Eine tonnenschwere Angelegenheit sieben Meter unter der Erde

Die Tresorräumlichkeiten der Zürcher Kantonalbank haben eine lange Geschichte. Die Mauern wurden dabei immer dicker und der Zugang immer diskreter.

Im Zeitalter der Industrialisierung erlangten Wertpapiere wie Aktien oder Obligationen immer grössere Verbreitung. Sie sicher zu verwahren, war ihren Besitzern mit Recht wichtig. Dies besorgte oft die Bank. Bei den sogenannt offenen Depots übernahm sie auch die Verwaltung der Papiere für ihre Kundinnen und Kunden. Daneben gab es Kundentresore, bei denen der Bankkunde selbst für die Verwaltung der Wertpapiere zuständig war. Ab 1909 existierten solche auch ausserhalb des Hauptsitzes der Bank in ihren Zweigstellen in Winterthur, Bülach, Meilen, Affoltern am Albis und Rüti.

Geschlossene Depots – niemals allein

Im alten Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank war der Kundentresor, der 1902 errichtet wurde, im Keller untergebracht. Die Tresorräume hatten doppelte Umfassungsmauern und Panzertüren. Es gab ein sogenanntes «Barschaftsgewölbe» und ein «Wertschriftengewölbe». Durch einen Wächtergang waren sie von den übrigen Kellerräumlichkeiten getrennt. Aus Sicherheitsgründen lagen die anfänglich 275 Schliessfächer nicht an den Aussenmauern. Von der Kundenhalle, dem «Vestibule», aus führte eine Treppe zu den Safes im Untergeschoss. Der Kunde begab sich immer mit einem Bankangestellten, der den Zweitschlüssel trug, dorthin, später sogar mit zwei Bankbediensteten, die je ein Stück des zweiteiligen Tresorschlüssels bei sich hatten.

Beim Neubau des Hauptsitzes, 1960–1964, erhielten die Tresorräume, die sich 7 Meter unter der Erde und 4 Meter unter dem Seespiegel befinden, 2,5 Meter dicke, trümmersichere Decken. Durch den Einbau von luftschutztechnischen Einrichtungen wurden sie nun in Zeiten des Kalten Kriegs zu bombensicheren Unterständen ausgebaut. Als Gebäude im Gebäude hat der grosse Tresorraum eigene Wasser- und Stromleitungen und eine Tür, die ganze 9 Tonnen schwer ist.

Türe zum Tresorraum in einer Filiale, 1970. Solche Türen wogen mehrere Tonnen.

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Aufregung nach Schalterschluss

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Tresor im Hauptsitz an der Bahnhofstrasse 9 in Zürich, 1908.

 

Kein «Hände hoch», aber «Füsse still»!


2011 bis 2015 wurde der Tresor gemeinsam mit dem ganzen Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank bei laufendem Betrieb erneuert. Aus dieser Zeit ist eine Anekdote überliefert: Eines Tages fiel ein Regal mit zwischengelagerten Schliessfächern um – und plötzlich lagen überall auf dem Boden verstreut Goldmünzen. Sofort durfte sich niemand mehr bewegen, und es wurde ein Notar organisiert, der den Sachverhalt aufnahm. Dann informierte man den Kunden und bat ihn, so bald als möglich den Inhalt seines Faches zu kontrollieren. Und zum Glück – keine einzige der Goldmünzen fehlte!

Die Zahl der Schliessfächer im Hauptsitz der Bank stieg von den 275 Fächern im Jahr 1902 rasch an.
• 1913 gab es 1366 und
• 1914 (bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs) bereits 2237 Schliessfächer.
• 1947 waren es 3936.

Bis im Jahr 2019 ist die Zahl der Kundentresore mittlerweile auf 8300 angewachsen – von der Grösse eines Bundesordners bis zu 4 m2 grossen Räumen mit Tür. Und dank einer elektronischen Schliessanlage, bei der der zweite Schlüssel digital vom Personal freigeschaltet wird, können heute Kunden ganz allein zu ihren Schliessfächern gehen. 

Titelbild: Der 1928 erbaute Tresorraum mit Schrankfächern im Hauptsitz.

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