Hüter des historischen Gedächtnisses

Die Geschichte des Historischen Archivs der Zürcher Kantonalbank beginnt mit einigen Angestellten, die sich für die Vergangenheit der Firma interessierten. Sie bewahrten Unterlagen wie schöne alte Bücher und andere Gegenstände auf, die sonst im Abfall gelandet wären. Bis zu einer systematischen Archivierung historisch relevanter Unterlagen war es aber noch ein weiter Weg.

1964 erschien in der Personalzeitung ein Aufruf an die Mitarbeitenden, nach «alten interessanten Dokumenten» Ausschau zu halten und sie zu melden. Die Bank zog gerade in den Hauptsitz-Neubau um, weshalb die Gefahr bestand, dass archivwürdiges historisches Material aus Unachtsamkeit weggeworfen wurde. Das Journal berichtete weiter, die Bankleitung habe beschlossen, ein Historisches Archiv zu schaffen. Denn: «Zweifellos wäre es schade, wenn zum Beispiel gewisse Urkunden aus dem letzten Jahrhundert untergingen, während die heutigen und späteren Generationen daraus lernen und sich daran ergötzen möchten.» Ganz konkret hatte man auch das 100-Jahr-Jubiläum der Bank im Blick, «das wohl kaum ohne historische Schau zu denken ist». Ein unersetzlicher Grundstock für ein Archiv war aber bereits vorhanden: Die Protokolle von Bankrat und -präsidium sowie die Geschäftsberichte waren stets sorgfältig aufbewahrt worden. Vorerst übernahm unter anderem der langjährige Sekretär des Bankrats die Aufgabe, die historisch wertvollen Dokumente und Gegenstände einzusammeln und aufzubewahren.

Erste Schritte zur Professionalisierung

Der Mai 1980 gilt als eigentliches Gründungsdatum des Firmenarchivs. Um diese neue Ära anzugehen, wurde eine Historikerin eingestellt. Sie arbeitete einen Archivplan aus und sichtete die bereits vorhandenen Dokumente, die verstreut an verschiedenen Standorten lagen. Danach erstellte sie Richtlinien, was ins Historische Archiv aufgenommen werden sollte, und begann damit, die Bestände systematisch zu verzeichnen. Das Auffinden von Archivalien wurde anfangs mittels Karteikarten und Schlagwortregistern bewerkstelligt. Seit Mitte der 2010er Jahre sind die Bestände in einer spezialisierten Archivdatenbank erfasst, was das Verzeichnen der Neuzugänge und die Recherche in den Beständen wesentlich erleichtert. Zuvor war mit einer einfachen Access-Datenbank bereits ein Digitalisierungsschritt gemacht worden.

Aufgrund der privaten Sammelleidenschaft von Angestellten war es zudem von Anfang an eine Besonderheit des Archivs, dass nicht nur Dokumente in Papierform aufbewahrt wurden, sondern auch Gegenstände, die im Bankalltag eine Rolle gespielt hatten – insbesondere Büromaschinen. Jenen Teil nannte man intern «Museum». Darin sind nun historische Gegenstände zu finden vom Stempel bis zum Tresor und von der Bleistiftspitzmaschine bis zur künstlichen Ficus-Pflanze.

Plötzlich im Brennpunkt

Im kantonalen Archivgesetz wird ausdrücklich erwähnt, dass die Zürcher Kantonalbank ihm nicht unterstellt ist. Deshalb kann die Bank ihre historische Quellensammlung nach eigenen Vorstellungen gestalten und verwalten. So wurde beispielsweise von Anfang an festgelegt, dass das Archiv nicht öffentlich zugänglich ist. Es werden jedoch für spezifische Forschungsfragen fallweise auch externen Personen einzelne Dokumente oder Konvolute zur Verfügung gestellt, sofern keine Geschäftsgeheimnisse, Kundendaten oder Personalbelange betroffen sind. Eine Ausnahme bildeten die Untersuchungen im Zusammenhang mit den Nachrichtenlosen Vermögen in den 1990er Jahren. Sowohl die Volcker-Kommission (ICEP) wie auch die Bergier-Kommission (UEK) konnte alle Unterlagen im Archiv einsehen. Das grosse Interesse für die Unterlagen aus der Zeit der 1930er und 1940er Jahre führte zur Erkenntnis, dass der Pflege und Betreuung der Archivgüter eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken sei – fern von der Aufbewahrung von «schönen» Sachen für kleine Ausstellungen im Hauptsitz oder in den Filialen. Die verschiedenen Archivstandorte wurden aufgegeben und die Archivalien in einem optimal klimatisierten Raum im Hauptsitz zusammengefasst und zentralisiert. Einzig die Objektesammlung blieb am Standort Hard.

Im Hinblick auf das 150-Jahr-Jubiläum wurden ab 2015 die Kernakten wie die Bankratsprotokolle digitalisiert und durchsuchbar gemacht. Von den frühesten Protokollbänden, die handschriftlich verfasst worden waren, wurden Zusammenfassungen der wichtigsten Themen und Aussagen erstellt. Zugleich durchforsteten interne Historikerinnen und Historiker die wichtigsten Bestände und erfassten die relevanten Quellenausschnitte in einer Datenbank. Ferner startete das Historiker-Team eine Offensive zur Beschaffung von Bildmaterial: Ausgewählte interne Bildbestände wurden digitalisiert und auch externe Bildquellen herangezogen. Damit war die Grundlage gelegt für das Schreiben von 150 Geschichten aus dem Bankalltag und für die digitale und analoge Vermittlung der Geschichte der Zürcher Kantonalbank und des Kantons Zürich bei diversen Jubiläumsaktivitäten.

Impressionen aus dem Historischen Archiv.
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Impressionen aus dem Historischen Archiv.

Das Historische Archiv heute

Das Historische Archiv der Zürcher Kantonalbank dient als zentrales Langzeit-Gedächtnis der Bank. Darin lagern firmeneigene Unterlagen ab 1805. Diese Dokumente aus der Zeit vor der Gründung der Bank stammen von der «Sparkasse der Stadt Zürich», die 1990 von der Zürcher Kantonalbank übernommen worden war. Die Protokolle von Bankrats- und Bankpräsidiumssitzungen seit der Gründung 1869 sind vollständig erhalten, ebenso die Jahresrechnungen von Hauptsitz und Filialen seit 1896. Das Archiv ist heute der Fachstelle für Information und Recherche angegliedert. Die Budgetverantwortung liegt direkt beim Bankpräsidium. Momentan stehen für die professionelle Betreuung des Archivs 60 Stellenprozente zur Verfügung. Es befindet sich im Hauptsitz und umfasst 450 Laufmeter Dokumente. Im Untergeschoss des Standorts Hard werden zudem in zwei Räumen grössere Objekte, insbesondere Büromaschinen und Schaltermobiliar, gelagert.

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