Tatort Tösstal

Was als Hausbrand mit vermeintlichem Wertpapierverlust begann, endete in einem veritablen Kriminalfall. Und eine unterlassene Meldung an die Hauptbank sorgte zusätzlich für hitzige Köpfe.

Im August 1912 meldete sich ein verzweifelter Einwohner aus Steg im Tösstal bei der Filiale Bauma. Er teilte mit, dass sein Wohnhaus abgebrannt und damit auch Kantonalbank-Obligationen im Wert von 6000 Franken in Flammen aufgegangen seien. Etwas später informierte allerdings das Statthalteramt Hinwil die Filiale Bauma, dass die Obligationen nicht verbrannt, sondern gestohlen worden seien. Zur Vertuschung des Raubes hätte der Dieb das Haus anschliessend angezündet. Die Filiale Bauma unterliess es in der Folge, der Hauptbank diesen Umstand zu melden und die betroffenen Obligationen zu sperren. Der Dieb konnte so dreimal bei der Hauptbank einige der gestohlenen Obligationen im Gesamtwert von 3000 Franken einlösen. «Als er zum 4. mal kam, fiel die Sache auf und er wurde ins Discontbureau gebeten, fand aber für gut, zu verschwinden», wie es im Bericht des Direktors an den Bankrat heisst. Der Dieb konnte später trotzdem gefasst werden. Der bestohlene Mann aus Steg verlangte nun die volle Summe als Schadenersatz von der Zürcher Kantonalbank. Sie war dabei in einer ungemütlichen Position. Die unterlassene Meldung an die Hauptbank hatte die Auszahlung an den Dieb überhaupt erst möglich gemacht. Die Bank bot 1000 Franken Abfindung an. Nach einigem Feilschen einigte man sich schliesslich auf eine Auszahlung von 1250 Franken.

 

Sorgfältige Prüfung

Heute wird für physische Wertschriften, die der Kunde verkaufen möchte, keine Barauszahlung direkt am Schalter mehr vorgenommen. Fremde Wertschriften werden zur Auszahlung des fälligen Betrags an die betreffende Gesellschaft gesandt, eigene Papiere wie eine Kantonalbank-Obligation intern weiterverarbeitet. Vor einer Auszahlung an den Kunden wird überprüft, ob im zentral geführten Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) der entsprechende Titel im Rahmen eines gerichtlichen Kraftloserklärungsverfahren als «abhandengekommen» aufgeführt ist. So kann das Geschäft allenfalls noch gestoppt werden. Voraussetzung bleibt aber, dass diese Titel als sogenannt opponiert überhaupt gemeldet werden.


Obligation der Zürcher Kantonalbank von 1904.

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