Kantonalbänkler auf dem Kartoffelacker?

Mit der «Anbauschlacht Wahlen» sollte die Selbstversorgung der Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs verbessert werden. Legten auch die Mitarbeitenden der Zürcher Kantonalbank Hand an?

Die Idee zur Anbauschlacht stammte vom ETH-Professor und späteren Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen (1899–1985). Sie sollte die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Lebensmitteln während des Zweiten Weltkriegs verbessern. Jedes Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitnehmern oder wer ein «wehropferpflichtiges» Vermögen von mindestens 500’000 Franken aufwies, musste sich an der Anbauschlacht beteiligen. Die Zürcher Kantonalbank kam ab 1942 ihrer Pflicht nach und schloss Anbauverträge mit der Schweizerischen Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft ab. Damit war dem Gesetz Genüge getan. Doch es sollte nicht dabei bleiben.

Personalverband schickt Mitarbeitende auf die Felder


Die Mitarbeitenden, organisiert durch den Personalverband, wollten auch selbst Hand anlegen. So beteiligten sie sich auf 50 Hektaren Land an der Anbauschlacht, u. a. auf den Allmenden Wollishofen und Brunau. Diese ungewohnte Feldarbeit war – trotz des Ernstes der Lage – für viele auch ein anregendes Erlebnis. Die anfallenden Feldfrüchte, hauptsächlich Kartoffeln, durfte das Personal von der Bank günstig beziehen: 1943 bezahlte man für 100 Kilogramm selbst angebaute Speisekartoffeln 17 Franken. Auf dem Zürcher Gemüsemarkt betrug der Preis dafür damals 23 bis 25 Franken. «Das aus dem Personal der Hauptbank, der städtischen Zweigstellen, der Filialen Oerlikon und Winterthur rekrutierte Ernte-Detachement hat in einer überwiegenden Mehrheit ganz gute Arbeit geleistet. Es gebührt ihm deshalb unsere Anerkennung und unser Dank!», schrieb der Verantwortliche des Personalverbands in seiner Mitteilung, verbunden mit der Aufforderung, fleissig Kartoffeln zu bestellen.

Gruppenbild der Ernte-Equipe.

Kartoffelanbau und Sortieren der Ernte im ehemaligen Kohlenlager Giesshübel – wegen des Kohlenmangels gab es hier genügend Raum dafür.

Kartoffelanbau und Sortieren der Ernte im ehemaligen Kohlenlager Giesshübel – wegen des Kohlenmangels gab es hier genügend Raum dafür.

Einweisung der Ernte-Equipe.

Einweisung der Ernte-Equipe.

Titelbild: Ernte-Equipe der Zürcher Kantonalbank.

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