Die Bank folgt ihren Kunden ins Ausland

Wenn Firmenkunden ihr Tätigkeitsgebiet immer stärker aufs Ausland ausweiten, muss auch ihre Bank den Schritt über die Grenze machen, um sie weiterhin mit Finanzdienstleistungen unterstützen zu können. Doch was ist, wenn es sich dabei um eine Kantonalbank handelt?

Die zunehmende Globalisierung und Mobilität im Kanton Zürich weckte bei den Firmenkunden der Zürcher Kantonalbank neue Bedürfnisse. Während internationale Grosskonzerne für Finanzdienstleistungen traditionell mit weltweit tätigen Universalbanken zusammenarbeiteten, waren kleine und mittlere Unternehmen häufig Kantonalbankkunden. Diese strebten ab Ende der 1970er Jahre vermehrt ins Ausland: So eröffneten sie z. B. weitere Produktionsstätten, bauten weltweite Verkaufsorganisationen auf oder sahen sich bei Exportgeschäften mit komplexen Zahlungsbedingungen konfrontiert. Für die Zürcher Kantonalbank war klar, dass sie ihre Firmenkunden auch bei Auslandsgeschäften mit Finanz- und Beratungsdienstleistungen unterstützen wollte. Wie weit man dabei gehen sollte, war allerdings im Bankrat sehr umstritten. Der Sprung über die Kantonsgrenze und sogar über die Landesgrenze hinaus lief der Idee der Gründerväter zuwider. Eine Mehrheit der Bankräte war jedoch der Ansicht, dass die Zürcher Kantonalbank auf die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung mit dem Ausland reagieren sollte, wenn man konkurrenzfähig bleiben und wichtige Kunden nicht verlieren wollte. Die Bank entschied sich deshalb, zusammen mit den anderen Kantonalbanken eine Basis für das Auslandsgeschäft aufzubauen – mit unterschiedlichem Erfolg. Bereits 1977 gelang es, eine Vereinbarung unter den Kantonalbanken für die Finanzierung von Schweizer Exporten abzuschliessen. Insbesondere die Mehrheitsbeteiligung an der international tätigen Omnibank von 1985 stand aber unter einem unglücklichen Stern. Sie geriet sehr schnell in die Verlustzone und musste 1991 restrukturiert werden.

1989 gelang es unter Führung der Zürcher Kantonalbank schliesslich, die umfassende «KB-Kooperation Auslandgeschäft» auf die Beine zu stellen. Dank den Kooperationsabkommen mit befreundeten ausländischen Banken, insbesondere in Deutschland und Frankreich, war es nun möglich, die Bedürfnisse der Kantonalbankkundschaft auch im Ausland bestmöglich zu bedienen. Für den Zahlungsverkehr und die Aussenhandelsfinanzierung unterhält die Zürcher Kantonalbank zudem weltweit ein dichtes Korrespondentennetz und beschäftigt Spezialisten für die Absicherung und Finanzierung von internationalen Geschäften. Ihnen steht mit Akkreditiven, Bankgarantien, Dokumentarinkassos und Exportfinanzierungen (u. a. mit Deckung der Schweizerischen Exportrisikoversicherung, SERV) ein breites Instrumentarium zur Verfügung.

Heute ist die Zürcher Kantonalbank die Nummer drei der Schweizer Banken im Trade- und Exportfinanzierungsgeschäft in der Schweiz und unterhält ein weltweites Netzwerk mit rund 1200 geprüften Banken in über hundert Ländern. Am Hauptsitz beschäftigt die Zürcher Kantonalbank im Bereich Financial Institutions & Multinationals für Trade und Export Finance rund 50 Mitarbeitende. Pro Jahr werden Tausende Akkreditive, Inkassi und Garantien abgewickelt.

Plakat, 1980er Jahre.

Anpassung an veränderte Wirtschaftslage

1993 beschloss die Zürcher Kantonalbank, das Auslandsengagement zusammen mit der Waadtländer Kantonalbank durch eine eigene Vertretung in Singapur zu verstärken, da die Banken Asiens noch nicht ausreichend entwickelt waren, um als Kooperationspartner zu dienen. Zu diesem Zeitpunkt machte das Auslandsengagement 3,5 Prozent der Bilanzsumme der Zürcher Kantonalbank aus, obwohl nach Gesetz ein Spielraum von 10 Prozent erlaubt war. In der Bankratssitzung vom 19. August 1993 setzte sich folgende Meinung durch: «Eine Bank mit einer Bilanzsumme von 50 Milliarden Franken und vielen Grosskunden kann unmöglich nur im Kanton Zürich tätig sein, sie muss sich ändernden wirtschaftlichen Entwicklungen anpassen und im Ausland vertreten sein.» Schwergewichtig sollten in Singapur ab 1994 kommerzielle Geschäfte der Schweizer Kundschaft unterstützt werden. Weitere sogenannte Repräsentanzen folgten in Peking (1997), Mumbai (2006) und São Paulo (2012). Heute haben rund 10 Prozent des Risikos und des Ertrags der Kantonalbank einen direkten Auslandsbezug. Die Kommission, deren Mitglieder der Kantonsrat jeweils aus seinen Reihen zur Durchführung der Oberaufsicht bestimmt, formulierte den nicht ganz einfachen Konsens zwischen verschiedenen Anspruchshaltungen in ihrem Bericht zum Geschäftsjahr 2016 so: «Neben der Verankerung im Wirtschaftsraum Zürich möchte die Zürcher Kantonalbank auch eine global vernetzte und international erfolgreiche Universalbank mit einer Kombination aus Kundennähe, Kompetenz und Verantwortung sein. Diesem Anspruch kann sie nur mit internationalen Verbindungen und dem Bedienen von internationalen Kunden gerecht werden.»

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