Drehort Schalterhalle

Banken werden in Filmen normalerweise nachgebaut. Nicht so in den 1980er Jahren, als Emil Steinberger, Uwe Ochsenknecht und Walo Lüönd als Filmhelden durch die Haupthalle der Zürcher Kantonalbank stolzierten.

Am Sonntag, dem 14. Juni 1981, staunten die Schaufensterbummler an der Bahnhofstrasse nicht schlecht, als sie die Haupthalle der Zürcher Kantonalbank belebt und hell erleuchtet vorfanden. Des Rätsels Lösung lautete «Kassettenliebe». Rolf Lyssy drehte hier eine Szene für seinen neusten Film. Mittendrin war auch Emil Steinberger, der in dieser Komödie einen 40-jährigen Junggesellen spielt, der in einem Partnerwahlinstitut arbeitet. Er ist dafür zuständig, dass die Kunden, von denen jeweils ein kurzes Video-Porträt gedreht wird, sich vor der Kamera positiv darstellen. Selbstverständlich wird auch er von Amors Pfeil getroffen, und die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. In einer Szene begleitet der Partnervermittler eine Kundin in eine Bank, damit sie den vorgeschlagenen Partner, einen rechtschaffenen Bankberater am Schalter, einmal in natura begutachten kann. Die beiden verhalten sich jedoch so auffällig, dass sich der Sicherheitsdienst an ihre Fersen heftet. Im Film dauert die Szene in der Bank gerade einmal zwei Minuten, der Dreh jedoch war erst nach zwölf Stunden beendet. Vom Personal der Bank agierten vier Frauen und vier Männer als Statisten, daneben unterstützten unzähligen Helferinnen und Helfer die Filmcrew tatkräftig.

Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.
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Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.

Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.
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Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.

Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.
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Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.

Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.
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Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.

Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.
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Am Filmset von «Kassettenliebe» in der Haupthalle der Zürcher Kantonalbank.

Viel Klischee, viel Action

Einige Jahre später war der Hauptsitz nochmals Schauplatz eines Spielfilms. In «Die Dollarfalle» unter Regie von Thomas Koerfer stand nun der Angestellte einer Bank im Mittelpunkt, wie die Personalzeitung berichtete: «Es handelt sich um eine phantasievolle Story von einem jungen, ‹unseriösen› Bänkler (Uwe Ochsenknecht), der nach vielen Abenteuern endlich die Tochter (Babett Arens) des Bankdirektors (Walo Lüönd) heiratet und ein braver Karrieretyp wird.» An sechs von 25 Tagen wurde am Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank gedreht, wobei die Szenen in der Schalterhalle nachts gefilmt werden mussten, um den Publikumsverkehr nicht zu behindern.

Ganz so harmlos, wie die Personalzeitung die Story zusammenfasste, war sie allerdings nicht. Der potentielle Schwiegersohn – Langschläfer und aufgrund von Spielschulden als unzuverlässig taxiert – wird durch den Bankdirektor auf seine Seriosität geprüft, indem ihm illegale Dollarnoten zugeschoben werden, um sie in saubere Schweizer Franken umzutauschen. Die titelgebende Frage ist, ob er in die Dollarfalle tappt. Obwohl es um das damals stark beachtete Thema der Geldwäscherei ging, stellte ein Filmkritiker fest: «(…) tiefgründige Kritik am Schweizer Bankenwesen scheint nicht beabsichtigt, auch wenn vorwiegend unsaubere geschäftliche Machenschaften gezeigt werden.» Es handle sich vielmehr um einen klischeereichen Thriller mit Versatzstücken aus amerikanischen Action-Komödien, schrieb er nach der Ausstrahlung des Fernsehfilms im Herbst 1988.

Dass Räumlichkeiten der Zürcher Kantonalbank für Filmszenen gebraucht werden, kommt heute noch ab und zu vor. So wurden einige Szenen des aktuellen Lunchkinotrailers im Geschäftshaus Hard gedreht. Das Flair für den Film ist bei der Bank auch sonst nicht zu übersehen: Neben der Partnerschaft mit den Arthouse Kinos fördert die Bank die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur oder das Allianz Cinema am Zürichhorn. Zudem unterstützte sie die Schweizer Filmproduktion «Zwingli», die 2019 in die Kinos kam, mit finanziellen Mitteln und stellte auch einige Statisten aus dem Kreis ihrer Mitarbeitenden.

Matt Damon im Rathaus

Im internationalen Filmschaffen sind Schweizer Banken sehr beliebte Sujets. Allerdings tauchen sie meist mit einer negativen Konnotation im Zusammenhang mit Geheimkonten auf, vornehmlich in Spionage- oder Wirtschaftsthrillern. Dass die Szenen tatsächlich in Zürich oder Genf gedreht werden, ist eher die Ausnahme. Bei «The Informant!» mit Matt Damon in der Hauptrolle scheute man jedoch die Kosten nicht. 2008 reiste die Filmcrew extra nach Zürich. Bei der Bank, die Matt Damon nach einem kurzen Gang an der Limmat entlang betrat, handelte es sich allerdings nicht um ein hiesiges Institut, sondern um die fiktive «Suisse Bank Corp.». Als Bankgebäude musste im Film ausgerechnet das Rathaus, ein Hort der öffentlichen politischen Debatte, herhalten. Den Ratssaal mit seiner Zuschauertribüne bekam man im Film freilich nicht zu Gesicht. Die Innenaufnahmen mit den diskret abzuwickelnden Bankgeschäften drehten Matt Damon und Co. in einem alten Gebäude in Los Angeles.

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