Vertrauen ist gut, Sicherheit ist besser

Im kleinen, rohstoffarmen und industriell spezialisierten Land hat die Schweizer Wirtschaft eine lange Tradition im grenzüberschreitenden Handelsgeschäft. Dabei sind die grossen Distanzen, die unterschiedlichen Rechtssysteme und Gepflogenheiten wichtige Faktoren, die es für auslandorientierte Unternehmen zu beachten gilt. Bei der Absicherung von Zahlungs- und Leistungsrisiken setzen Verkäufer und Käufer speziell für den Aussenhandel entwickelte Instrumente ein.

Um im Aussenhandel erfolgreich zu sein, benötigt es viel Know-how. Besonders viel davon gibt es in Winterthur, denn zwei Winterthurer gehörten bereits im 19. Jahrhundert zu den Mitbegründern des «Zürcher Indienhandels». Der eine ist laut Historischem Lexikon Johann Jacob Rieter, der 1795 gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard Rieter und Bernhard Greuter die Handelsgesellschaft Rieter & Greuter gründete. Diese Gesellschaft startete mit dem Handel von Kolonialwaren und Baumwolle. Sie entwickelte sich schliesslich zum marktführenden Spinnereimaschinen-Hersteller.

Wenn Lieferungen verschwinden

Von Anfang an war Rieter international tätig, kaufte Baumwolltücher in Osteuropa, verschob Zucker und Kaffee aus Amerika zwischen Antwerpen und Winterthur – und exportierte später Maschinen in die ganze Welt. Bei dieser Handelstätigkeit war das Unternehmen vielen Risiken ausgesetzt. Selbst wenn Verkäufer und Käufer sich bei jedem Vertragsabschluss in Treu und Glauben einig waren, konnte auf dem Weg bis zur Auslieferung der Ware oder Dienstleistung noch vieles passieren. Die Lieferung konnte auf der langen Reise verschwinden, der Vertragspartner einen Auftrag annullieren oder zahlungsunfähig werden (Fabrikations-, Debitorenrisiko). Handelseinschränkungen wie ein Ausfuhrverbot von Devisen oder politische Unruhen konnten Geschäfte beschwerlich machen. Und je häufiger Verträge in fremden Währungen offeriert wurden, umso mehr gewann der richtige Umgang mit Währungsrisiken an Bedeutung.

Startpunkt für die Verschiffung von Waren in internationale Gewässer: Rheinhafen Kleinhüningen in Basel.

Exportfinanzierungen: Brücken schlagen zwischen Exporteur und Importeur.

Internationale Bankbeziehungen: ein Muss für Exporte

Zur Absicherung all dieser Risiken im grenzüberschreitenden Handel entwickelten sich im Laufe der Jahre spezielle Finanzinstrumente. Diese bauten und bauen auf einem Zusammenspiel von Importeur und der Bank seines Vertrauens sowie Exporteur und der Bank seines Vertrauens auf. Beim Exportakkreditiv zum Beispiel verpflichtet sich die Bank des Käufers, dem Verkäufer eine konkrete Summe auszuzahlen, wenn dieser bestimmte Warendokumente fristgerecht vorlegt. Der Exporteur ist so sicher, dass keine Waren ohne Gegenleistung geliefert werden, und der Käufer muss nur bei einer wirklichen Auslieferung bezahlen. Für die beteiligten Banken ist es deshalb wichtig, eine Einschätzung über die Vertrauenswürdigkeit auch der von der Gegenpartei gewählten Bank zu haben. Zu diesem Zweck unterhält die Zürcher Kantonalbank ein Netzwerk von mehr als 1200 geprüften Banken in über 100 Ländern und unterstützt Schweizer respektive Zürcher Unternehmer in China, Indien, Singapur und Brasilien mit kleinen Repräsentanzen vor Ort. Auch der private Zahlungsverkehr nutzt übrigens dieses Korrespondenz-Banken-Netzwerk. Denn jede Zahlung in einer Fremdwährung benötigt noch heute einen lokalen Partner. 

 

106 Textilmaschinen für die Türkei

Doch zurück zu Rieter. Das Unternehmen ist heute zu 100 Prozent exportorientiert und mit 16 Produktionsstandorten in zehn Ländern international aufgestellt. Rieter beschäftigt in der Schweiz 20 Prozent seiner rund 5000 Mitarbeitenden. Die Zürcher Kantonalbank ist dank ihres breiten Know-hows im grenzüberschreitenden Handel bei vielen dieser Exportgeschäfte als Partner dabei.

So unterstützte die Zürcher Kantonalbank Rieter 2013 beim Export von 106 Textilmaschinen, darunter 50 vollautomatische Rotorspinnmaschinen, nach Kahramanmara im südöstlichen Teil Anatoliens, 700 Kilometer von Ankara entfernt. Denn abgesehen von der Produktion von Olivenöl, Gewürzen und Kunsthandwerk gilt die Stadt als Zentrum der türkischen Textilindustrie. In diesem Projekt kamen verschiedene Formen von mittel- und langfristigen Exportkrediten, Akkreditivarten und der Deckung der Schweizerischen Exportrisikoversicherung zum Einsatz. Die Erarbeitung aller Grundlagen nahm allein zwei Jahre in Anspruch.

Das Akkreditiv erklärt

Die Instrumente der grenzüberschreitenden Handelsfinanzierung dienen alle der Absicherung des Kunden und des Verkäufers. Deshalb beauftragen in der Regel beide Parteien einen lokalen Partner der Finanzindustrie mit der Umsetzung.

Das wohl dem Laien am wenigsten bekannte Instrument ist das Akkreditiv. Ein Akkreditiv (von lat. credere, glauben, engl. Letter of credit) ist eine Bescheinigung einer Person oder Körperschaft gegenüber einer anderen. Dabei verpflichtet sich die beauftragte Bank zur Zahlung eines festgelegten Betrags an den Verkäufer, wenn dieser bestimmte Warendokumente fristgerecht vorlegt. Das Akkreditiv schützt den Exporteur vor dem Risiko, Waren ohne Gegenleistung zu liefern und zugleich schützt es den Käufer, weil er nur bei Warenlieferung bezahlen muss. Die Bank geht mit dem Akkreditiv eigene Zahlungsverpflichtungen ein und übernimmt damit eine Finanzierungsfunktion. Das Akkreditiv ist somit ein kombiniertes Instrument der Zahlungssicherung und der kurzfristigen Finanzierung.

Schematischer Ablauf eines Akkreditivs.

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Titelbild: Diese Rotorspinnmaschine R 60 wurde 2013 in die Türkei geliefert.

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