Salzburg – viel Mozart und immer mehr Zürcher Kantonalbank

Im Rahmen der Neuausrichtung im internationalen Private Banking fokussierte sich die Zürcher Kantonalbank im Auslandgeschäft mit vermögenden Privatkunden auf wenige Länder, darunter Deutschland und Österreich. Da das klassische Offshore-Geschäft mit den Angriffen aufs Schweizer Bankgeheimnis vor einer ungewissen Zukunft stand, gewann ab 2009 die Beratung vor Ort an Bedeutung – in der Mozartstadt Salzburg.

Für die aktive Bearbeitung der Private-Banking-Märkte in der Europäischen Union wurde 2011 die Zürcher Kantonalbank Österreich AG mit Sitz in Salzburg und einem Standort in Wien aus der Taufe gehoben. Sie bestand im Kern aus der 2010 übernommenen Privatinvest Bank AG (PIAG), die 1885 als Bankhaus Daghofer gegründet worden war. 1992 gelangte die bis dahin eigenständige Privatbank mehrheitlich in den Besitz einer Tochter der Dresdner Bank. 2009 übernahm die Commerzbank die Dresdner Bank. Gleichzeitig geriet das deutsche Bankhaus allerdings aufgrund der Bankenkrise in Turbulenzen und musste im Zuge einer Teilverstaatlichung gewisse Beteiligungen im Ausland abstossen, darunter auch die PIAG.

Schwierige Startphase

Ruhe kehrte vorerst auch mit dem Einstieg der Zürcher nicht ein. Im Gegenteil. Der Start für die Österreich-Tochter war nämlich alles andere als reibungslos, nachdem insbesondere in der Geschäftsstelle Wien heikle Geschäftsbeziehungen aus der PIAG-Vergangenheit medial ins Kreuzfeuer gerieten. Zudem kam es zu einer Strafanzeige gegen einen ehemaligen Kundenbetreuer wegen Geldwäschereiverdachts. Wie sich herausstellte, barg die Vergangenheit der gekauften Bank grössere Reputationsrisiken als angenommen. Die NZZ schrieb, man habe «ein schlecht geführtes, rote Zahlen schreibendes Kasino ohne nennenswerte Aktiva» übernommen.

Doch die Zürcher Kantonalbank hatte bereits nach der Übernahme verschiedene Massnahmen eingeleitet. Sie sah insbesondere einen Mangel an griffigen Kontrollinstrumentarien und -prozessen, weshalb sie sehr rasch die Konzernstandards des Mutterhauses integral und umfassend implementierte. In der Folge wurden alle Kundenbeziehungen detailliert durchleuchtet und – falls sie den Konzernstandards nicht entsprachen – aufgelöst. Zudem kam es zu personellen Wechseln; als Vorstandssprecher wurde ein Vertreter des Zürcher Stammhauses eingesetzt. Die erfolgreiche Anbindung an das Mutterhaus äusserte sich schliesslich in der Umbenennung der Bank in Zürcher Kantonalbank Österreich AG im Herbst 2011. «Erst wenn Zürcher Kantonalbank drin ist, darf auch Zürcher Kantonalbank dranstehen» lautete die klare Vorgabe des Bankrats. Die Verbindungen zur alten PIAG waren so endgültig gekappt. Die Neuausrichtung der Tochterbank führte allerdings mit einer Eigenmittelzufuhr von 18 Millionen Euro zu einer höheren Investition als geplant.

Nach der Umfirmierung entwickelte sich die Zürcher Kantonalbank Österreich AG dann aber positiv und wuchs, nicht zuletzt dank der starken Wirkung der Marke Zürcher Kantonalbank auch im Ausland, in den Folgejahren kräftig. Bereits 2016 konnte so – schneller als bei allen anderen Schweizer Banken im deutschsprachigen Ausland – die Gewinnschwelle überschritten werden. Seit 2019 steht die Bank operativ vollumfänglich unter österreichischer Führung; das Zürcher Stammhaus ist noch im strategischen Organ des Aufsichtsrats vertreten und stellt dort auch den Präsidenten.

Was sprach damals für die PIAG und den Standort Salzburg? In der Personalzeitschrift wurde nach Unterzeichnung des Kaufvertrags hervorgehoben, dass das neuste Geschäftshaus der Zürcher Kantonalbank in einer der schönsten Städte Europas stehe, bekannt für seine Festspiele und als Geburtsort von Wolfgang Amadeus Mozart und die ihn huldigenden Schokomarzipankugeln. Doch an Mozart dürften die Verantwortlichen zuletzt gedacht haben. Der Grund für den Kauf war die relativ einfach und aus damaliger Sicht kostengünstig zu erwerbende österreichische – und damit auch EU-weit einsetzbare – Banklizenz durch die Übernahme eines bestehenden Instituts. Der Aufbau einer Privatbank auf der grünen Wiese als alternative Vorgehensweise hätte wesentlich mehr Aufwand und eine längere Durststrecke bedeutet. Die tiefere Kostenstruktur in Salzburg als etwa bei einem Standort München trug das ihre zur spezifischen Standortwahl bei.

Kunden vor Ort bedienen

Nach turbulenten Anfangsjahren gelangte die Tochtergesellschaft ab 2011 in ruhigeres Fahrwasser, was das starke organische Wachstum erlaubte. Die österreichische Tochtergesellschaft mit ihren rund 80 Mitarbeitenden hat sich auf vermögende Privatkunden und Stiftungen im Bereich Vermögensverwaltung und Anlagelösungen mit Schwerpunkt Wertpapieranlage spezialisiert. Sie kann dabei auf über 200 Spezialisten des Mutterhauses und den bewährten Anlageprozess der Gesamtbank zurückgreifen. Das Geschäftsvolumen beträgt über 2,4 Milliarden Euro, das jährliche Wachstum der Kundenvermögen zwischen 15 und 20 Prozent.

Unbestritten ist nach wie vor die grosse strategische Bedeutung: Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG stellt für die Schweizer Mutter das Tor zu Europa dar, indem sie den Marktzutritt zum EU-Raum wesentlich vereinfacht. Angesichts stark verschärfter und sich immer noch verändernder regulatorischer Auflagen im Ausland bleibt damit die Sicherung des Schweizer Private Banking mit europäischen Kunden für die Zürcher Kantonalbank strategisch erhalten. Möglich ist dies durch die Banklizenz für Österreich und den optionalen Zugang zu anderen EU-Ländern. Damit kann die Hauptzielgruppe in Österreich direkt vor Ort und weitere Zielgruppen in Deutschland oder einem anderen EU-Land aus Österreich heraus mit dem sogenannten EU-Passporting bedient werden – mit wesentlichen regulatorischen Erleichterungen.

Im Bankgesetz von 1997 wurde die Möglichkeit geschaffen, im In- und Ausland Tochtergesellschaften zu gründen. Als Erstes wurde im Jahr 2000 die Zürcher Kantonalbank Finance (Guernsey) Ltd. in St. Peter Port gegründet, welche strukturierte Anlageprodukte emittierte. Dank dieser Gesellschaft auf der britischen Kanal-Insel zog die Kantonalbank mit anderen Schweizer Bankhäusern gleich, um bei der Emission von eigenen strukturierten Produkten keinen steuerlichen Wettbewerbsnachteil zu erleiden.

Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank Österreich AG in Salzburg.

Titelbild: Altstadt mit Festung Hohensalzburg.

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