Pfandbriefzentrale als Bindeglied zum Geldmarkt

In Zeiten grosser Geldknappheit war es für die Banken ausserordentlich schwierig, Kapital zu vernünftigen Bedingungen zu beschaffen. Damit stieg automatisch auch der Hypothekarzins für ihre Kunden – mit weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Abhilfe schuf ab den 1930er Jahren die Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken.

Beim Pfandbrief handelt es sich um ein in der Regel börsenkotiertes Wertpapier, das mit besonders weitreichenden, gesetzlich geregelten Sicherheiten ausgestattet ist. Den rechtlichen Rahmen bildet das Bundesgesetz über die Ausgabe von Pfandbriefen, das am 1. Februar 1931 nach langwierigen Verhandlungen in Kraft getreten ist. Berechtigt zur Ausgabe von Pfandbriefen sind in der Schweiz zwei Emissionszentralen: die Pfandbriefbank schweizerischer Hypothekarinstitute AG und die Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken AG. Aktionäre der Pfandbriefzentrale sind alle 24 Kantonalbanken. Den grössten Aktienanteil von knapp 18 Prozent hält dabei die Zürcher Kantonalbank. Die Pfandbriefzentrale emittiert Pfandbriefe am Kapitalmarkt und leitet diese Gelder mit einer Zinsmarge von 0,03 Prozent (2019) in Form von Darlehen an die Kantonalbanken zur Mitfinanzierung des Hypothekargeschäfts weiter. Im Gegenzug erhält die Pfandbriefzentrale zur Darlehensdeckung erstklassige Hypothekarforderungen der Kantonalbanken auf Liegenschaften in der Schweiz als Sicherheitspfand.

Die erste Pfandbriefanleihe von 1931 mit den zugehörigen Halbjahreszinsscheinen («Coupons»). Heute werden Pfandbriefe als papierlose Wertrechte ausgegeben.

Hypothekarzins glätten

Die Einrichtung einer Pfandbriefzentrale als Zwischenglied mit hoher Bonität hatte kleineren und mittleren Kantonalbanken ab 1931 den Zugang zum schweizerischen Kapitalmarkt geöffnet, während die grösseren Institute wie die Zürcher Kantonalbank durchaus in der Lage gewesen wären, ihren gesamten Bedarf an Fremdgeldern selbst zu beschaffen. Trotzdem unterstützte die Zürcher Kantonalbank die Gründung einer zentralen Stelle, um den Hypothekarkredit generell zu verbilligen und den Hypothekarzinsfuss von den Schwankungen des Geldmarkts unabhängiger zu machen. «Es ist dies ein Ziel, das volkswirtschaftlich und sozial eine grosse Bedeutung hat und welches wert ist, dass wir alles daran setzen, es zu erreichen», so die Meinung in der Bankratssitzung vom Februar 1931. Um sich einen «massgebenden Einfluss» auf die Zentrale zu sichern, übernahm die Zürcher Kantonalbank die Geschäftsleitung gleich selbst. Sie verlangte dafür nur eine geringe Entschädigung. Dies sei «Ehrensache» für die grösste schweizerische Hypothekenbank.

Der Pfandbriefumlauf ist im Laufe der Zeit stark gewachsen, und der Pfandbrief hat sich als wichtiges Refinanzierungsinstrument im Hypothekargeschäft etabliert. Die Investoren wiederum schätzen den Pfandbrief als sehr sichere Anlagemöglichkeit. 2017 überschritten die Pfandbriefanleihen der Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken AG am Kapitalmarkt erstmals die historische Marke von 50 Milliarden Franken. Damit refinanzieren sie 15 Prozent des gesamten Hypothekarbestandes der Kantonalbanken. Die Zürcher Kantonalbank ist dabei Darlehensnehmerin von über 9 Milliarden Franken und hat nach wie vor die Geschäftsführung der Pfandbriefzentrale inne.

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