Kleider machen Bankleute

Einige Angestelltengruppen der Bank waren über viele Jahre an ihrer streng geregelten Uniformierung erkennbar. Heute ist alles lockerer geregelt. Nur die Mitarbeitenden mit Kundenkontakt folgen in Sachen Kleidung einem klar definierten Leitfaden.

In den Anfängen war es besonders wichtig, auf den ersten Blick das Bankdienstpersonal erkennen zu können, das den Erstkontakt zur Kundschaft herstellte. Portiers und Boten trugen deswegen eine einheitliche Uniform. In den 1970er Jahren stellte ein neues Reglement sicher, dass beim Dienstpersonal die Hierarchien deutlicher hervorgehoben wurden: So bekam ein Direktionschauffeur oder ein Etagenportier des vierten Stockwerkes im Hauptsitz zusätzlich zur Winter- und Sommeruniform noch eine Galauniform. Er repräsentierte die oberste Etage: Das durfte man durchaus auf den ersten Blick erkennen.

Uniform als Gefahrenpotential

Aber die Zeiten änderten sich: 1972 stellte die Filiale Oerlikon erstmals die Uniformierung in Frage. Es betraf dies insbesondere die Kenntlichmachung der Geldboten. Das schien nun aus Sicherheitsgründen nicht mehr angebracht: «Unseres Erachtens erreichen wir nach wie vor den besten Schutz, wenn sich die Ausläufer unauffällig benehmen und ihre Arbeit in gewöhnlicher Zivilkleidung verrichten.» Diese Einschätzung wurde schliesslich auch umgesetzt und die Uniformierung von Bankboten, Speditionsangestellten und Chauffeuren 1977 aufgehoben. «In Anbetracht der sich häufenden Überfälle aller Art stellt das Tragen von einheitlichen Dienstkleidern bei den im Aussendienst tätigen Mitarbeitern zweifellos ein erhöhtes Risiko dar. Die Abschaffung der Uniformierung drängt sich für diese Mitarbeiter geradezu auf.» Heute ist jeweils das Empfangs- und Sicherheitspersonal der verschiedenen Standorte noch einheitlich gekleidet.

«Die Uniform besteht aus folgenden Kleidungsstücken: 1 Tuchrock (Veston), 1 Sommer-Blouse, 2 Paar Tuchhosen, leichter & schwerer [Stoff], 1 Mütze, 1 Mantel. Veston, Blouse & Mantel sind mit gelben Knöpfen, die Mütze mit den Initialen Z.K.B. versehen.»
Reglement zur «Uniformierung der Abwarte» von 1903

Die Ausläufer der 1920er Jahre waren aufgrund ihrer Uniformen gut erkennbar.
Die Ausläufer der 1920er Jahre waren aufgrund ihrer Uniformen gut erkennbar.

Leitfaden für den richtigen Stil

Büromitarbeitende der Zürcher Kantonalbank müssen heutzutage keine Uniform tragen, aber im Kundenkontakt haben sie sich an einige Vorgaben zu halten. Schliesslich repräsentieren die einzelnen Mitarbeitenden ihre Arbeitgeberin — sowohl mit ihrem Verhalten als auch mit ihrer Erscheinung. Ein Leitfaden zeigt auf, was zu beachten ist. Um einen professionellen Eindruck zu festigen, sollen die weiblichen Angestellten beispielsweise bei einem Deux-Pièces oder Hosenanzug ein hochwertiges Gewebe in gedeckten Farben wählen. Jupes oder Hosen mit genug Spiel und nicht zu viel Bein sind Programm. Und auch bei «grosser Hitze sind für den korrekten Business-Look Strumpfhosen Pflicht.» Die Anzüge der Bankmitarbeiter sollen ebenfalls dunkel sein, gut sitzend und möglichst einfarbig – «der Kragen sollte flach am Nacken liegen, sodass noch etwa ein Zentimeter des Hemdkragens zu sehen ist.» Möglicherweise als Ausgleich für die in Strumpfhosen schwitzenden Damen müssen die Männer immer langärmlige Hemden tragen und das (einreihige) Jackett im Gehen und Stehen geschlossen halten.

Die Mitarbeiterzeitung zeigte im Jahr 2000, welche Signale eine Krawatte aussendet.

Die Mitarbeiterzeitung zeigte im Jahr 2000, welche Signale eine Krawatte aussendet.

Dress for Success

Bankinterne Workshops zu Bekleidung und Umgangsformen gelten als Vorbereitung für den Umgang mit Kundschaft, aber auch für die Karriere der Mitarbeitenden. So pries 1999 die Mitarbeiterzeitung den Besuch eines Knigge-Kurses als unerlässlichen Bestandteil der erfolgreichen Karriereplanung. Für die Laufbahn könne es sich als nützlich erweisen, wenn man wisse, welche Kleidungsstücke, -arten und -farben welcher Situation angemessen seien. Auch Höflichkeitsregeln und gar Tafelsitten wurden im Kurs geübt, sodass keine Fehltritte gemacht würden.

Die Zürcher Kantonalbank ist mit ihrem konkreten Leitfaden zum Erscheinungsbild eine Ausnahme in der Bankenwelt. Die anderen Finanzinstitute haben keine verschriftlichten Vorgaben für ihre Angestellten; sie verlassen sich in der Regel auf die Stilsicherheit ihrer Mitarbeitenden, wobei Mass und Ästhetik zählen. Allerdings raten Knigge-Beraterinnen in der Regel Firmen an, einen greifbaren Dresscode zu verfassen, denn er gebe den Mitarbeitenden Sicherheit, da alle wüssten, was von ihnen erwartet wird.

Bunter, aber immer noch mit integriertem Züri-Blau: Foulards für Bankangestellte.

«Wir bitten Sie, ab 1. Januar 1978 im Dienst keine Uniform mehr zu tragen.»
Weisungen zur Uniformierung der Portiers, September 1977

Gehört auch zur KV-Lehre: Anleitung zum korrekten Binden der Krawatte.

Titelbild: Personaluniform: Krawatten und Halstuch, abgestimmt in Rot und Blau. 

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