Das schnurrigste Buchungssystem der Welt?

Bis 1979 führte jede Geschäftsstelle eine eigene Buchhaltung, bis schliesslich ein neues «Haustier in Wiedikon» einzog und alles veränderte. Nach den ersten Berührungsängsten hatte jeder sein BUSY so gern, dass Musikbegeisterte es sogar in einem Song verewigten. Und selbst heute schnurrt es noch ab und zu.

1979 begann eine neue Ära im Backoffice der Zürcher Kantonalbank. Etwas kryptisch hiess es in der Personalzeitung – in Anlehnung an eine Hauskatze: «Das BUSY schnurrt bereits. Nun, bei diesem BUSY handelt es sich weniger um ein schmeichelndes Wesen aus dem Bereich der Zoologie; nein, damit ist das ZKB-Buchungssystem (BUSY) mit IBM-3600-Terminals gemeint.» Ab dem 12. März 1979 arbeitete die Agentur Zürich-Wiedikon als Pilot-Zweigstelle der Zürcher Kantonalbank mit dem neuen Computersystem. Das BUSY-Terminal gewährleistete die Online-Erfassung sämtlicher Daten der Finanzbuchhaltung mit laufender Soll-Haben-Abstimmung, machte Bestände und Umsätze online verfügbar und bildete die Grundlage für den Direktanschluss weiterer EDV-Applikationen. Damit besass die Zürcher Kantonalbank gemäss Personalzeitung «das modernste Buchungssystem unter den Schweizer Banken».

«Ich hypnotisierte die einzelnen Tasten»

Diese organisatorischen Neuerungen waren für die Mitarbeitenden gewaltig. Die Stimme einer Mitarbeiterin aus Wiedikon klingt noch ein wenig unsicher: «Um ganz ehrlich zu sein, an jenem 12. März 1979 hatte ich am Morgen ein recht ‹mulmiges› Gefühl im Magen, denn es galt ja zum ersten Male ernst. [….] Ich hypnotisierte die einzelnen Tasten während der ersten Eingaben am Bildschirm geradezu, wahrscheinlich weil ich Angst hatte, irgendeinen dummen Fehler zu begehen. Nach den ersten erfolgreich abgeschlossenen Transaktionen löste sich meine verkrampfte Arbeitsweise, und auch von der anfänglich vorhandenen Nervosität spürte ich kaum etwas. Beruhigend für mich war vor allem, dass uns während der ersten Tage die BUSY-Instruktorinnen und -Instruktoren jederzeit hilfsbereit zur Seite standen.» Das mulmige Gefühl dürfte sich also bald gelegt haben!

BUSY-Terminal mit Kartenschlitz (links), Tastatur (rechts unten) und Anzeige (rechts oben).

Tastatur des BUSY-Terminals.

Song für BUSY

Die Bemühungen um eine möglichst gute Implementierung dieses Systems haben sich gelohnt. BUSY wurde nämlich legendär – und ist immer noch im Einsatz. 2019 feierte das BUSY übrigens sein 40-jähriges Dienstjubiläum. Ab dem Jahr 2004 wurden laufend Kontenbereiche in BUSY abgelöst und auf eine SAP-Plattform migriert; jedoch ist der Migrationsprozess noch nicht ganz abgeschlossen.

Die vollständige Ablösung des BUSY dauert voraussichtlich noch bis 2024. Lag es am putzigen Namen oder war es die epocheprägende Bedeutung? Jedenfalls wurde es bereits beim 20-Jahr-Jubiläum von den Mitarbeitenden mit einem eigens kreierten Song gefeiert, dessen Refrain lautete: «S’Busy häd en tüüffe Sinn. Z’friedeni Kunde uf de ZKB, dank em Busy, olé!»

Illustration aus der Mitarbeiterzeitung, 1979.

Wie die Eingabe am Gerät funktionierte, veranschaulicht folgendes Beispiel: Ein Kunde will 500 Franken in bar auf sein Konto einzahlen. Wenn der Kunde seine Kontokarte dabeihat, wird sie durch den Kartenschlitz gezogen, ansonsten muss die Kontonummer manuell eingegeben werden. Anschliessend gibt man die Zahl 500 ein, drückt die Taste «Betrag», dann die Taste «KA» (Kasse), weiter die Taste «H!» (Haben) und schliesslich die Taste «A» als Bestätigung der Transaktion.

Titelbild: Einsatz am Schalter.

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