Wertgegenstände aus den Kundendepots der Zweigstellen in Andelfingen, Bülach, Dielsdorf, Dübendorf, Kloten, Oerlikon, Wallisellen und Winterthur in die Hauptbank evakuiert. Im Oktober 1939 liess die Bank die eigenen Wertschriften und die Kundendepots im Hauptsitz sowie in den Zweigstellen im Zürcher Oberland und am rechten Ufer des Zürichsees in die Innerschweiz bringen. «Wir treffen also im Dienste unserer Kunden wie im eigenen Interesse die nötige Vorsorge», hielt der Bankrat am 20. Oktober 1939 fest. Für den Fall, dass die Kriegshandlungen auch die Schweiz erreichen sollten, beschloss er in seiner Sitzung am 28. November 1939 sogar die Verlegung des Firmensitzes.

Teil der Sammlung von Bankobjekten: eine der 710 Evakuationskisten.

Soldat in Zürich, 1945.

Soldat in Zürich, 1945.

Lange streng geheim – heute bekannt

Die Bankratsprotokolle aus dieser Zeit nennen – aus Gründen der Geheimhaltung – keine genaueren Details zu den konkreten Evakuationsorten. In der Mitarbeiterzeitung wurde 1959 das Geheimnis gelüftet: Evakuiert wurden die Wertgegenstände und Dokumente ins Frauenkloster St. Klara in Stans, in die Luzerner Kantonalbank, ins Bundesbriefarchiv in Schwyz, wo ein Tresor eingebaut worden war, sowie ins Grand Hotel Winterhaus in Engelberg, mit dem man einen Mietvertrag abgeschlossen hatte. Ein Teil der Transportkisten leistete auch gute Dienste beim Rücktransport nach Ende des Kriegs.

Einer der Evakuationsorte für Wertgegenstände war das Frauenkloster St. Klara in Stans.

Einer der Evakuationsorte für Wertgegenstände war das Frauenkloster St. Klara in Stans.

Titelbild: Auch ins Bundesbriefarchiv in Schwyz wurden Wertschriften der Zürcher Kantonalbank evakuiert.

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