Leichte Beute für die Alfa-Bande

«Das ist aber gar nicht schön, was ihr da macht», sagte die ältere Dame am Bankschalter. Doch die Räuber liessen sich nicht von ihr beirren und marschierten mühelos mit 621’000 Franken aus der Haupthalle – der spektakulärste Banküberfall in der Geschichte der Zürcher Kantonalbank.

Dienstagmorgen, 3. April 1979. Kurz nach 9 Uhr spürte der Schalterbeamte M. plötzlich den kalten Lauf einer Pistole an seinem Hals. Zwei Bankräuber mit Roger-Staub-Mützen über dem Gesicht waren bei der Hauptkasse über die Brüstung gesprungen und leerten mit vorgehaltener Pistole die Kassen der Schalter 10, 11 und 12. Zuvor hatten ihre Komplizen mit einem Vorschlaghammer versucht, eine Absperrung bei der Wechselstube einzuschlagen, jedoch ohne Erfolg. Sie hielten nun Portier, Kunden und weitere Schalterbeamte in Schach, bis die Beute von 621’000 Franken in einer Tasche verpackt war. Die professionell agierenden Räuber verliessen – unter den tadelnden Worten der älteren Kundin – die Bank seelenruhig durch den Haupteingang und stiegen in einen wartenden Alfa Romeo. Und zum Unglück kam auch noch Pech dazu: Da die Alarmanlage ausgerechnet an diesem Morgen wegen einer Revision ausser Betrieb war, musste der Schalterbeamte R. eigenhändig die Polizei rufen. Wertvolle Sekunden verstrichen. Der unerschrockene Schalterbeamte M. verschaffte sich währenddessen bereits einen Überblick über die geraubte Summe.

Verfolgungsjagd endet in Vorgarten

Zwei Täter konnten nach einer Verfolgungsjagd und einer kurzen Schiesserei schon am Nachmittag in Zumikon verhaftet werden. Einen Tag später stellte die französische Polizei bei der Grenze in La Brévine zwei weitere Räuber. Es handelte sich bei den Tätern um Mitglieder der berüchtigten Alfa-Bande, die bereits mehrere Raubüberfälle verübt hatte und bei Autodiebstählen standesgemäss die Marke Alfa Romeo aus ihrem Heimatland Italien bevorzugte, was auch den Übernamen der Bande erklärt. Bis auf 120’000 Franken, die wohl die Fahrerin des Fluchtautos eingesackt hatte, konnte die Deliktsumme bei den Verhafteten und in einem Vorgarten bei Zumikon sichergestellt werden.

Ein von der Alfa-Bande bei einem Überfall in Basel benutztes Fluchtfahrzeug (Alfa Romeo Alfetta), 1978.

Panzerglas gegen Panzerknacker

In der anschliessenden Bankratssitzung waren vor allem die fehlenden Sicherheitsmassnahmen ein Thema. Neben der riskanten Revision der Alarmanlage während der Schalteröffnungszeiten gaben die ungesicherten Schalter mit den grossen Bargeldvorräten zu reden. Die Unzulänglichkeiten waren schon länger bekannt, und eineinhalb Jahre zuvor hatte die Bank Untersuchungen zur Installation einer Schalterverglasung in Auftrag gegeben. Das Projekt hatte sich aber aufgrund grosser Probleme mit der Klimatisierung der Räume bei einer Vollverglasung und der langen Lieferzeiten für das stark nachgefragte Panzerglas verzögert. Der Auftrag zur Vollverglasung sei aber bereits im Januar erteilt worden, versicherte der Generaldirektor. Mit dem Überfall, der insgesamt nur rund eine Minute dauerte, war die weit verbreitete Illusion gestorben, dass es niemand wagen würde, den imposanten Hauptsitz mit seinen 28 Schaltern zu überfallen. Insgesamt war man glücklich, dass nur Geld geraubt worden war und keine Personen zu Schaden gekommen waren.

Schalter mit Panzerglas, 1991.

Schalter mit Panzerglas, 1991.

Schulung gegen Nervosität

Die Zürcher Kantonalbank sicherte kurz darauf die Schalter ihres Hauptsitzes mit Panzerglas und änderte das Einsatzdispositiv der Alarmanlagen. Für baulich-technische Sicherheitseinrichtungen gab sie in den Zweigstellen weitere Millionenbeträge aus. Zudem intensivierte sie die Schulung der Mitarbeitenden, da «in der nervösen Atmosphäre eines Überfalls» die korrekte Verhaltensweise begreiflicherweise schwerfalle, so der Generaldirektor.

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Titelbild: Offene Schalterhalle im Hauptsitz, 1970er Jahre.

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