Der Tiger ist los – die Schweiz als Ziel

2002 wagt die Zürcher Kantonalbank mit dem Projekt «Tiger» den Schritt über die Kantonsgrenze. Neu bietet sie Firmenkunden in der ganzen Schweiz ihre Dienstleistungen an.

Mit dem Projekt «Tiger» werde lediglich der Aktionsradius der Bank gezielt ausgedehnt, schrieb 2002 die Personalzeitung. Die NZZ hingegen titelte: «Strategische Neupositionierung der Zürcher Kantonalbank». Wer hat recht?

Vorhandenes Know-how nutzen und ausbauen

Die 5000 grössten Firmen schweizweit – mit primärem Fokus auf die Deutschschweiz – als Kunden anzupeilen, war bezüglich Dienstleistungsangebot nur teilweise eine Neupositionierung. Die Bank verfügte bereits über breite Erfahrung und über zahlreiche Dienstleistungsangebote, um grosse oder exportorientierte Firmen im eigenen Kanton zu unterstützen. Ihr gesetzlicher Auftrag beinhaltet, die ganze Palette an Finanzdienstleistungen einer Universalbank für alle Zürcher und Zürcherinnen anzubieten. Deshalb konnte man in vielen Bereichen auf bestehendes Wissen und vorhandene Infrastruktur aufbauen; durch die stärkere Nutzung konnten bei nur leicht steigenden Kosten die Risiken breiter gestreut und mehr Erträge erwirtschaftet werden. Zudem weitete die Bank in der Folge ihr Handelsgeschäft, das Research, die Vermögensverwaltung und das Leasinggeschäft aus. Ein ausserkantonales Filialnetz wollte die Bank nie aufbauen.

Wachsen aus eigener Kraft

Für den Erfolg der «Tiger»-Offensive waren die Mitarbeitenden ein entscheidender Faktor. Unter dem Motto «Gemeinsam erfolgreich abheben» wurden Mitarbeitende und Pensionierte aufgerufen, als «Türöffner» für potenzielle Kunden in ihrem Bekanntenkreis zu wirken. Vierteljährlich wurde der vielversprechendste Kontakt mit dem «Adler des Quartals» ausgezeichnet und vom Leiter Firmenkunden persönlich verdankt. Gewachsen ist mit dem Projekt «Tiger» auch die bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Denn die vielfältigen Bedürfnisse grosser Firmen verlangten, dass interne Erfahrung und Produkte zu massgeschneiderten Lösungen pro Kunde zusammengesetzt wurden. In der Personalzeitung liest man deshalb immer wieder Aussagen wie diese: Das Bereicherndste im Projekt ist die Zusammenarbeit, die Aufbruchstimmung «und das Schönste, wenn es gelingt, aus einer Akquisition [Kontaktaufnahme] einen Kunden zu gewinnen.»

Bereits stark bei KMU

Die Wirtschafts- und Immobilienkrise hatte in den 1990er Jahren zu Restrukturierungen und sogar zum Notverkauf zweier Kantonalbanken geführt. Die Tätigkeit in nur einem Kanton und die starke Ausrichtung auf das Hypothekargeschäft wurden als doppeltes Klumpenrisiko wahrgenommen. Diversifizierung zur Risikominimierung wurde deshalb zu einem strategischen Ziel der Zürcher Kantonalbank. Im Kundenkreis der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nahm die Bank um die Jahrtausendwende bereits einen Spitzenplatz im Kanton ein. Mit dem Projekt «Tiger» wollte sie nun landesweit zu einer führenden Anbieterin ausgewählter Dienstleistungen für mittlere und grosse Firmenkunden werden.

Eine Alternative zu den Grossbanken

Die Zürcher Kantonalbank zählt 2020 ca. 50 Prozent aller Privatpersonen und Unternehmen im Kanton Zürich zu ihren Kunden. Und sie ist für jedes grosse Unternehmen und jede Pensionskasse in der Schweiz die einzige lokale Alternative zu den beiden Grossbanken mit dem gesamten Spektrum an Finanzdienstleistungen: Neben den beiden Grossbanken ist nur die Zürcher Kantonalbank in der Lage, komplexe Konsortialkredite mit mehreren Parteien zu arrangieren. Leasing für Industriegüter, aber auch für Landwirtschaftsmaschinen, ist ein Leistungsangebot, welches sonst von keiner anderen Inlandbank angeboten wird. Mit Swisscanto Invest ist die Zürcher Kantonalbank der drittgrösste Schweizer Assetmanager und damit eine gerne gesehene Partnerin für die Bereitstellung von Fonds sowohl für Schweizer Pensionskassen wie für private, kleine und grosse Anleger. Das Research der Bank beurteilt 130 Schweizer Unternehmen und öffentliche Körperschaften; mehr als alle anderen Schweizer Banken. Damit leistet die Zürcher Kantonalbank einen wichtigen Beitrag für kleinere und mittlere börsenkotierte Schweizer Organisationen, die sonst weder Beachtung noch Käuferinnen und Käufer für ihre Aktien und Obligationen fänden. Die Zürcher Kantonalbank hat in den letzten Jahren in Anzahl und Volumen die meisten Schweizer Kapitalmarkttransaktionen für Eigenkapital und Fremdkapital durchgeführt. Der Handelsfloor ist die Drehscheibe für viele Inlandbanken, welche die Vermittlung der Zürcher Kantonalbank in Anspruch nehmen, um ihre Zins und Währungsgeschäfte abzusichern. Das Ziel des Tigers – die Schweiz – ist also erreicht!

Titelbild: Auch ausserhalb des Kantons ist die Zürcher Kantonalbank eine verlässliche Partnerin für grosse Unternehmen. Kundendichte, 2019.

Inhalt teilen

Für eine optimale Ansicht drehen Sie bitte Ihr Smartphone.