Effektive Effektenbewirtschaftung gesucht

Warum hält eine Bank Wertpapiere wie Obligationen oder Aktien auf eigene Rechnung? Diese Papiere, früher als Effekten bezeichnet, können als Sicherheit dienen, um bei grossem Liquiditätsbedarf sehr rasch bei der Schweizerischen Nationalbank Geldmittel beziehen zu können. Oder als frei verfügbarer Wertpapiervorrat, der Kundenbedürfnisse sofort befriedigen kann. Umstritten ist der Verwendungszweck zu Handelsgeschäften.

Das Kantonalbank-Gesetz von 1869 hielt unmissverständlich fest, dass der Bank jede Beteiligung an industriellen Unternehmungen und die Spekulation in Wertpapieren untersagt ist. Folglich musste die Zürcher Kantonalbank auf Geheiss der kantonsrätlichen Rechnungsprüfungskommission 1871 alle von ihr gehaltenen Titel sofort verkaufen. Diese waren grösstenteils mit dem Gründungskapital an die Bank gelangt, da der Kanton seine Einzahlung teils in bar, teils in Wertpapieren machte. Auch in den Folgejahren galt der Ankauf von Wertpapieren auf eigene Rechnung als unstatthaft, da dieser Geschäftskreis im Kantonalbankengesetz nicht explizit erwähnt wurde. Allerdings ergab sich dadurch ein empfindlicher Zinsausfall, da brachliegende Gelder nur in tiefverzinsliche Wechsel angelegt werden konnten.

1888 entschied der Bankrat, wieder Wertpapiere auf eigene Rechnung zu halten, wobei es sich nicht um spekulative Aktien, sondern nur um sichere Obligationen handelte, die aber einen satten Zinsgewinn einbrachten. Je nach Marktlage und Geldbedarf konnten diese Wertpapiere leicht abgestossen und flüssig gemacht werden. Einige dieser als Effekten bezeichneten Titel gelangten auch unfreiwillig ins Portefeuille, wenn bei der Beteiligung an einer Wertpapieremission für Dritte nicht alle Titel einen Käufer fanden und die Bank einige Papiere selbst übernehmen musste.

Im Gesetz von 1902 wurde schliesslich offiziell der Passus aufgenommen, dass «Ankauf und Verkauf solider Wertpapiere auf eigene Rechnung (Effektenkonto)» zum Geschäftskreis der Bank gehört. Weiterhin verbannt waren Beteiligungen an industriellen Unternehmungen. Als Richtschnur galt die Eignung zur Abgabe an eigene Kunden und die Marktfähigkeit in Europa. 1904 hielt die Kantonalbank schweizerische Eisenbahnwerte, die an ausländischen Börsen kotiert waren, im Umfang von 2,8 Millionen Franken und fremde Rententitel (inkl. amerikanische Eisenbahnwerte) im Wert von 1,2 Millionen Franken. Dazu kamen 0,5 Millionen Franken einheimische Staatstitel (v.a. Kanton Zürich), 0,25 Millionen Franken Obligationen der Stadt Zürich und knapp 1 Million Franken von erstrangigen Schweizer Banken.

Obligation der Gotthardbahn-Gesellschaft von 1895 (Probedruck).Obligation der Gotthardbahn-Gesellschaft von 1895 (Probedruck).

Fehlende Strategie in der Bewirtschaftung

Das Effektenkonto blieb in den Führungsgremien ein Thema, da nie ganz klar wurde, was die Bank damit bezweckt. Dem Bankrat erklärte der Handelsdirektor im Februar 1913 auf eine entsprechende Frage, dass die Effekten als ein verzinslicher Teil des Reservefonds angesehen werden sollten. Zudem könne bei der Nationalbank gegen Hinterlage von Effekten in grossem Umfang Geld beschafft werden. Er gab aber zu, dass die Kursentwicklung in den letzten Jahren nicht gut gewesen sei und man auf dem Effektenkonto kein Geld verdiene. Es sei jedoch zur Bedienung der Kundschaft mit Obligationen unabdingbar, einen gewissen Effektenbestand zu halten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Zusammensetzung des Wertschriftenportefeuilles in der Kritik. Man habe in Zeiten von Geldknappheit verkauft, was man an den Mann bringen konnte, und später bei vollen Kassen wieder zusammengekauft, was erhältlich war. Angereichert sei der zusammengewürfelte Bestand zudem mit Ladenhütern aus Emissionen, insbesondere Kraftwerkanleihen. Den Fälligkeiten bei eigenen Kassenobligationen von 125 Millionen Franken in diesem Jahr – so Direktor Arthur Wehinger im Februar 1957 – stünden gerade einmal 9 Millionen Franken fälliger Kassenobligationen anderer Institute entgegen, die man einkassieren könnte. Es müsse eine Umschichtung stattfinden, damit die Fälligkeiten des Wertschriftenportefeuilles im Einklang sei mit jenen der eigenen Obligationen und Anleihen. Mit anderen Worten plädierte er dafür, das Wertschriftenportefeuille weiterhin nicht als renditeträchtige Anlagemöglichkeit zu betrachten, sondern als stabilisierendes Polster bei grösserem Liquiditätsbedarf.

Mehr Aktien, mehr Risiko


In den 1980er Jahren wurde das Portefeuille bereits viel aktiver bewirtschaftet. Auf Antrag der Handelsabteilung ermächtigte der Bankrat die Leitung des Departements, erstklassige Aktien bis 100 Millionen Franken auf Rechnung der Bank zu übernehmen und im bankeigenen Wertschriftenportefeuille zu verwalten. 15 Millionen davon durften gar für den Erwerb von nichtkotierten Aktien verwendet werden. Die Titel sollten dabei nicht dauerhaft gehalten, sondern für Transaktionen eingesetzt werden. Der Bankrat verpflichtete die Generaldirektion, ihn halbjährlich über den Aktienbestand zu orientieren. So erfuhr er im Bericht vom August 1992, dass der Bestand momentan einen Wert von 352 Millionen Franken habe. Fein säuberlich wurden dabei die grössten Aktienpositionen in «Trading-Positionen» und «bankpolitische Bestände» eingeteilt, je nach Grund des Erwerbs. Die Generaldirektion liess allerdings verlauten, dass die Bewirtschaftung sehr defensiv sei und dass sie dem erhöhten Marktrisiko Rechnung trage, indem Bestände im Wert von rund 160 Millionen abgestossen worden seien. Der Aktienbestand sei gemessen am Gesamtwertschriftenbestand von 3 Milliarden Franken sehr klein und zeige die zurückhaltende Politik, nicht zuletzt auch im Hinblick auf den grossen Rückstellungsbedarf.

Heute betreibt die Bank ein aktives Market Making in diversen Effekten und stellt sowohl verbindliche Kaufs- als auch Verkaufskurse, was das Halten von diversen Effekten auf eigene Rechnung bedingt. Ebenfalls hält die Bank Wertschriften, um ihren Verpflichtungen gegenüber Kunden nachkommen zu können. Zur Sicherstellung der Liquidität dienen die in der Bilanz als «Finanzanlagen» ausgewiesenen Positionen, die fast ausschliesslich aus sicheren und wertbeständigen Obligationen bestehen und von denen rund 4,3 Milliarden als «repofähige Wertschriften» gelten, das heisst, sie werden von der Schweizerischen Nationalbank jederzeit als Sicherheit für eine sofortige Geldanleihe akzeptiert. Die «Effekten auf eigene Rechnung» erfüllen damit wieder ihren Ursprungszweck: im Sinne einer Vorratshaltung für Kundenwünsche und als Liquiditätspolster, das meist vernünftige Zinseinnahmen generiert.

Anleihe des Deutschen Reichs von 1901.

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