Ein Bernhardiner als Sicherheitschef

Sicherheit ist im Bankbetrieb wichtig. Dafür sorgen heute komplexe Sicherungsmassnahmen. In den ersten Jahren der Zürcher Kantonalbank genügte aber schon ein Bernhardiner oder ein paar Polizisten.

Die Geschichte des Bernhardiners wurde in der Zürcher Wochen-Chronik vom 15. März 1902 erzählt.

Die Geschichte des Bernhardiners wurde in der Zürcher Wochen-Chronik vom 15. März 1902 erzählt.

Bankpräsident Eduard Graf erwähnte 1902 anlässlich der Eröffnung des ersten modernen Hauptsitzes der Zürcher Kantonalbank an der Bahnhofstrasse 9 in Zürich die Sicherheitsvorkehrungen im ersten Jahr des Bestehens der Bank. Diese bestanden vor allem im Einsatz eines Bernhardiners. So kann man es nachlesen in der Zürcher Wochen-Chronik vom 15. März 1902: «Wie Hr. Bankpräsident Graf an der ‹Hausräuke› des neuen Bankgebäudes [1902] den Herren Kantonsräten auf der Schmiedstube mitteilte, sorgte damals [1870] für die Sicherheit der Bank ein Bernhardinerhund, ein Cerberus, der getreulich seine Pflicht that, aber auch manchen abschreckte, mit der Bank in Verbindung zu treten, so dass nach längerer Beratung der Beschluss erfolgte, denselben abzuschaffen und an unterscheidungsfähigere Sicherheitsorgane zu denken.»

In den bankeigenen Aufzeichnungen lässt sich zum tierischen Sicherheitsbeauftragten nichts finden. Allerdings ist zu beachten, dass vom Tag der Eröffnung des ersten Schalters der Zürcher Kantonalbank, am 15. Februar 1870, bis in den Juli desselben Jahres die Aufzeichnungen der operativen Bankleitung fehlen. Sicherheitsthemen wurden im Bankrat – soweit bekannt – erstmals im Juli 1870 debattiert, und man beschloss, die Filiale nachts durch die Polizei bewachen zu lassen. Dafür wurden zwei Gründe angeführt: erstens die vermehrte Hinterlegung von Wertgegenständen und zweitens ausserordentliche Verhältnisse, vor allem wegen des Ausbruchs des Deutsch-Französischen Kriegs. In Bezug auf die Kosten argumentierte man, dass sich diese Investition «wegen des durch diese [Massnahmen] gesteigerten Vertrauens in die Bank» lohne. Ausserdem konnte der Aufbewahrungstarif aufgrund der grösseren Sorgfalt und Sicherheit um 100 Prozent erhöht werden.

Ein Comeback des Bernhardiners?

Noch einmal wurden Hunde als Sicherheitsmassnahme in Erwägung gezogen, nämlich 1977. Als der Bankrat über zwei unlängst verübte Banküberfälle sprach, fragte ein Vertreter, ob für Zweigstellen nicht der Einsatz eines Hundes zweckmässig wäre, wie dies in der Agentur Kollbrunn praktiziert werde. Die Idee wurde jedoch schnell verworfen mit dem Argument, dass dies die Kundschaft nicht gern sehen würde – wie offenbar schon mehr als 100 Jahre zuvor.

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