Mit EDV in die Zukunft

1959 mussten einige Bankangestellte in führender Position an einem Kurs teilnehmen. Das zu behandelnde Thema: «Lochkarten und die bezüglichen Anlagen». Denn eine neue Zukunft stand vor der Tür, und die Zürcher Kantonalbank wollte die neue Revolution nicht verpassen. Es stand fest, dass kein Weg an der «Automation» vorbeiführte.

Um 1960 machte sich der Bankrat Gedanken, ob die Zürcher Kantonalbank eine elektronische Datenverarbeitung (EDV) implementieren solle. Computerexperte Professor Ernst Peter Billeter erklärte im Bankrat, dass in der Einführungsphase zwar erhöhter Personalbedarf bestehe, danach aber Einsparungen zu erwarten seien. Der Bankrat entschied sich schliesslich für den technologischen Sprung nach vorne. So wurde die Zürcher Kantonalbank zu einer der bedeutenden Nutzerin früher Computertechnologie in der Schweiz. Im Bankneubau an der Bahnhofstrasse 9 wurde 1964 die erste Computeranlage installiert. Bevor es so weit war, wurden umfassende Recherchen durchgeführt, und eine Reise in die USA mit Besuch der Computer-Anbieterfirmen stand am Ende der Prüfung. Man entschied sich für eine IBM-Anlage des Typs 1410 mit Hilfsgeräten für rund 5 Millionen Franken und hoffte, damit 8-10 Jahre arbeiten zu können.

Die Anlage umfasste:
• «eine Zentraleinheit, enthaltend den Magnetkernspeicher, die
   arithmetischen und logischen Schaltkreise und die Steuergeräte,
• eine Kartenlese- und Stanzeinheit (für Lochkarten),
• einen Schnelldrucker (unter anderem für Postcheckgutschriften auf
   Kontokorrent),
• fünf Magnetbandeinheiten und
• ein Bedienungspult».

1964 bis 1966 wurden Lohn- und Rentenabrechnung sowie Sparbuchverwaltung und Kontokorrentbuchhaltung auf elektronische Datenverarbeitung umgestellt. Damit war der 1964 angeschaffte Grossrechner völlig ausgelastet, sein Arbeitsspeicher betrug lediglich 40 Kilobyte. Zum Vergleich: Der Arbeitsspeicher heutiger Smartphones ist um den Faktor 100’000 grösser; derjenige moderner Grossrechner sogar bis zum Faktor 100 Millionen. Zu dieser Zeit wurden die zu verarbeitenden Daten über Lochkarten oder Magnetbänder eingelesen. Das war aufwendig: 1966 arbeiteten in der EDV-Abteilung der Bank 32 Mitarbeitende, davon 18 Locherinnen.


Die ersten EDV-Anlagen verwendeten Lochkarten als Datenträger. Lochkartenmaschinen stanzten über die Tastatur eingegebene Inhalte in die Lochkarte.


Die Automation führte nicht dazu, dass der Mensch überflüssig wurde: Der Personalbestand wuchs in der neuen Abteilung: Zahlreiche «Locherinnen» erfassten Belegdaten zu Kontokorrent, Hypotheken und Postcheck-Gutschriften.

Zweischichtbetrieb in der EDV-Abteilung

1968 wurde bereits die zweite Generation Grossrechner angeschafft. Die zwei Systeme IBM 360/40 verfügten je über 131’072 Bytes Kernspeicherkapazität. Für die Leser der Mitarbeiterzeitung erklärte der Autor auch gleich das Byte als «kleinste adressierbare Speichereinheit. Ein Byte besteht aus acht Bits (Magnetisierungspunkte) und erlaubt die Darstellung eines Buchstabens oder zweier Ziffern.» Fasziniert war man 1968 über die «bahnbrechenden Neuerungen» wie die «Datenfernverarbeitung (Teleprocessing) – das heisst, Daten werden via Telefonleitung (!) direkt ins Rechenzentrum übermittelt – und die Datenausgabe erfolgt über Bildschirm und dezentrale Schreibstationen», wie es weiter in der Mitarbeiterzeitung heisst.

«On-Line» zwischen Schwamendingen und Zürich

Euphorisch berichtet die Mitarbeiterzeitung zwei Jahre später: «Schliesslich wird ein Tag in die Geschichte der Zürcher Kantonalbank eingehen, der unbemerkt an den meisten von uns vorüberging: Am 20. November [1970] klappte zum ersten Male eine Sparheftbuchung über das On-Line-System zwischen unserer Zweigstelle Schwamendingen und der Hauptbank!» Dazu führt der Autor weiter aus: «Zugegeben, wir sind ein bisschen stolz, dass die Zürcher Kantonalbank als erste Bank in der Region Zürich diesen Schritt gewagt hat.»

Heute redet man nicht mehr von EDV sondern von IT, die Arbeitsspeicherkapazitäten haben sich vermillionenfacht und die Masseinheit bei den Speichermedien für Daten ist Terabytes (1000 Gigabytes). Die IT-Systeme laufen 7x24 Stunden und werden grösstenteils automatisiert überwacht.


Die ersten Datenverarbeitungsanlagen belegten ganze Räume. Hier gezeigt: Lochkartenstanz- und Leseeinheit, Bedienpult, Schnelldrucker und Magnetbandeinheiten von 1970.

Eine Grafik erläutert in der Personalzeitschrift, wie die Datenerfassung und -aufbereitung der Bank funktioniert.

Eine neue Ära der Computertechnologie begann in den 1980er Jahren mit den aufkommenden PCs (Personalcomputer). 1984 wurden im Rechnungswesen der Zürcher Kantonalbank die ersten sieben Personal Computers eingesetzt, sie hatten zwei Diskettenlaufwerke und 256 Kilobyte Speicherkapazität. In der Personalzeitung konnte man lesen: «Die Welle der Personal-Computer rollt und wird auch vor den Türen der ZKB keinen Halt machen!» und weiter: «Übrigens PC heisst nicht nur Post-Check!» Und schliesslich lernte der Personalcomputer sogar laufen! Bei der Zürcher Kantonalbank waren Ende 1988 29 PCs und ein portabler Toshiba T-3200 im Einsatz. Berechtigterweise «Schlepptop» genannt, wog doch der Computer der Marke Toshiba mit Tasche 7,5 Kilogramm.


Einer der ersten Laptops der Bank, ein wahrlich gewichtiges Gerät.


Ein kleiner Lastwagen war nötig, um den ersten Computer der Bank anzuliefern. Die IBM-Anlage 1410 kostete rund fünf Millionen Franken. Zum Vergleich: Die Kosten der ersten Etappe des Hauptsitzneubaus beliefen sich auf rund 20 Millionen Franken.

«Um die Auslastung der Rechner zu gewährleisten, arbeitete die EDV-Abteilung im Zweischichtbetrieb von 6.30 bis 23.30 Uhr.»
Personalzeitung, Juni 1973

Titelbild: Frau bedient Computer und Telefon gleichzeitig. Personalzeitung der Zürcher Kantonalbank, 67/1968

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