Mit einem Börsenagenten fing alles an

Eigentlich begann alles im Jahr 1884: Da erhielt nämlich die Zürcher Börse als Marktplatz für Waren, Wertpapiere oder Devisen eine neue gesetzliche Grundlage. Deswegen diskutierte ein Jahr später auch der Bankrat der Zürcher Kantonalbank darüber, ob die Bank nun einen eigenen Börsenagenten brauche. Bis dieser kam, dauerte es aber noch eine Weile, und dann ging die Reise weiter: vom lautstarken Ring an der Börse bis zur heutigen elektronischen Börse Schweiz.


Die alte Börse an der Bahnhofstrasse 3, 1880.

Direktor Eduard Arbenz legte sich am 10. Juni 1885 so richtig ins Zeug, als er – gemäss Protokolleintrag – wortstark argumentierte, dass viele Kunden der Bank Wertpapiere erwerben und veräussern wollten: «Es seien dies ganz legitime Geschäfte und man beabsichtige keineswegs, der blossen Spekulation zu dienen.» Doch der Direktor mühte sich vergeblich: Weite Kreise lehnten den Börsenhandel ab, da die erwähnten spekulativen Geschäfte zu heftigen wirtschaftlichen Ausschlägen geführt hatten. Doch Direktor Arbenz zückte noch eine weitere Trumpfkarte: «Gerade die ausgedehnte Verbindung mit ausländischen Banken verschaffe der Kantonalbank viele Börsenaufträge. Gestern sei von einem Geldinstitut in Berlin ein Auftrag, einige 100 Aktien einzukaufen, eingegangen; solche Aufträge künftig von der Hand weisen zu müssen, wäre höchst fatal.» Da die Banken von der Börse mit der Courtage (Börsenhandelsspesen) belastet werden sollten, wünschte auch die kantonsrätliche Rechnungsprüfungskommission, dass die Bank einen eigenen Börsenagenten anstellen solle. Die Mehrheit des Bankrats liess sich nicht überzeugen. So fand der Börsenhandel vorerst ohne direkte Beteiligung der Zürcher Kantonalbank am Ring statt.

Dass die Zürcher Kantonalbank einen eigenen Börsenagenten einstellen solle «zum Zwecke der Förderung des Effektengeschäftes», kam erst 1909 wieder auf den Tisch – mit wohlwollenderer Stimmung im Bankrat. Es ging dabei insbesondere um den Ankauf und Verkauf von Wertpapieren für Kunden. Der erste Börsenagent wurde folglich eingestellt, und die Bank war ab Neujahr 1910 jahrzehntelang direkt am Ring der Zürcher Börse aktiv.


Plakat, 1970er Jahre.


Elektronische Arbeitsstationen in der Bank nach dem Ende des Ringhandels 1991.

Aus für den Handel à la criée

Nach mehr als 100 Jahren endete 1991 der Ringhandel in Bern, Lausanne, Neuenburg und St. Gallen. 1992 startete das Projekt Elektronische Börse Schweiz als Gemeinschaftsunternehmen der Börsen Basel, Genf und Zürich. Im Sommer 1996 wurde das elektronische Handelssystem für Aktien und Obligationen vollständig in Betrieb genommen, und der Handel à la criée, d.h. durch Zuruf der Händler am Ring, gehörte auch in Zürich der Vergangenheit an.

Der Wertpapierhandel verlagerte sich deshalb ab 1991 sukzessive an elektronische Arbeitsstationen. Die Zürcher Kantonalbank erstellte in diesem Jahr nach Rekordbauzeit an der Uraniastrasse 150 neue Handelsarbeitsplätze. «Für die Ausgestaltung der Arbeitsplätze ergeben sich […] hohe Anforderungen bezüglich Geschwindigkeit, Bedienungskomfort und Funktionalität. Diesen Anforderungen entsprechen die neuen ‹intelligenten Arbeitsstationen› (Workstations) mit ihren zahlreichen benutzerfreundlichen Möglichkeiten dank Grossbildschirm und Maus optimal. Mit dem neuen ‹Handelshof› ist die ZKB bereit für die EBS [Elektronische Börse Schweiz]», schrieb die Personalzeitung.

Was damals mit einem Börsenagenten startete, führen heute 200 Mitarbeitende der Zürcher Kantonalbank fort im Bereich Handel, Verkauf und Kapitalmarkt, der für die Universalbank wichtig ist. Dabei werden den Kunden vielfältige Dienstleistungen und Handelsprodukte angeboten, sei es in Bezug auf Zinsen, Kredite, Aktien, Devisen und Edelmetalle.

Titelbild: Ringhandel an der Zürcher Börse, 1929.

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