Sonniges Angebot fürs Personal

Der Personalverband verwirklichte während der 1940er Jahre ein spezielles Projekt: Er mietete ein Haus in Engelberg. Das «Städeli» stand den Verbandsmitgliedern für Ferien zur Verfügung.

Das Ferienhaus des Personalverbandes der Zürcher Kantonalbank konnte ab 1942 günstig für Ferien gemietet werden. Das Angebot wurde vor allem während den Sommerferien genutzt. Über Weihnachten und Neujahr überstieg die Nachfrage gar das Angebot. Sonst war die Frequenz zum Leidwesen der Organisatoren jedoch gering.

Fotoalbum statt Ferienprospekt

Der Vorstand des Personalverbandes entschied deshalb, das Haus Städeli als Feriendomizil verstärkt zu propagieren. «Gerade in dieser schweren Zeit spielt ja vor allem die Geldbörse eine bestimmende Rolle und es muss danach getrachtet werden, das Budget nicht allzu stark zu beanspruchen. Hier wollen und können wir helfen und die Wahl um ein Beträchtliches erleichtern. Unser heimeliges Ferienhaus ‹Städeli› in Engelberg ist für die Aufnahme der Wintergäste bereit», hiess es in einem Werbebrief. Der Personalverband sandte zu diesem Zweck auch ein kleines Fotoalbum in der Bank herum, damit die Angestellten sehen konnten, wie das Haus aussah, wie es eingerichtet war, wo es lag und wohin man Ausflüge, Wanderungen oder Skitouren machen konnte. Das Album zeigt ein ansehnliches dreistöckiges Haus. Es verfügte über eine grosse Bauernstube mit Kachelofen, drei Einzelzimmer, zwei Doppelzimmer – alle ausgerüstet mit Betten, einem Lavoir mit Krug und Nachttöpfen – und ein Gemeinschaftsbad. Gemäss Inventarliste war die Küche gut bestückt und hatte einen elektrischen Herd. Besonders angepriesen und wohl auch genossen wurde die sogenannte Liegehalle: ein grosser Balkon, der durch seitliche Glaswände vor Wind geschützt und mit sechs Liegestühlen ausgerüstet war. Das Haus lag nur wenige Minuten von der «stattlichen Ortschaft» entfernt, wo man das Kurangebot nutzen konnte. Es wurde in der Regel an eine (Gross-)Familie vermietet, die Einrichtung war auf etwa acht Personen ausgerichtet.

Fotoalbum mit Brief des Personalverbands zur Anwerbung von Feriengästen und Gästebuch mit Stoffeinband aus den 1940er Jahren.Fotoalbum mit Brief des Personalverbands zur Anwerbung von Feriengästen und Gästebuch mit Stoffeinband aus den 1940er Jahren.

Begeisterte Erfahrungsberichte

Wie damals üblich, wurde im Haus ein Gästebuch aufgelegt und die Mieterinnen und Mieter hinterliessen begeisterte Schilderungen ihrer Ferien. Der erste Eintrag stammt von Ostern 1942, der letzte vom März 1945. Viele beschrieben, wie sie sich sofort in dem schönen Haus mit den blauen Läden heimisch fühlten. Auch der Vorstand, der eine Inspektionsreise nach Engelberg unternahm, war des Lobes voll und bekräftigte nochmals seine Entscheidung, das Feriendomizil zu mieten. Die Gästebucheinträge endeten in der Regel mit dem Wunsch, dass man bald zurückkehren dürfe. Kurz und bündig hielt ein Angestellter fest: «8 Tage Ferien im ‹Städeli› sind zu wenig» – eine Präzisierung folgte sogleich: «Allerdings würden wir auch nach einem Monat Ferien ebenso ungern von hier fortgehen.»

Mitten im Krieg mietete der Personalverband ein Haus in Engelberg, um seinen Mitgliedern günstige Ferien zu ermöglichen.
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Mitten im Krieg mietete der Personalverband ein Haus in Engelberg, um seinen Mitgliedern günstige Ferien zu ermöglichen.

Beliebt war das «Sünnele» in der sogenannten Liegehalle.
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Beliebt war das «Sünnele» in der sogenannten Liegehalle.

Die Einrichtung des Hauses «Städeli» war einfach und funktional – Nachrichten und Unterhaltung brachte das Radio.
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Die Einrichtung des Hauses «Städeli» war einfach und funktional – Nachrichten und Unterhaltung brachte das Radio.

Gemäss Inventarlisten war im Haus alles vorhanden, was man so brauchte.
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Gemäss Inventarlisten war im Haus alles vorhanden, was man so brauchte.

Die Schlafzimmer waren statt mit En-suite-Badzimmern mit Nachttopf und Lavoir ausgerüstet.
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Die Schlafzimmer waren statt mit En-suite-Badzimmern mit Nachttopf und Lavoir ausgerüstet.

Unterstützung durch die Bankleitung

1943 sprach die Bankkommission einen Beitrag von 500 Franken an das Defizit des Ferienhauses von rund 630 Franken und versprach für das kommende Jahr nochmals einen gleichen Betrag. Sie stellte jedoch klar: «Spätere Unterstützungen in dieser Sache werden aber ausdrücklich abgelehnt.» Der Personalverband schaffte es in der Folge trotz aller Bemühungen und Beistand nicht, dass «jedes [Verbands-]Mitglied wenigstens einmal die Gelegenheit wahrnehmen sollte, seine Ferien im eigenen Heim zu verbringen». So wurde der Mietvertrag gekündigt und die «Angelegenheit Ferienhaus ‹Städeli› 1945 liquidiert».

Heute werden Ferienwillige in anderer Form unterstützt: Seit Oktober 1978 können die Mitarbeitenden Reka-Geld beziehen, was ihnen jederzeit günstige Familienferien ermöglicht, sei dies in Reka-Feriendörfern oder in Hotels im In- und Ausland – natürlich auch in Engelberg.

Titelbild: Kleine (Familien-)Gruppen von Angestellten mieteten das Haus – besonders über Feiertage.

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