Die Bank während des Kriegs 1939–1945

Während seiner Sitzung vom 1. September 1939 erreichte den Bankrat die Nachricht, dass es zwischen Deutschland und Polen zum ersten Schusswechsel gekommen war. Schon bald spürte die Bank die Auswirkungen des Kriegsausbruchs unmittelbarer. Zum Kriegsende am 8. Mai 1945 vermerkt das Protokollbuch der Filiale Winterthur eine gemeinsame Vesper der Filialkommission.

Bankpräsident Ernst Haegi zeigte sich in der Bankratssitzung vom 24. Mai 1940 betroffen: «Wir stehen erschüttert vor der Tragik der überfallenen Völker, den zahllosen Opfern und der Unsumme von Leid, die das gewaltige militärische und politische Ringen in sich schliesst. Wir fragen uns besorgt, wie lange diese furchtbare Vernichtung blühender Menschenleben und grosser Kulturwerte noch dauern wird. Wir fragen weiter: Welche Rückwirkungen wird der Ausgang der Entscheidungen schliesslich auf unser Land, auf unsere staatliche Selbständigkeit und auf den Gang unserer Wirtschaft, namentlich die Exportmöglichkeiten haben?»

Die Kriegsereignisse beeinflussten auch das Bankgeschäft. Das Hypothekargeschäft war rückläufig, weil wenig gebaut wurde. Es gab gleichzeitig neue, allerdings wenig lukrative Aufgaben: «Der Staat ist weitgehend der Hauptkunde der Banken geworden und erhebt Anspruch auf besonders günstige Bedingungen. […] Es ist leider nicht gelungen, für die gewaltige Mehrbelastung, welche die Erhebung der Verrechnungssteuer – neben derjenigen der Couponsabgabe und der Wehrsteuer an der Quelle – den Banken auferlegt, irgendwelche Entschädigung vom Bund zu erlangen», so der Geschäftsbericht 1943.

Die Spareinlagen gingen zeitweise ebenfalls zurück. Die Bevölkerung behielt Bargeld «für alle Fälle» griffbereit. Besonders markant waren die Abflüsse der Spargelder im Sommer 1939, also schon vor Kriegsausbruch, und Mitte 1940, als die Deutsche Wehrmacht in Holland, Belgien und Luxembourg einmarschierte bzw. in Frankreich einfiel. Bevor viele Menschen aus Zürich die Stadt in Richtung Innerschweiz oder Berner Oberland verliessen, zahlte die Bank in wenigen Tagen 2,36 Millionen Franken Spargelder aus.

Ehemalige und Aushilfen springen in die Lücke

Im Bankbetrieb führten der Aktivdienst und die Generalmobilmachungen zu Personalengpässen: Im September 1939 waren bei einem Gesamtpersonalbestand von 573 Personen – ohne Lehrlinge, Praktikanten und Aushilfspersonal – über 250 Angestellte im Militärdienst. Ende September waren es 263. «Einige pensionierte Beamte (4), einige verheiratete weibliche frühere Angestellte (26) unserer Bank sowie 33 zur Aushilfe neu angestellte Kräfte haben die Lücken wenigstens teilweise ausgefüllt.» Ähnlich war es bei der zweiten Generalmobilmachung am 10. Mai 1940, bei der 55 Prozent der männlichen Angestellten fehlten. Deshalb und auch aus militärischen Gründen wurden grenznahe Agenturen in Feuerthalen, Marthalen und Eglisau vorübergehend ganz geschlossen sowie in anderen Filialen die Kassaöffnungszeiten eingeschränkt. «Mit der Mobilisation setzte eine teilweise Geschäftsstille ein, die das Bankgeschäft in einzelnen Zweigen entlastete», andernorts mussten mit dem verbliebenen Personal die gleichen oder gar neue Aufgaben bewältigt werden. Der Geschäftsbericht 1939 lobte und motivierte: «Das nichtdienstpflichtige Personal hat trotz der Einstellung zahlreicher Aushülfen seit Beginn des Aktivdienstes eine grosse Arbeitslast zu bewältigen gehabt. Auch in Zukunft wird es weiterhin erhöhter Leistungen des nicht im Militärdienst stehenden Personals bedürfen zur ordnungsgemässen Aufrechterhaltung des umfangreichen Geschäftsbetriebes.»

Die Zürcher Kantonalbank behielt auch in Kriegszeiten ihr soziales Engagement bei. Sie half in Not geratenen Menschen mit Kleindarlehen und führte 1945 das Ehestandsdarlehen ein, um junge ehemalige Aktivdienstleistende, die heiraten wollten, finanziell zu unterstützen. Sie spendete unter anderem der Kriegs-Winterhilfe und dem Roten Kreuz und beteiligte sich an der Schweizer Spende für Kriegsgeschädigte. Auch der Anfrage eines Aktionskomitees des Roten Kreuzes, das in einem Bankgebäude eine Sammelstelle für eine Bücheraktion für Kriegsgefangene einrichten wollte, kam sie gerne nach.

Vesper am Tag des Kriegsendes

Kurz vor Kriegsende, «als sich schliesslich die Alliierten im Wirtschaftsabkommen vom 8. März 1945 zu einer grundsätzlichen Revision ihrer Blockadepolitik gegenüber der Schweiz bestimmen liessen, wurde dieses Ergebnis unsererseits mit einem Gefühl grosser Erleichterung aufgenommen», heisst es im Geschäftsbericht 1945. Die Bankratsprotokolle enthalten keine Äusserungen zum Kriegsende. Im Visitationsprotokoll der Filiale Winterthur findet sich allerdings unter dem 8. Mai 1945 folgender Vermerk: «Die Sitzung schliesst, weil heute der Tag der Waffenruhe ist, mit einem Vesper im Restaurant Steinfels, zu welchem auch die beiden hier revidierenden Bankräte, die Herren Vollenweider und Randegger eingeladen werden.» Weiters nahm die Bankkommission der Filiale Winterthur daran teil: «die Herren Bezirksrichter J[akob] Peter, Bezirksanwalt O[tto] Gubler und Verwalter H[einrich] Ganz. Herr Oberstleutnant E[rnst] Hoerni befindet sich im Militärdienst.»

Titelbild: Aufgrund der damaligen Navigationsmöglichkeiten kam es manchmal zu irrtümlichen Bombenabwürfen auf schweizerisches Gebiet, so etwa am 4. März 1945 am Zürichberg.

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