Mensch-Maschine-Lösung für einfache Bankgeschäfte

Cantophone und Videotex hiessen Anfang der 1990er Jahre die neuen Lösungen für Electronic Banking. Mit dem Aufkommen des Internets wurden sie zwar rein technisch gesehen schnell obsolet, doch die Abwicklung von Bankgeschäften über das Telefon hielt sich erstaunlich lange.

Am 1. Dezember 1994 war es so weit: Das ZKB-Cantophone nahm seinen Betrieb auf. Der Bankkunde konnte mit einem einfachen Telefonapparat rund um die Uhr und ohne Wartezeiten seinen aktuellen Kontostand und die letzten sechs Buchungen abfragen, Formulare und Einzahlungsscheine bestellen sowie Informationen zu verschiedenen Bankprodukten erhalten. Dazu musste er eine Gratisnummer wählen und sich zuerst mit seiner Kontonummer sowie seiner persönlichen Geheimnummer identifizieren. Im Gegensatz zu den Telefondiensten einiger Konkurrenten lief das System vollautomatisch. Der Kunde kommunizierte über die Telefontastatur oder mit gesprochenen Zahlen, die von einem neuartigen Spracherkennungsprogramm verarbeitet wurden. Die gewünschte Auskunft gab eine «angenehme (automatische) Stimme». Von dieser sogenannten Mensch-Maschine-Lösung erhoffte sich die Zürcher Kantonalbank auch einen gewissen Rationalisierungseffekt. Täglich riefen rund 750 Kunden an, um Kontosalden oder Buchungsdetails abzufragen. Konnten diese einfachen Anfragen neu automatisch abgewickelt werden, stand dem Fachpersonal mehr Zeit für die anspruchsvolle Beratungstätigkeit zur Verfügung. Später konnte man über das Telefon auch Geldtransaktionen abwickeln.

Werbung für das Cantophone, 1990er Jahre.

Telebanking über das Videotex-System: Heimgerät, 1989.

Telebanking über das Videotex-System: Heimgerät, 1989.

Verschiedene Spielarten des E-Banking

Die Generaldirektion der Bank sah die neue Dienstleistung über den Telefonapparat als Bestandteil des Electronic Banking. Dieses umfasste bisher Bancomat (Auszahlung von Bargeld am Automaten), Multicash (elektronischer Zahlungsverkehr für KMU) sowie Videotex. Videotex, ein dialogfähiges Kommunikationssystem der Post, bildete die Grundlage für das bereits am 1. Juli 1989 eingeführte ZKB-Telebanking. Über Monitor und Tastatur konnten Kunden von zu Hause aus oder auf einem Terminal im Schalterraum einer Filiale die üblichen Banktransaktionen ausführen. Zudem stand bereits eine Mailbox zur Verfügung. Im Videotex-Bereich ohne Passwortschutz konnten allgemeine Informationen über die Zürcher Kantonalbank, Devisenkurse und Wirtschaftsinformationen zum Kanton Zürich und zur Schweiz eingesehen werden. Die rasante Verbreitung des Internets beschleunigte die technologische Revolution im Bankwesen zusätzlich. Ende der 1990er Jahre war E-Banking das Gebot der Stunde. Das Videotex-System wurde 2000 komplett eingestellt. Trotz der Möglichkeit, über eine gesicherte Internetverbindung mit der Bank zu kommunizieren und Transaktionen auszuführen, büsste das Cantophone hingegen bei den Kundinnen und Kunden vorerst kaum an Popularität ein. Erst 2011 verstummte die angenehme Computerstimme. Das Cantophone wurde aus mangelnder Wirtschaftlichkeit und wegen sinkender Nutzerzahlen abgeschaltet.

Titelbild: Telebanking über das Videotex-System: Terminal in einer Filiale, 1989.

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