Eine Bank sieht rosa

Mit der Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft ergab sich für Lesben und Schwule ab 2007 auch in finanziellen Belangen eine neue Ausgangslage. Die Zürcher Kantonalbank reagierte schnell mit spezifischen Angeboten. Am Anfang stand aber das gegenseitige Kennenlernen.

Die Zürcher Kantonalbank reagierte schnell: Als am 1. Januar 2007 das Bundesgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare in Kraft trat, organisierte sie zusammen mit der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und dem Dachverband homosexueller Männer (Pink Cross) bereits vier Monate später erste Veranstaltungen zum Thema Vorsorge, Erbschaft und Steuern für gleichgeschlechtliche Paare. Dass sich die Bank zuvor noch wenig mit diesem Kundensegment auseinandergesetzt hatte, zeigt der Bericht in der Mitarbeiterzeitung zum ersten dieser Abende im Musikclub Moods. Ziemlich erstaunt wurde konstatiert: «Wer ein freakiges, schillerndes Publikum erwartete, rieb sich beim Blick durch die Reihen mit eher älteren, bodenständigen Besucherinnen und Besuchern verwundert die Augen.» Bis zu diesem Zeitpunkt gab es noch wenige bewusst wahrgenommene Berührungspunkte mit Schwulen und Lesben. Vereinzelt hatte die Bank an die Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich (HAZ) finanzielle Beiträge ausgerichtet. Bald nach den ersten Veranstaltungen war allen Beteiligten klar, dass es sich beim LGBTI-Kundenkreis in der Regel um Menschen mit klaren Erwartungen an ein zielgerichtetes Angebot mit entsprechender Qualität handelte.

Die Zürcher Kantonalbank als First Mover

Im Sommer 2007 wandte man sich in der Werbung bereits mit einem spezifischen Sujet an diese Zielgruppe. So zeigte die Eigenheim-Dachkampagne u. a. ein Männerpaar. Regelmässig führte die Bank zudem separate Veranstaltungen zur Finanzplanung durch. Zusammen mit der Zürich Versicherung und der Mobiliar gehörte die Zürcher Kantonalbank zu den ersten Unternehmen der Finanzwirtschaft in der Schweiz, die gezielt die Bedürfnisse des Gay-Marktes aufnahmen. In einem Diversity Statement bekräftigte die Bank 2010 nochmals ihren Willen zur Gleichbehandlung eingetragener Partnerschaften, die sie bei der Pensionskassenberechtigung bereits seit 2004 kannte.

Sujet mit Männerpaar aus der Eigenheim-Kampagne, 2009.

Sujet mit Männerpaar aus der Eigenheim-Kampagne, 2009.

Das Engagement zieht weite Kreise

Das Engagement für die LGBTI-Community trug der Bank 2010 den erstmals vergebenen Alliance Award ein. Er wurde anlässlich der Mr.-Gay-Wahlen an eine Person, eine Organisation oder ein Unternehmen verliehen, das oder die sich besonders für Homosexuelle einsetzte. Im gleichen Jahr fiel der Entscheid zu einer Sponsoringpartnerschaft mit dem schwullesbischen Filmfestival Pink Apple, die bis heute andauert. Mit einem spezifischen Informationsabend im Theater am Neumarkt wurde die LGBTI-Community auch 2019 angesprochen. Der Ort war symbolträchtig, hatten hier doch die Mitglieder der Homosexuellen-Gruppe Der Kreis ab 1948 den freien Gedankenaustausch gepflegt und Gleichgesinnte getroffen. So schloss sich in gewissem Sinn ein Kreis, zumindest was die offene Diskussion über Finanzthemen angeht.

Die Zürcher Kantonalbank fördert auch die Vielfalt unter ihren Mitarbeitenden. Sie war eine der Pionierinnen bei der Entwicklung des LGBTI-Labels, das 2018 ins Leben gerufen wurde. Der Prozess, der zum Label geführt hatte, sollte Unternehmen und andere Organisationen unterstützen, eine Bestandsaufnahme zu machen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen, um den Einbezug von LGBTI-Menschen in den Betrieb zu fördern. 2019 wurde innerhalb der Bank mit Queers & Peers zudem ein eigenes LGBTI-Netzwerk geschaffen, das allen Mitarbeitenden offensteht.

Plakat des erstmals 2010 von der Zürcher Kantonalbank unterstützten Filmfestivals Pink Apple.

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