Ein ominöser Zahlungsauftrag aus Schweden

Agatha Christie hätte es nicht besser erfinden können: Stolze 240 Millionen Kronen wollte ein junger Schwede in Zürich abheben. Doch er machte die Rechnung ohne einen Mitarbeiter, der zufällig Schwedisch sprach. Und auch sonst kam der Bank einiges spanisch vor …

Um die Jahrtausendwende ging bei der Zürcher Kantonalbank ein Zahlungsauftrag über 240 Millionen schwedische Kronen (rund 40 Millionen Franken) ein. Er war von einer schwedischen Bank via SWIFT, das standardisierte Telekommunikationsnetz der Banken für grenzüberschreitende Zahlungen, korrekt übermittelt worden. Das Geld sollte dem neu eröffneten Konto eines schwedischen Privatmanns gutgeschrieben werden. Bei der Überprüfung dieser Transaktion wurden die Mitarbeitenden der Abteilung für Zahlungsverkehr stutzig, als sie die Höhe des Geldbetrags und das jugendliche Alter des Kontoinhabers feststellten. Zudem fielen einem Mitarbeiter, der mit einer Schwedin verheiratet war und deshalb sehr gut Schwedisch sprach, weitere Ungereimtheiten auf. Interne Abklärungen bei der Devisenabteilung und beim zuständigen Kundenbetreuer konnten die Zweifel nicht ausräumen. Zusammen mit der internen Geldwäscherei-Fachstelle beschloss man, sich mit der Bank in Schweden in Verbindung zu setzen und eine Bestätigung der fraglichen Zahlungsanweisung zu verlangen. Einen Tag später traf aus Stockholm die Meldung «Zahlung illegal» ein. Es habe sich herausgestellt, dass die Überweisung der Millionenbeträge von einem Konto, das einer schwedischen Versicherung gehörte, an zwei Konten in der Schweiz mit gefälschten Faxen ausgelöst worden sei, wie die Neue Zürcher Zeitung später den Stockholmer Staatsanwalt zitierte. Dieser sagte weiter, dass es sich dabei um den bisher grössten Bankbetrug in der Geschichte Schwedens handle.

Spürsinn à la Sherlock Holmes

Man wusste, dass der Kunde auf dem Weg nach Zürich war, um das vermeintlich überwiesene Geld abzuheben. Der nichts ahnende Schwede konnte deshalb in der Schalterhalle des Hauptsitzes direkt vom Sicherheitsdienst in Empfang genommen und der Polizei übergeben werden. In der Personalzeitung gaben zwei der direkt involvierten Mitarbeitenden – unter dem Titel «Ein bisschen wie Sherlock Holmes und Dr. Watson» – später Auskunft über die einzelnen Schritte beim vereitelten Millionenbetrug. Am meisten habe sie gefreut, dass sie den Anstoss zur Aufklärung hätten geben können und die Zürcher Kantonalbank in den Medien lobend erwähnt worden sei. Nicht preisgeben wollte der Schwedisch sprechende Mitarbeiter allerdings, welche Details ihn konkret misstrauisch gemacht hatten – aus Sicherheitsgründen. Allgemein kam er aber nicht ohne Stolz zum Schluss: «Es ist motivierend festzustellen, dass unser ISO-zertifizierter Ablauf im Zahlungsprozess so gut greift.»

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