Das Wandern ist des Werbers Lust

In der Zwischenkriegszeit wurden erste Wanderwege angelegt, und in den 1970er Jahren erlebte das Wandern einen regelrechten Boom. Die Zürcher Kantonalbank förderte die Verbreitung dieser Freizeitbeschäftigung mit ausgewählten Routentipps – was plötzlich auch die Werbeabteilung der Bank auf den Plan rief.

Dörfer und Städte wuchsen immer stärker, und der motorisierte Verkehr brachte viel Staub, Lärm und Gestank in die Siedlungsgebiete. Ab den 1930er Jahren versuchte deshalb die Naturfreunde-Bewegung das Wandern durch Feld und Wald einer breiteren Öffentlichkeit schmackhaft zu machen. Erklärtes Ziel: die körperliche und geistige Regeneration. Sie bestimmte erste Wanderrouten und markierte sie mit gelben Wegweisern. Seit 1972 setzte auch die Zürcher Kantonalbank auf das Wandern. Sie wollte sowohl die Volksgesundheit wie auch einen schonenden Umgang mit der Natur fördern. Dies entsprach ganz ihrem Credo, nicht nur die Wirtschaft zu unterstützen, sondern auch der Umwelt und der Gesellschaft gegenüber verantwortungsvoll zu handeln. Ab April 1973 lagen an den Schaltern der Bank jeden Monat neue Wandervorschläge auf. Sie waren in Zusammenarbeit mit der Zürcherischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege (ZAW) entwickelt worden, der schweizerischen Pionierin des gelb-bestimmten Fussmarsches.

Volkssport bringt auch die Werbeabteilung auf Touren


Die sehr beliebten Routenvorschläge waren im Dezember 1973 Ausgangspunkt für ein kleines Experiment der bankeigenen Werbeabteilung. Sie wollte wissen, wie gross die Beachtung der geschalteten Werbung in verschiedenen Zeitungen war, eine noch heute schwer zu beantwortende Frage. Sie veröffentlichte deshalb am gleichen Tag in acht Tageszeitungen in gleicher Grösse und mit gleicher Platzierung das gleiche Inserat. Es bestand hauptsächlich aus einem Coupon, mit dem die Leserschaft bei der Bank gratis neun Wandervorschläge bestellen konnte. Anhand des Rücklaufs der Coupons aus den verschiedenen Zeitungen und dem jeweiligen Inseratepreis konnte nun das beste Preis-Leistungs-Verhältnis ermittelt werden. Eindeutiger Gewinner war gemäss einer Rangliste, die die Hauszeitung später publizierte, der Tages-Anzeiger. Die Kosten pro zurückgeschicktem Coupon betrugen hier 4.37 Franken. Die Erkenntnisse wurden nun bei der Inserateplanung für eine allgemeine Sparkampagne eingesetzt. Als Zielgruppe sollten nämlich alle Bevölkerungskreise und Kaufkraftklassen angesprochen werden – wie dies bei der Freizeitbeschäftigung Wandern eben auch der Fall war und bis heute geblieben ist.

Wegweisendes Gelb


Noch heute unterstützt die Bank die Lieblingssportart der Zürcherinnen und Zürcher. Das nun jährlich erscheinende Wanderprogramm «Wanderungen in der Schweiz» enthält rund 50 Routenvorschläge, die individuell oder in einer geführten Gruppe begangen werden können. Mitgliedern des Vereins «Zürcher Wanderwege» stehen diese auch digital auf einer App zur Verfügung. Zudem trägt die Zürcher Kantonalbank dazu bei, dass die gelbe Beschilderung im Kanton Zürich à jour gehalten werden kann, damit alle Wanderinnen und Wanderer sicher an ihr Ziel kommen.

 

Wanderwege für Pioniere


Zum 125-Jahr-Jubiläum eröffnete die Bank 1995 einen eigenen «ZKB-Jubiläumsweg», der zu Ehren des «Bankvaters» Johann Jakob Keller rund um seinen Heimatort Gibswil führte. Lehrlinge der Bank hatten dem lokalen Forstamt beim Bau des Rundwanderwegs tatkräftig geholfen. 2016 wurde der ZKB-Jubiläumsweg saniert und in das offizielle Wanderwegnetz aufgenommen. Gleichzeitig erfolgten auch die Umbenennung in Johann-Jakob-Keller-Weg und die Anbringung von zwei Gedenktafeln. Dem Projektleiter Sponsoring war nämlich aufgefallen, dass es mit den Guyer-Zeller-Wegen im Kanton bereits solche Erinnerungswege gibt und auch der Bankvater diese Ehre verdient hätte. Ironie der Geschichte: Dass es die historischen Wanderwege für den Textil- und Eisenbahnpionier Adolf Guyer-Zeller überhaupt gab, war zu einem Teil ebenfalls der Zürcher Kantonalbank zu verdanken. Sie hatte 1970 bei ihren Jubiläumsvergabungen zum Hundertjährigen unter anderem 25’000 Franken für die Erhaltung dieser Wege rund um die Baumwollspinnerei Neuthal gespendet.


Werbung für Wandervorschläge, 1979.


Aushang mit Hinweis auf das neue Wanderprogramm, 2010.

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