Viel Potenzial im Cyberspace

Bald nachdem die Zürcher Kantonalbank ihre erste Website veröffentlicht hatte, war klar, dass in diesem Bereich ein riesiges Entwicklungspotenzial schlummerte. Noch relativ unklar war, wie diese Entwicklung genau aussehen könnte.

«Sicher beinhaltet das eVenture-Geschäft gewisse Risiken, aber die Zukunft wird zeigen, dass das Electronic Banking, Electronic-Business etc. Zukunft haben wird.» Aus diesen Worten von CEO Paul Hasenfratz aus dem Jahr 2000 zu Geschäftsprozessen im Internet ist gut herauszuhören, dass es dafür noch einige Überzeugungsarbeit brauchte. Doch ein positiver Grundsatzentscheid war gefasst: Die Zürcher Kantonalbank wollte die neuen technologischen Möglichkeiten umgehend für ihre Geschäftstätigkeit nutzen. Es herrschte Aufbruchstimmung, aber verbunden mit einem gewissen Mass an Vorsicht – nicht zuletzt wegen der in den USA im Frühjahr 2000 geplatzten Dotcom-Blase.

Zwei homegate-Projektmanager geben in der Personalzeitung vom Dezember 2001 Auskunft über ihre Motivation, bei einem Start-up mitzuwirken: «Prozesse sind noch nicht fix vorgegeben. Die Schwerfälligkeit, die man in etablierten Unternehmen oft antrifft, fehlt. Mitarbeitende haben die Möglichkeit, sich einzubringen und etwas zu bewirken.»

Wie mit der Zukunft umgehen?


Konkret ging es der Zürcher Kantonalbank erst einmal darum, die technischen Möglichkeiten ernsthaft und fundiert mit den Bedingungen im aktuellen Bankbetrieb in Beziehung zu setzen. Artikel in der Personalzeitung flankierten den Aufbruch in die elektronische Welt und begegneten Unsicherheiten, die damals unter den Mitarbeitenden durchaus spürbar waren: Wie umgehen mit der Zukunft, die doch nicht vorhersehbar ist? Eine Arbeitsgruppe ermittelte vier potenzielle Einsatzbereiche. Diese wurden in internen Diskussionen priorisiert und der dafür erforderliche finanzielle und personelle Mitteleinsatz definiert. Ausserdem wurde abgeschätzt, ab wann sich diese Investition in die Zukunft wohl rechnen könnte. Es stellte sich bald heraus, dass manches Vorhaben angesichts der beschränkten Programmierressourcen für die Zürcher Kantonalbank damals noch zu gross war. Zwei Projekte wurden daher gestoppt. In Angriff genommen wurde homegate.ch, ein Projekt nahe an der historischen Kernkompetenz der Zürcher Kantonalbank: dem Hypothekargeschäft. Um Partner einfacher in das neue Unternehmen einbeziehen zu können, wurde dieses im Rahmen einer rechtlich selbstständigen Gesellschaft realisiert.

homegate.ch – Ein voller Erfolg


Anfang Dezember 2001 war es so weit: www.homegate.ch ging online. Das Portal listete rund 16’500 Immobilien auf, die einen Käufer oder Mieter suchten, bot Finanzierungen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Banken und stellte Kaufpreis-, Budget- und Steuerrechner zur Verfügung. 2002 dominierte homegate.ch mit einem Anteil von über 50 Prozent bereits den Schweizer Online-Immobilienmarkt. Auch die schweizweit erste Online-Hypothek bot das Portal damals bereits an. Nachdem sich 2004 zwei Medienhäuser an der homegate AG beteiligten, stieg der Bekanntheitsgrad des Immobilienportals markant, umfassende Neugestaltungen der Website wie etwa Mobile-Fähigkeit folgten, das Immobilienangebot wurde erweitert, noch mehr Partnerschaften wurden geschlossen. Bis 2008 reduzierte die Zürcher Kantonalbank ihre Beteiligung an homegate AG auf 10 Prozent. Doch die Zusammenarbeit blieb intensiv: 2013 lancierte die Bank auf dem Immobilienportal eine wesentlich erweiterte, nämlich die erste selbstständig verwaltbare und mehrsprachige Online-Hypothek.

Ob diese Dienstleistung auf die traditionelle Hypothekenvergabe zurückwirkt? Ja: Fragen der Online-Kunden landen bei den Profis der Zürcher Kantonalbank und befördern Lernprozesse. Die Personalzeitung von 2013 formulierte es so: «Die Online-Hypothek gibt uns die Möglichkeit, in einem klar abgesteckten Rahmen schlankere Abläufe zu testen, um diese allenfalls später in anderen Finanzierungs-Prozessen der Bank zu etablieren.»

Die von der Zürcher Kantonalbank initiierte homegate AG wurde – inzwischen mit Partnern – zum führenden Schweizer Immobilienportal.

  2002 2008 2018 2019
Besuche monatlich 600’000 3,5 Mio. 8 Mio. 9 Mio. 
Seitenzugriffe monatlich 70 Mio.  124 Mio. 180 Mio.

200 Mio.

Immobilienanzeigen 19’000 51’000 100’000 >100’000

homegate.ch, eine Erfolgsgeschichte

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Titelbild: Aus der Personalzeitung: Noch im Jahr 2000 schien das World Wide Web fast so fern wie das Weltall, Cyberspace eben.

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