Von BiZZ und Bytes

1999 stand die Billettzentrale Zürich (BiZZ) kurz vor dem Aus. Die Zürcher Kantonalbank sprang ein, bis das Online-Zeitalter dem BiZZ endgültig ein Ende bereitete. Das Internet war aber wiederum dafür verantwortlich, was heute auf gleicher Fläche regen Zulauf geniesst: ein Coworking Space.

Künstler-Maskenball im Kongresshaus, Black Sabbath im Volkshaus, ein Rolf-Liebermann-Abend in der Tonhalle oder Der Besuch der alten Dame im Theater 11: Wer in den 1980er und 1990er Jahren ein Ticket für eine Kulturveranstaltung in der Region Zürich beziehen wollte, kam um diese Vorverkaufsstelle kaum herum – die Billettzentrale Zürich (BiZZ), die ab 1981 im Kulturpavillon auf dem Werdmühleplatz in Zürich ihre Zelte aufgeschlagen hatte. 1999 war die Stadtverwaltung aber nicht mehr bereit, die defizitäre Institution weiterzuführen. Die Zürcher Kantonalbank sprang in die Bresche und überliess der als Verein geführten Organisation Räumlichkeiten im Parterre ihres Hauptsitzes an der Bahnhofstrasse. Als Sponsorin sorgte sie zudem für gesunde Finanzen. «Geld und Kultur» arbeiteten so unter einem Dach zusammen, wie es der Vorsitzende der Generaldirektion bei der Eröffnung ausdrückte. Neun Jahre später konnte die Bank die Partnerschaft mit der BiZZ infolge der geplanten Gesamtsanierung des Hauptsitzes nicht mehr verlängern. Auf Drängen des Stadtparlaments wurde die Vorverkaufsstelle am Leben gehalten und temporär ins Stadthaus übersiedelt. 2009 schloss die BiZZ endgültig ihre Pforten, weil die Bytes des Internets mit dem Online-Ticketverkauf einen stationären Verkaufspunkt überflüssig gemacht hatten.

Inserate für die BiZZ, 2004.

BiZZ by Night, 2002.

Bürogemeinschaft an der Bahnhofstrasse

Nach dem Umbau des Hauptsitzes wollte man die Räumlichkeiten wieder der Bevölkerung zugänglich machen. Statt Konzertplätze waren nun allerdings öffentliche Büroarbeitsplätze zu vergeben: «Das Büro Züri bietet neu hier, im Herzen von Zürich, Geschäftsleuten, Denkern und Machern ab dem 17. August [2015] einen funktional hochwertigen und modernen Arbeitsort mit verschiedenen Einzel- und Gruppenarbeitsplätzen sowie einem Workshop- Raum», beschrieb der Projektleiter das Angebot im Personalmagazin. Die dynamische, inspirierende Plattform eigne sich für spannende Kontakte sowie für Kurzmeetings oder stille Konzeptarbeit und werde der Bevölkerung kostenfrei zur Verfügung gestellt. Damit leiste das Büro Züri einen Beitrag zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung. Der Coworking Space, eine Art moderne Bürogemeinschaft, traf den Nerv der Zeit. Die Auslastung beträgt seit der Eröffnung annähernd 100 Prozent. Mit diversen Veranstaltungen und einer digitalen Community wird die Vernetzung unter den Coworkerinnen und Coworkern zusätzlich gefördert. Für 2021 ist bereits die Eröffnung eines zweiten Standorts im Innovationspark Dübendorf geplant. Die guten Erfahrungen veranlassten die Zürcher Kantonalbank, das Prinzip Coworking Space weiterzudenken. Für Mitarbeitende der Bankzentrale, die etwas weiter von der Stadt Zürich entfernt wohnen, besteht inzwischen die Möglichkeit, tageweise in grösseren Filialen in der Nähe ihres Wohnorts einen Arbeitsplatz zu beziehen. Das bringt Vorteile: Es entsteht ein wertvoller informeller Austausch mit Kolleginnen und Kollegen der Filiale. Zudem ist der Arbeitsweg kürzer und es werden Ressourcen geschont.

Titelbild: Das 2015 eröffnete Büro Züri.

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