Verdächtig neue Dollarnoten

Wenn jemand am Bankschalter eine grosse Anzahl ungefaltete, nach Druckfarbe riechende Banknoten einzahlen oder umtauschen will, wäre grosse Vorsicht geboten. Doch was passiert, wenn Angestellte in der Hitze des Gefechts die Sorgfaltspflichten verletzen?

In den 1970er Jahren wollte ein Mann in einer Agentur der Zürcher Kantonalbank 56’800 US-Dollar umtauschen. Anstandslos zahlte ihm die Schalterperson den Gegenwert von 109’908 Franken aus. Die Noten erwiesen sich jedoch allesamt als falsch und wurden sofort von der Polizei beschlagnahmt. Die unglücklich agierende Schalterperson musste zum Rapport antraben. Sie führte gegenüber dem Chef der Kontrollstelle als Entschuldigung an, dass sie zur Tatzeit «stark überlastet» gewesen sei, da sie noch die Kontokorrentbuchhaltung habe führen müssen. Sie habe auch keinen Verdacht geschöpft, dass der Mann «etwas Ungutes im Schilde führe». Die zuständige Versicherung plädierte allerdings auf grob fahrlässiges Verhalten, da einer Person mit langjähriger Berufserfahrung eine erhöhte Sorgfalt zugemutet werden könne. Die Höhe des Betrags und die neuen, ungefalteten Tausendernoten hätten zur Vorsicht mahnen müssen. Man habe sogar die frische Druckfarbe noch riechen können. Weiter sei der Kunde völlig unbekannt gewesen und habe sich trotzdem lediglich mit einer Visitenkarte ausweisen müssen. Die Versicherung zahlte deshalb nur 60’000 Franken an die Schadenssumme aus. Die Zürcher Kantonalbank musste den Rest von gut 50’000 Franken abschreiben. Von der Schalterperson verlangte das Bankpräsidium eine Beteiligung von 3000 Franken. Eine volle Schadensbeteiligung wollte man ihr jedoch nicht überbinden. Man erinnerte sich an einen vergleichbaren Fall aus den 1960er Jahren, als eine für die Kassenführung zuständige Person einem unbekannten Boten nach einem fingierten Telefonat grob fahrlässig 48’000 Franken ausgezahlt hatte. Auch sie musste nur rund 6 Prozent der ungedeckten Schadenssumme übernehmen.

Fehler können passieren

Konnte die Bank den betroffenen Mitarbeitenden grob fahrlässiges Handeln nachweisen, mussten sie einen gewissen Selbstbehalt am Verlust tragen und sich in der Regel eine neue Stelle suchen. Wie der Generaldirektor in der Bankratssitzung vom März 1979 berichtete, würden aber wenig grosse Fehler gemacht. Es handle sich, etwa bei Kassadifferenzen, meist um Fahrlässigkeiten oder um Fehler, die passieren können. Die fehlbaren Mitarbeitenden würden deshalb meist nicht finanziell belangt, aber oft an einen anderen Posten innerhalb der Bank versetzt.

Titelbild: Arbeitssituation in einer Filiale um 1980.

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