Darf die Bank sich ein Auto kaufen?

Als sich die Bankverantwortlichen diese Frage stellten, war das Strassenbild der Schweiz beherrscht von Fussgängern, Fuhrwerken und Kutschen. 

Was wohl der Kunde dazu sagt?

Noch bis zum Ersten Weltkrieg (1914–1918) konnten sich nur Reiche ein Auto leisten. Dann aber wurden die Fahrzeuge günstiger und für die gehobene Mittelschicht erschwinglich. 1922 fanden auch die Verantwortlichen der Zürcher Kantonalbank, es sei der richtige Zeitpunkt, das erste Automobil anzuschaffen. So könne man schneller bei den Kunden oder den im Kanton verstreuten Geschäftsstellen sein sowie kleinere Transporte von Dokumenten und Gegenständen übernehmen. Bankratspräsident Heinrich Rüegg berichtete seinen Kollegen, dass «gegenwärtig in der Garage des Hotels Baur au Lac am Schanzengraben noch ein Platz zum Einstellen eines Autos frei ist, der anderweitig vermietet wird, wenn wir nicht darauf reflektieren. Chauffeur und Personal für Reparaturen und die Reinigung wären vorhanden.»
Doch ein Bankrat meldete Bedenken an: Welchen Eindruck würde es wohl bei den Leuten machen, die doch von der Kantonalbank günstige Darlehen erwarteten und nun ihre Vertreter und Schätzer mit einem Auto vorfahren sähen. Daraufhin wurde ein pragmatischer, wenn auch nicht ernst zu nehmender Vorschlag protokolliert: Man könne doch einfach nicht ganz bis vors Haus fahren und das letzte Stück Weg zu Fuss gehen.

Das Bankgeschäft soll Fahrt aufnehmen

Bei der wenig ausgebauten Verkehrsinfrastruktur benötigte man viel Zeit, um auf dem Land Liegenschaften zu besichtigen oder Geld einzutreiben. Auch die Inspektion der Filialen war aufwendig. Das Auto sollte es erleichtern, «dass die Mitglieder der Bankkommission und die Direktion Augenscheine häufiger als bisher vornehmen könnten». Weiter wurde argumentiert, «auch der stark beschäftigte Schätzungsbeamte (…) könnte das Auto mit Vorteil benützen und mit ihm viel Zeit einsparen».
So beschloss der Bankrat einstimmig die Anschaffung eines Automobils, eines nicht zu grossen, das aber doch vier Personen Platz bieten müsse. Ein Problem gab es trotzdem: Niemand von der Belegschaft konnte Auto fahren. Aber auch dafür fand man eine Lösung: Als Erste durften der Liegenschaftsschätzer und einer der Bankboten den Führerausweis machen.

Titelbild: 1922 beschaffte sich die Zürcher Kantonalbank als erstes Firmenauto einen Ansaldo. Später kam ein Martini hinzu, wie er auf dem Bild zu sehen ist.

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