Aktiengeschäfte: Zwischen Kundenwunsch, Ertrag und Risiko

Aktiengeschäfte gab es bereits in der Gründungszeit der Zürcher Kantonalbank. Sie wurden stets nachgefragt, brachten aber neben Erträgen auch Risiken mit sich. Die Bank versuchte, aus Verlusten zu lernen und ihre Methoden zu verbessern. Viele dieser Erfolgsrezepte haben auch heute noch Bestand, so wie das systematische Aktien-Research.

1885 bezeichnete Bankrat Otto Heinrich Arbenz das Effektengeschäft, und damit auch den Aktienhandel, ganz konkret als Risiko. Gerade die Internationalisierung bringe hier Gefahren mit sich. Zum einen mussten ausländische Aktien erst einmal sicher von Ort zu Ort gebracht werden, zum anderen war es schwieriger herauszufinden, wie rentabel eine im Ausland befindliche Firma wirklich war. Trotzdem war der Tenor im Bankrat, man solle das Aktiengeschäft weiterbetreiben. Denn viele Kunden würden sich die Bank als Vermittler für die An- und Verkäufe von Aktien wünschen. Einen weiteren Pluspunkt sah man im Ertrag, den die Aktienaufträge für die Bank generierten.

Ein Crash liess nicht lange auf sich warten

Als aufgrund von Spekulationen 1891 die Kreditbank in Winterthur selbstverschuldet in Liquidation trat, trafen die Zürcher Kantonalbank erhebliche Verluste: «So wurde namentlich auch unsere Bank sehr empfindlich durch diesen Zusammensturz berührt.» Die Untersuchung ergab: Man habe bei den Aktien zu wenig auf die Qualität geachtet und zudem sei aufgrund hoher Auslastung eine mangelnde Sorgfalt bei der Unterschriftenprüfung vorgekommen. Bald stellte sich auch noch heraus, dass ein Filialverwalter der Zürcher Kantonalbank in die Spekulationen selbst verwickelt gewesen war. Als Lehre aus dem Vorfall setzte die Bank «selbständig arbeitende Gehülfen» ein, um die Direktoren zu entlasten. So sollte es diesen wieder möglich sein, «die Aufsicht über alle Zweige des Geschäfts mit mehr Erfolg zu führen und Portefeuille und Archivbestände einer häufigeren Durchsicht zu unterwerfen».

Anleihe der Compagnie Universelle du Canal Interocéanique de Panama, 1888. Der vorerst provisorische Titel konnte in mehreren Tranchen abbezahlt und später in einen definitiven Titel umgewandelt werden.

Kein Schwarzsehen trotz schwarzem Donnerstag

Bedeutende Verluste gab es auch später, wie es in einem Bankratsprotokoll von 1921 heisst: «Die Fehlbeträge in der Rechnung sind die Folge der verheerenden Kursrückgänge auf dem Effektenmarkt und der enormen Entwertung der fremden Valuten, insbesondere der Mark und der Krone.» Es ergab sich ein Deckungsmanko.Die Lehre auch hier: Nicht zu viel an einen Nagel hängen, «d.h. einem und demselben Schuldner nicht gar zu grosse Kredite [auf hinterlegte Wertpapiere] gewähren».

Als am Schwarzen Donnerstag, dem 29. Oktober 1929, viele Anleger in den USA nach einer kurzen Stagnationsphase gleichzeitig versuchten, ihre Aktien zu verkaufen, löste dies einen Börsencrash mit Folgen für die Weltwirtschaft aus. In der Zürcher Kantonalbank wurde daraufhin kontrovers diskutiert, ob man sich aus Börsengeschäften ganz zurückziehen solle. Es setzte sich im Bankrat jedoch die Meinung durch, dass die Börse im Wirtschaftsleben nicht entbehrt werden könne. «Wie wäre es möglich, die Anleihen des Bundes, der Kantone, Städte und Gemeinden und der grossen Konzerne auszugeben, ohne dass eine Börse existierte, an der diese Papiere wieder leicht realisiert werden können.» Bestimmte Industrien seien zudem von einem gewissen Risiko nicht zu trennen. Aktien würden existieren, um solche Risiken von einzelnen Schultern auf mehrere zu verteilen.

Aktie der in der Nähe von Sevilla tätigen Gesellschaft Islas del Guadalquivir, 1926.

Aktie der in der Nähe von Sevilla tätigen Gesellschaft Islas del Guadalquivir, 1926.

Systematische Beobachtung schärft den Blick

Der Bankrat war sich doch auch der Gefahren des Aktiengeschäftes bewusst. Vorsicht sei bei Scheingründungen von Firmen und Spekulationspapieren geboten. Als Risiko wurde die Unkenntnis über die reale Wirtschaftslage oder den Zustand von Unternehmen erkannt. Eine Motion verlangte deshalb 1930 die Schaffung eines Wirtschaftsarchives innerhalb der Zürcher Kantonalbank. Systematisch gesammeltes Informationsmaterial sollte ein objektiveres Urteil erlauben und Klarheit in sehr viele Geheimnisse des Wirtschaftslebens und des Aktienwesens bringen. Denn man war überzeugt: «Auch ein gut versierter Bankfachmann kann nicht so auf dem Laufenden sein, dass er aus dem Handgelenk Entscheidungen treffen kann, ohne sich von Zeit zu Zeit zu informieren.» Bereits im selben Monat begann die Bank Zeitungsausschnitte, Statuten und Geschäftsberichte von Firmen systematisch zu sammeln. Und dies tut sie mit ihrem Aktien-Research auch heute noch in modernisierter Form zum Nutzen ihrer Kunden.

 

«Wir werden nun ja auch in der Zukunft immer mehr mit Vermögensverwaltung zu tun bekommen. Wie könnten wir uns da der Aufgabe entziehen, der objektive Berater unserer Kunden zu sein?»
Bankratsprotokoll, 31. Januar 1930.

Aktie der Elektrischen Strassenbahn Bremgarten-Dietikon, 1901.

Anleihe der Budapester Elektrischen Stadtbahn, 1896.

Aus dem Wirtschaftsarchiv hat sich das heutige Research entwickelt, das börsenkotierte Firmen und Emittenten von Obligationen beobachtet und analysiert. Das Aktien- und Obligationen-Research der Zürcher Kantonalbank deckt schweizweit aktuell etwa 130 Unternehmen respektive rund 200 Emittenten ab – mehr als jedes andere Institut. Zudem werden auch ausländische Aktiengesellschaften und Emittenten analysiert. Basierend auf Unternehmenspräsentationen, Firmenbesuchen, Managementinterviews und den laufenden Konkurrenz-, Konjunktur-, Branchen- und Technologieentwicklungen werden umfangreiche Modelle erstellt, welche als Grundlage für die Aktieneinstufungen und Obligationen-Ratings dienen. Die Ergebnisse der Research-Tätigkeit werden den Kunden in Form von Studien über verschiedene Distributionskanäle, persönliche Gespräche und Präsentationen zur Verfügung gestellt. Das Research der Zürcher Kantonalbank wird von Print- und elektronischen Medien als wichtiger Ansprechpartner zu Branchen- und Unternehmensthemen genutzt.

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Titelbild: Ein chinesischer Bond aus dem Jahre 1913 im Historischen Archiv der Kantonalbank zeugt vom stark international geprägten Wertschriftenhandel.

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