Ein Hauch von Florenz für die Bahnhofstrasse

Die Zürcher Kantonalbank plante 1938 einen Neubau an der Bahnhofstrasse 9. Als Vorbild dienten Stadtsilhouetten der Toskana, doch es türmten sich stattdessen die Probleme!

Seit den ersten Jahren ihres Bestehens hat die Zürcher Kantonalbank ihren Hauptsitz an der oberen Bahnhofstrasse zwischen Paradeplatz und Zürichseeufer. Das Geschäft wuchs stetig, und so auch der Raumbedarf. Ab 1918 traf die Bank Vorkehrungen zur Vergrösserung, indem sie Nachbarliegenschaften kaufte. Je länger je mehr wurde für einen effizienten Betrieb aber ein umfassender Neubau nötig.

Ein ausgefallenes Siegerprojekt beim Architekturwettbewerb

1938 schrieb man einen Architekturwettbewerb unter dreizehn Teilnehmern aus. Zum Siegerprojekt erkoren wurde der Entwurf des bekannten Architekten und ETH-Professors Hans Hofmann, der auch für die Landesausstellung 1939 verantwortlich zeichnete. Eine spektakuläre Fassade und ein noch spektakulärerer Turm charakterisierten das in den folgenden Jahren überarbeitete Bauprojekt. Es wurde kontrovers diskutiert, und auch die Nachbarn erhoben Einspruch.

Während der Kriegszeit ruhte das Projekt. 1955 warb der Architekt um Sympathie und referierte im Bankrat. Er verglich dabei den von ihm geplanten schlanken, gläsernen Turm mit den «viel bewunderten, lebendigen Stadtsilhouetten wie Florenz, Siena, San Gimignano». Der Turm sollte mit seiner Höhe von 46 Metern und seiner geringen Bodenfläche von 5,5 x 8 Metern eine kühn aufstrebende, schlanke Wirkung entfalten und «eine städtebauliche Bereicherung des Raumes der oberen Bahnhofstrasse und der Stadtsilhouette bilden, zugleich Akzent und Auflockerung der doch allzu monoton wirkenden, überall gleichen Dachgesimshöhen» sein, wie der Architekt erläuterte. Doch sein Bemühen war vergebens. Zur Realisierung des Baus kam es nicht.

Oder doch ein schlichterer Bau?

1957 starb Prof. Hans Hofmann und man übergab das Projekt an Prof. Ernst Schindler. Dieser verzichtete auf den Bau eines Turms, wodurch der geplante Bau zugleich auch kostengünstiger wurde. Das Bankratsprotokoll bemerkt am 18. März 1958: «Sicherlich wird es kein Schaden sein, wenn der projektierte Turm wegfällt, mit dem wir überall angestossen sind.» Die Bank passte sich der Umgebung an und blieb buchstäblich am Boden. Ende 1959 war es dann so weit. Der Kantonsrat bewilligte ohne Gegenstimme den Schindler’schen Neubau «dessen Zweckmässigkeit nicht bestritten wurde […] wenn auch die Kredithöhe bei einem Grossteil der Räte leichte Besorgnis auslöste», so berichtet die Neue Zürcher Zeitung am 7. Dezember 1959. In zwei Etappen von 1960 bis 1970 wurde schliesslich der heutige, vergleichsweise schlichte – nicht «abgehobene», aber moderne Hauptsitz realisiert.

Titelbild: Visualisierung des geplanten Turms im Modell.

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