Sag’s doch schnell per Telefon

Braucht es zwischen einer Filiale in der Region und dem Hauptsitz in der Stadt Zürich ein Telefon? Der Bankrat war sich in den 1880er Jahren noch unsicher. So hoch sei der Kommunikationsbedarf ja auch wieder nicht. Doch die technologische Entwicklung liess sich nicht aufhalten.

Die Zürcher Kantonalbank kommunizierte nach ihrer Gründung vorerst mittels Telegrafie, Postsendungen und Boten mit ihren ersten Bankfilialen. Eine kurze Notiz im Geschäftsbericht markierte 1883 den Beginn einer neuen Ära: «Seit Eröffnung der Telephonlinien Zürich–Winterthur und Zürich–Horgen steht die Hauptbank mit den Filialen Winterthur und Horgen in mündlichem Verkehr.» Bis es so weit kommen sollte, brauchte es noch etwas Überzeugungsarbeit.

Horgen, bitte kommen


Ob solche Telefonanschlüsse überhaupt eingerichtet werden sollten, war im Bankrat umstritten. Einige Bankräte schätzten beispielsweise den Kommunikationsbedarf zwischen der Filiale Horgen und der Hauptbank in Zürich als eher gering ein, es benötige folglich keine Telefonverbindung. Zudem seien die Auslagen dafür zu hoch. Ein Bankrat befürchtete zudem, dass Kundinnen und Kunden ihre Bankgeschäfte bei Bestehen einer Telefonverbindung direkt mit der Hauptbank abwickeln und die Filiale links liegen lassen würden. Andere Bankräte hielten eine telefonische Verbindung zwischen Filiale und Hauptbank für sinnvoll und strichen auch hervor, dass die Einrichtung einer Telefonleitung nach Zürich der Gemeinde Horgen generell einen hohen Nutzen bringe. Der jährliche Kostenaufwand von 200 Franken mute zudem gering an. Schliesslich stimmte die Mehrheit des Bankrats im Februar 1882 für die Unterzeichnung eines Vertrags mit der Zürcher Telephongesellschaft, die bereits das lokale Netz in der Stadt Zürich betrieb. Nachdem sich genügend Firmen oder Private verpflichtet hatten, für den Anschluss ans Netz eine jährliche Gebühr zu entrichten, wurde auch diese Verbindungsleitung gebaut. Im Februar 1883 ging als erste interurbane Leitung der Schweiz die Verbindung zwischen Zürich und Winterthur in Betrieb. Im gleichen Jahr folgten die Verbindungen nach Thalwil, Horgen, Wädenswil, Richterswil, Adliswil, Küsnacht und Schaffhausen (über Winterthur).

Wandapparat der Zürcher Telephongesellschaft, 1882.

Morsche Leitungsträger ersetzen

Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren auch die übrigen Filialen telefonisch erreichbar. So wurde beispielsweise 1891 dem Bankrat vermeldet, dass die Bankkommission der Filiale Meilen ein «Telephonabonnement» bewilligt habe. Interne Widerstände gab es keine mehr. Gerne war die Bank auch bereit, bei Verbesserungen der Infrastruktur Hand zu bieten, als 1887 dem Bankrat folgender Antrag vorlag: «Das hiesige eidg. Telephonbüreau stellt das Gesuch, es möchte ihm die Bewilligung ertheilt werden, den auf dem Kantonalbankgebäude angebrachten, morsch gewordenen hölzernen Träger für den Telefonstrang durch einen eisernen ersetzen zu dürfen.» Man unterliess es aber nicht, die Bewilligung an die Bedingung zu knüpfen, «dass die Entschädigung, welche der Bund für derartige Inanspruchnahme des Privateigenthums andern Hausbesitzern zahlte, auch der Kantonalbank vergütet werde».

Passend zum Thema

Einfach Distanzen überwinden

Zum Artikel
Element 1
Inhalt teilen

Für eine optimale Ansicht drehen Sie bitte Ihr Smartphone.