Pfandleihe – eine Institution hält sich hartnäckig

Gewinn macht man zwar nicht, trotzdem betreibt die Zürcher Kantonalbank seit 1872 eine Pfandleihkasse. Die Gründer der Bank wollten es so – und bis heute wird aus sozialen Gründen daran festgehalten.

Gantanzeige für Gegenstände der Pfandleihkasse, 1872.

Die Pfandleihe war in der Schweiz kein Bankgeschäft. Trotzdem sahen die Promotoren der Zürcher Kantonalbank auch den Betrieb des «Versatz-Geschäftes» schon im ersten Kantonalbankgesetz vor. Damit sollte dem Geschäft der Wucherer ein Riegel geschoben werden, die zu sehr unvorteilhaften Bedingungen Geld an ärmere Bevölkerungsschichten in Geldnöten verliehen. Und so öffnete bereits zwei Jahre nach der Gründung der Bank die Mobiliarleihkasse ihre Tore. Sie gewährte gegen Verpfändung von Wertgegenständen kleinere Darlehen zum Zins von 1 Prozent zur unbürokratischen Überbrückung kurzfristiger Geldklemmen. Die Höhe der Darlehen wurde auf zwei Drittel des Verkehrswerts festgesetzt, bei Silber- und Goldwaren ging man bis vier Fünftel. Das Minimaldarlehen betrug 5 Franken. Noch in den 1940er Jahren entfielen 95 Prozent auf Darlehen bis 100 Franken.

Versteigerung als schärfste Massnahme

Und dies war der Mechanismus zur Abwicklung, der grösstenteils bis heute gilt: Das Kleinstdarlehen musste spätestens nach sechs Monaten zurückgezahlt werden, es bestand jedoch die Möglichkeit zur Verlängerung. Konnte der Schuldner den verpfändeten Gegenstand aus Geldmangel nicht mehr auslösen, d.h. durch Rückzahlung des Darlehens plus Zinsen wieder in seinen Besitz nehmen, gelangte das Pfand zur Versteigerung. Blieb der Ertrag der Gant unter der geliehenen Summe, musste die Kasse den Verlust tragen. Mehrerlöse wurden dem Verpfänder vergütet, sofern er sich innert Frist meldete. Nicht beanspruchte Summen gingen in das sogenannte Armengut der Stadt Zürich. Aufgrund dieser Regelung musste die Mobiliarleihkasse alleine aus den Leihgebühren von 1 Prozent pro Monat die Gehälter, Mietzinse, Versicherungen gegen Feuerschaden und Diebstähle und weitere Unkosten bestreiten. Einzig für voluminöse Pfänder oder Waren, die besondere Pflege verlangten, wie Pelze und Teppiche, war eine kleine Zusatzentschädigung zu entrichten. Es verwundert nicht, dass die Mobiliarleihkasse (ab 1934: Pfandleihkasse) kaum schwarze Zahlen schrieb und durch das Mutterhaus subventioniert werden musste. «Doch ungeachtet der betriebsfremden Last möchte die Bank diesen Sozialdienst nicht missen», heisst es in der Jubiläumsschrift von 1970.


Prospekt der Pfandleihkasse, 1997.

Teppiche, Fahrräder und Hunderte von Schreibmaschinen

Aus einem Bericht in der Personalzeitung von 1957 über den Umzug der Pfandleihkasse wird ersichtlich, was zu dieser Zeit alles versetzt wurde. «Die nicht alltäglichen Transporte umfassten über 6000 Posten Schmucksachen, 250 Gemälde, einige Hundert Schreibmaschinen, eine Menge Teppiche, 1000 Fahrräder, Hunderte von Kleidern, eine Menge von Koffern und unzählige Pakete.» Da es den Kunden unangenehm war, vor anderen Leuten ihre Habseligkeiten auszubreiten und sie gemäss Bericht oft «in gereizter Stimmung» waren, standen in der Schalterhalle fünf geschlossene Kabinen für die diskrete Abwicklung des Geschäfts zur Verfügung.

Noch heute betreibt die Zürcher Kantonalbank nach Vorgabe des Kantonalbankgesetzes eine Pfandleihkasse, die mittlerweile nach mehreren Umzügen in Zürich-Wiedikon ihren Sitz hat. Das Geschäft hat sich in den knapp 150 Jahren kaum verändert. Der Zins beträgt nach wie vor monatlich 1 Prozent. Je nach Verwertbarkeit des Gegenstandes werden heute nur noch rund 10 bis 20 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises ausbezahlt. Als Pfandgegenstände stehen Schmuck und Markenuhren im Fokus. Und gerne wird auch einmal ein Goldbarren hinterlegt, um eine üppige Hochzeit zu finanzieren – für eine glänzende Zukunft.

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Titelbild: Pfandleihkasse in Zürich-Wiedikon, um 1990.

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