Ab geht die Rohrpost!

Ein bescheidenes U-Bahn-Netz hatte die Stadt Zürich schon in den 1920er Jahren. Mit einem Durchmesser von nur 65 Millimetern waren die Rohre allerdings nicht für den Personenverkehr bestimmt. Über 22 Stationen und auf einer Länge von rund 4,5 Kilometern erstreckte sich die Anlage der Stadtrohrpost im Untergrund.

Die mit Druckluft und kleinen Transportbüchsen betriebenen Rohre der Stadtrohrpost dienten zum schnellen Transport von Telegrammen und Eilbriefen zwischen dem Haupttelegrafenamt Fraumünster, der Filiale beim Hauptbahnhof, weiteren Post- und Telegrafenämtern sowie den unzähligen Banken rund um die Bahnhofstrasse. Zuvor waren dringende Postsendungen durch Eilboten an die entsprechenden Stellen ausgeliefert worden. Da die Menge an Telegrammen und Eilpostsendungen stark zugenommen hatte, lohnte sich die Einrichtung eines weniger personalintensiven Transportsystems. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Metern in der Sekunde war das Postgut auch wesentlich schneller beim Adressaten.

Für einen Rappen von Bank zu Bank

Für den Rohrpostverkehr zwischen Banken und Post wurden keine Zusatzgebühren erhoben. Die Banken mussten allerdings selbst für die Betriebsunkosten und den Unterhalt der Anlagen aufkommen. Bei Korrespondenz zwischen zwei Banken musste der Absender 1 Rappen bezahlen, und zwar für das Umladen in der Zentrale Fraumünster, wo das Postpersonal die ankommende Büchse von Hand aus der Röhre des Senders nahm und in die des gewünschten Adressaten steckte. Für Eilbriefe in andere Städte entrichteten die Banken 20 Rappen. Die Briefe wurden im Röhrensystem via Zentrale Fraumünster zum Hauptbahnhof befördert, wo man sie sofort auf die bereitstehenden Postzüge umlud.

Im Präsidium der Zürcher Kantonalbank sah man im August 1925 vorerst von einem Anschluss ans Stadtrohrpostnetz ab. Erst bei einer Spedition von 80 bis 100 Telegrammen und Eilbriefen am Tag hätte die Anlage rentiert. Trotzdem beschloss man bereits im Dezember 1925, beim Neubau den späteren Anschluss vorzusehen. Im Mai 1926 gingen die ersten Banken ans Netz, im Januar 1927 folgte schliesslich auch die Zürcher Kantonalbank. Ende der 1960er Jahre wurde das Netz automatisiert, sodass die Büchsen in der Zentrale Fraumünster nicht mehr von Hand umgeladen werden mussten. Das Rohrnetz umfasste nun eine Strecke von 45 Kilometern, da auch Poststellen in den Aussenquartieren angeschlossen worden waren. Bis zur kompletten Einstellung der Stadtrohrpost Ende 1996 blieb die Zürcher Kantonalbank mit den Posteinrichtungen und den anderen Banken unterirdisch verbunden. Mit dem Aufkommen von E-Mail war die Rohrpost für die eilige Nachrichtenübermittlung obsolet geworden.

Netz der Stadtrohrpost, Stand 1952. In Blau die Zürcher Kantonalbank, in Gelb die Zentrale Fraumünster und die Postfiliale Hauptbahnhof.

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Haupttelegraphenamt Fraumünster mit der im Aufbau befindlichen Stadtrohrpostzentrale, 1926. In der Mitte sind die Empfangs- und Sendeeinrichtungen für die Banken, mit Platz für weitere Teilnehmer – wie 1927 die Zürcher Kantonalbank.

Haupttelegraphenamt Fraumünster mit der im Aufbau befindlichen Stadtrohrpostzentrale, 1926. In der Mitte sind die Empfangs- und Sendeeinrichtungen für die Banken, mit Platz für weitere Teilnehmer – wie 1927 die Zürcher Kantonalbank.

Titelbild: Stadtrohrpostzentrale im Haupttelegrafenamt Fraumünsterpost, 1950.

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