Ein Hoch auf tiefe Hypothekarzinsen

Die Kreditpolitik war schon immer ein entscheidender volkswirtschaftlicher Faktor. Ein vorrangiges Ziel der Gründer war deshalb, dass die Zürcher Kantonalbank zum entscheidenden Taktgeber in diesem sensiblen Bereich würde. Mit möglichst tiefen Hypothekarzinsen sollten Liegenschaftsbesitzer entlastet werden. Vom revolutionärsten Ansatz kam man aber schnell wieder weg.

Das ganze Hypothekargeschäft verstaatlichen? Einige Bankräte um Bankvater Johann Jakob Keller glaubten mit der Gründung der Zürcher Kantonalbank das Instrument gefunden zu haben, um nach und nach Eigentümerin aller Schuldbriefe im Kanton zu werden. Die Liegenschaftenbesitzer würden damit vollständig von der Willkür privater Gläubiger und privater Banken befreit. Die Mehrheit der Bankräte jedoch glaubte nicht an dieses utopische Ziel und hoffte, wenigstens die Kreditnot der landwirtschaftlichen Bevölkerung lindern und massgeblichen Einfluss auf das Geschäft mit grundpfandgesicherten Darlehen nehmen zu können. Hierbei stand vor allem der Zinssatz im Vordergrund. Er sollte zugunsten der Schuldner und einer florierenden Wirtschaft möglichst tief gehalten werden und andere Kreditgeber wie die private Hypothekarbank Leu & Co. zwingen, aus Konkurrenzgründen ebenfalls tiefer zu gehen.

Richtige Dosierung – eine delikate Herausforderung

Es zeigte sich jedoch, dass sich die Kantonalbank dem allgemeinen Kapitalmarkt nicht entziehen konnte. War das Geld teuer, sprich die Zinsen zur Beschaffung von Kapital hoch, konnte die Kantonalbank die Mittel nicht über längere Zeit zu einem beliebig tiefen Zins an Kreditnehmer weitergeben. Sonst wäre die Zinsdifferenz verschwunden oder sogar negativ geworden. Denn aus der Differenz der Zinssätze von Geldbeschaffung und -ausleihe bestanden die Haupteinnahmen der Bank. Zudem wäre der Ansturm bei einem signifikant tieferen Zinssatz als bei den Konkurrenzbanken so gross gewesen, dass aus Geldmangel gar nicht mehr allen Kreditgesuchen hätte entsprochen werden können. Im Geschäftsbericht von 1899 wird zwar das Bemühen der Bankverwaltung hervorgehoben, auch in schwierigen Zeiten den Geldsuchenden möglichst entgegenzukommen. «Aber auch die Kraft der Zürcher Kantonalbank hat ihre Grenzen. Ihre Mittel hätten bei weitem nicht ausgereicht, allen Anforderungen zu entsprechen.»

Wachstum der Hypothekaranlagen zwischen 1918 und 1948 bei der Zürcher Kantonbankbank.

Zinsbremse funktioniert trotzdem

Wie Heinrich Nüscheler 1905 in einer Abhandlung zur Zürcher Kantonalbank feststellte, wirkte sich der Einfluss der Kantonalbank aber dämpfend auf die Bewegungen des Hypothekarzinses aus. Die Kantonalbank zögerte unvermeidliche Hypothekarzinserhöhungen aus volkswirtschaftlichen und sozialen Gründen möglichst lange hinaus, sodass auch andere Banken meist noch etwas zuwarteten. Um diese Bremsfunktion länger durchhalten zu können, wurden ab 1927 Zinsausgleichsreserven geschaffen, die als Puffer für überraschende Zinsschwankungen dienten. Der Zürcher Kantonalbank gelang es also nur bedingt, den Hypothekarzinsfuss über längere Phasen nach unten zu drücken. Bei plötzlichen Zinssprüngen am Kapitalmarkt sorgte sie aber massgeblich dafür, dass die Zinsanpassungen verzögert über die Bühne gingen, was den Schuldnern Zeit liess, sich den neuen Begebenheiten anzupassen.

Als die Kantonalbanken den Mietzins beeinflussten

Die Schweiz kennt seit 1917 Kontrollen und Eingriffe des Bundes in die Mietzinsen. Ziel war es, die Mieter, immerhin zwei Drittel der Bevölkerung, vor missbräuchlichen Mietzinsen zu schützen. Von 1990 bis 2007 koppelte der Bund die Mietzinsen an den Zinssatz für variable Hypotheken der Kantonalbanken. Erhöhten diese den Zinssatz merklich, stiegen unweigerlich die Mieten. Damit wurde der Hypothekarzinssatz zum Politikum, denn jede Erhöhung konnte von linker Seite als Preistreiberei auf dem Buckel der Mieter gebrandmarkt werden. Bei der Zürcher Kantonalbank lag zu dieser Zeit der Entscheid über Zinsanpassungen beim Bankrat. Dieser war deshalb, wenn Zinsänderungen anstanden, in heikler Mission unterwegs. Es verwundert deshalb nicht, dass im nach politischen Parteienproporz zusammengesetzten Bankrat diese Zinsentscheide regelmässig zu heftigen Grundsatzdiskussionen führten. Seit September 2008 ist für Mietzinserhöhungen ein vom Bund publizierter Referenzzinssatz massgeblich, dieser stützt sich auf einen vierteljährlich erhobenen Durchschnittszinssatz aller inländischen Hypothekarforderungen. Somit wurden die Kantonalbanken von ihrem anspruchsvollen Amt befreit.

Heutige Situation

Die Zürcher Kantonalbank stellt mit ihrem differenzierten Angebot an Hypotheken auch heute noch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sicher: Sei es bei komplexen Finanzierungen von Spezialobjekten, welche dank dem bankeigenen Immobilien-Know-how im Wirtschaftsraum Zürich angeboten werden können, oder sei es für junge Familien, welche dank der «ZKB Starthypothek» mit attraktiven Konditionen ein Eigenheim erwerben können. Auch energieeffizientes Bauen und Renovieren fördert die Bank mit dem vergünstigten «ZKB Umweltdarlehen».

Die grosse Konkurrentin der Zürcher Kantonalbank auf dem Gebiet der Hypothekardarlehen: Bank Leu & Co.
Eingang zur Kassahalle im Leuenhof, 1915.

Titelbild: Architekt mit jungem Paar bei Besprechung vor Einfamillienhaus, 1978.

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