Vom Schalter zur Filiale in der Hosentasche

Wer heute mit der TWINT-App seinem Kollegen auf einfachste Art und Weise den geschuldeten Betrag fürs Theaterbillett und den anschliessenden Schlummertrunk überweist, vergisst sehr leicht, dass früher für Geldtransaktionen von Konto zu Konto zwingend eine Bank- oder Poststelle aufgesucht werden musste.

Um den Kantonsbewohnern «die Befriedigung ihrer Kredit- und Geldbedürfnisse zu erleichtern», errichtete die Zürcher Kantonalbank in den ersten zehn Jahren neben der Hauptbank in der Stadt Zürich zehn Filialen in den grösseren Ortschaften des Kantons. 70 nebenamtlich geführte Einnehmereien dienten zudem als Aussenstellen in den kleineren Ortschaften. Sie nahmen hauptsächlich Spargelder entgegen. Ab 1908 kamen etwas grössere Agenturen als Zwischenstufe hinzu. Alle Zweigstellen bildeten so zusammen ein feinmaschiges Netz zur Versorgung der Bevölkerung mit Bankdienstleistungen, die typischerweise noch vor Ort abgewickelt werden mussten. Die Menschen waren wenig mobil, Autobesitz war selten, und ein regionales Bahn- und Busnetz existierte noch kaum. Geografische Nähe lautete deshalb das Zauberwort.

Filiale Meilen, 1951.

Agentur Feuerthalen, 1974.

Agentur Feuerthalen, 1974.


Agentur Volketswil, um 1975.

Zweigstellen verlieren einen Teil der Aufgaben

1970 zählte man 12 Filialen, 46 Agenturen und 79 Einnehmereien. In dieser Zeit setzte sich nach und nach durch, dass der Monatslohn vom Arbeitgeber direkt auf ein Bankkonto einbezahlt wurde. Die PTT verlor damit ihre dominante Rolle im Zahlungsverkehr. Rechnungen mussten nicht mehr unbedingt in bar am Postschalter beglichen werden. Neu konnte der Kunde mit einem Lohnkonto bei der Bank seine Zahlungsaufträge auch direkt am Bankschalter abwickeln. Solche Dienstleistungen sorgten für einen grösseren Andrang in den Schalterhallen der Banken – auch bei der Zürcher Kantonalbank, die ihr Zweigstellennetz vorerst weiter ausbaute.

Das Zahlungsverkehrskonto von Privaten setzte aber gleichzeitig eine gegenläufige Entwicklung in Gang. Mit der Möglichkeit, über Datenleitungen oder eine Telefonverbindung gewisse Transaktionen, insbesondere im bargeldlosen Zahlungsverkehr, zu veranlassen oder Informationen einzuholen, konnten sich die Kunden den Weg zur Zweigstelle ersparen. Mit anderen Worten: Der Trend ging in eine Richtung, bei der einige Dienstleistungen der klassischen Bankstelle auf lange Sicht nur noch selten gebraucht werden würden.

Ab den 1990er Jahren – auf dem Höhepunkt der Zweigstellenexpansion mit über 160 Filialen und Agenturen – setzte sich die Zürcher Kantonalbank deshalb intensiv mit ihrer Vertriebsstrategie für Privatkunden auseinander und wechselte von einer flächendeckenden zu einer kundenbezogenen Betreuung. Die Zahl der klassischen Geschäftsstellen wurde in der Folge reduziert, dafür neuartige Konzepte wie die unbediente 24h-Automatenbank für Ein- und Auszahlungen eingeführt – erstmals 2002 am Hauptbahnhof Zürich und am Bahnhof Stadelhofen. Daran zeigt sich auch, dass sich das Mobilitätsverhalten der Leute verändert hatte und es ohne Komforteinbusse möglich war, eine gewisse Distanz bis zur nächsten Bankstelle zu überwinden.

Filiale Dielsdorf, 1979.

Filiale Dielsdorf, 1979.

Persönlicher Kontakt weiterhin wichtig

Hat die Bankfiliale auf lange Sicht komplett ausgedient? Nein. Gewisse Dinge wie ein grösseres Kreditbegehren oder Erbschaftsangelegenheiten lassen sich besser unter vier Augen besprechen. Und auch wer generell den persönlichen Kontakt oder individuelle Hilfestellungen vor Ort schätzt, kommt weiterhin auf seine Kosten. Für die persönliche Betreuung und Beratung stehen – neben dem telefonischen Kundenservice – rund 60 Geschäftsstellen im Kanton zur Verfügung.

Für Alltägliches aber können Bankkundinnen und Bankkunden jederzeit und ortsunabhängig mit E-Banking auf eine grosse Palette an Informationen und Dienstleistungen zugreifen. Dazu kommen rund 330 Geldautomaten. Und mit der Einführung des mobilen E-Bankings oder Bezahl-Apps wie TWINT befindet sich eine persönliche Bankfiliale quasi in der Hosentasche.

Filiale Volketswil, 1990er Jahre.

Bediente Stationen und Lounge in der Kundenhalle Bülach, 2019.

Bediente Stationen und Lounge in der Kundenhalle Bülach, 2019.


Zweigstellennetz der Zürcher Kantonalbank, 1992.

Der Schalter war während Jahrzehnten für Kundinnen und Kunden der Kontaktpunkt mit ihrer Bank. Die Revolution in der Innengestaltung bahnte sich bei der Zürcher Kantonalbank im Jahr 2008 an: Der Schalterbereich sollte sukzessive reduziert und durch eine Automaten- und Beratungszone abgelöst werden, die sogenannte Zwei-Zonen-Bank. Die Entwicklung mündete in ein neues Gestaltungs- und Servicekonzept, das erstmals 2011 in der Pilotfiliale Kloten getestet wurde. Der Kunde wird am Empfang begrüsst und je nach Bedürfnis zu den Selbstbedienungsautomaten oder für längere Beratungen in ein Zimmer begleitet. Ganz ohne Schalter geht es aber doch nicht: Für kleinere Bankgeschäfte steht weiterhin eine bediente Station zur Verfügung. Entstehen kurze Wartezeiten, kann es sich der Kunde – mit einem iPad ausgerüstet oder mit Lesestoff versorgt – in einer Art Lounge gemütlich machen. Aus der eher spartanischen Schalterhalle von gestern ist heute eine helle Wohlfühloase geworden.

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Die Bank von heute: rund um die Uhr zugängliche Automatenzone, bedienter Servicebereich, diskrete Besprechungszimmer, gemütliche Sitzgelegenheiten.
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Titelbild: Filiale Uster, 2019.

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