Apfelaktion statt Frauenstreik

Der Frauenstreik von 1991 hatte kaum Auswirkungen auf den Bankbetrieb. Nur ein paar schreiende Kinder störten die Büroidylle.

Gestreikt wurde am 14. Juni 1991 bei der Zürcher Kantonalbank nicht. Gleichwohl führten die im Vorfeld gestellte Frage, ob man am Vierzehnten auch streike, und viele Begegnungen am Aktionstag selbst zu Diskussionen über die Situation der Frauen bei der Bank. Wie steht es eigentlich um die Gleichberechtigung? Was sind ihre Probleme im Arbeitsalltag? Zudem verteilten die Frauen Äpfel an ihre männlichen Arbeitskollegen. Was sie sich davon versprachen, ist nicht überliefert. Möglicherweise erhofften sie sich, dass die Männer beim Verzehr der Frucht vom Baum der Erkenntnis zu neuen Einsichten gelangen würden. Allein diese harmlose Aktion führte im Vorfeld zu einiger Aufregung. Die Arbeitsgruppe für Gleichberechtigungsfragen hatte sich erdreistet, das Flugblatt mit der Idee des Äpfelverteilens nicht nur an die Mitarbeiterinnen zu versenden, sondern auch – auf Kosten der Bank – an Pensionierte und einzelne Gattinnen von Angestellten. Generaldirektion und Bankpräsidium waren «gar nicht begeistert» und stellten die Verantwortlichen zur Rede.

Unerwarteterweise hatte der Frauenstreik trotzdem grössere Auswirkungen auf den Bankbetrieb. Viele Männer konnten an diesem Tag nicht darauf zählen, dass ihre Partnerinnen die Kinder betreuten, weil sie an den Kundgebungen mitliefen. Deshalb nahmen die Männer die «kleinen Schreihälse», wie es in einem Bericht der Personalzeitung heisst, mit ins Büro. So hatten viele von ihnen am Frauenstreiktag einen Eindruck davon, was sie zu Hause jeden Tag verpassten …

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Plakat des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes zum Frauenstreik.

Titelbild: Szenerie am Zürcher Paradeplatz mit Transparent «Herr schafft, Frau streikt».

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