Welche Bank macht so viel Theater?

Heute gehört es zum festen Repertoire der Zürcher Kantonalbank, der Bevölkerung Zugang zu einem vielseitigen Kulturangebot zu ermöglichen. Die Unterstützung von Theatern stellt dabei einen gewichtigen Schwerpunkt dar – aber das war nicht immer so.

Unterstützungsanfragen von diversen Stellen, Institutionen und Personen gehörten von Anfang an zum Alltag der Bank. So wurde sie 1890 um einen Beitrag für den Bau des neuen Theaters in Zürich gebeten. Das bis anhin bestehende professionelle Theater, das sich in der umgebauten Kirche des ehemaligen Barfüsserklosters (Untere Zäune) befunden hatte, war in der Neujahrsnacht niedergebrannt. Die Zürcher Kantonalbank lehnte jedoch eine Mitfinanzierung des Neubaus ab, «da die Zwecke von Kantonalbank & Theater allzuweit auseinander liegen». Geld und Geist – das ging nicht miteinander. Diese Auffassung wurde im neuen Jahrhundert überdacht. Und die Bank unterstützte schliesslich grosszügig das 100-Jahr-Jubiläum des Zürcher Stadttheaters im Jahre 1934.

Die Stadt wollte auf Theater nicht verzichten und baute einen neuen Prachtbau am See; heute beherbergt dieser das Opernhaus.

Die Stadt wollte auf Theater nicht verzichten und baute einen neuen Prachtbau am See; heute beherbergt dieser das Opernhaus.

Unterstützung auch in wirtschaftlich schweren Zeiten

Zu jener Zeit war das Engagement der Bank für die Bühne schon recht üblich; besonders die etablierten Einrichtungen wurden finanziell bedacht. So erhielt der Zürcher Theaterverein auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten regelmässige Zuwendungen. Schauspielhaus und Opernhaus (ehemals: Stadttheater) wurden von diesem Verein besonders gefördert. Die beiden erhielten ab den 1930er Jahren weitere Unterstützung, indem die Bank einige Abonnements der Theater kaufte und verbilligt an ihr Personal abgab. Danach trafen sporadisch Anfragen für Unterstützungen von verschiedenen Theatern ein, ab den 1950er Jahren nahmen sie zu und wurden schliesslich zur Norm.


Das «Pfauentheater» wurde ab 1901 als eigentliches Schauspielhaus mit hohem Anspruch betrieben. Seit 2017 wird es von der Zürcher Kantonalbank unterstützt.


Nicht nur klassische Theaterhäuser werden von der Zürcher Kantonalbank unterstützt: Werbung für das mobile «Theater Kanton Zürich», welches im ganzen Kanton gastiert.

Freiwillige Beiträge des Bankpräsidiums

Nun unterstützte die Bank jährlich verschiedene Theaterinstitutionen und -vorführungen mit Beiträgen. So wurde beispielsweise 1965 Geld für das Adventstheater der Universität Zürich gesprochen, das mit dem Stück «Zwischen zwei Etagen» ein Defizit verzeichnet hatte. 1979 leistete die Bank dem «Zürcher Puppentheater» eine substantielle Starthilfe. Ebenso wurde 1999 ein Beitrag für das Jubiläum der «Seniorenbühne Zürich» gesprochen. Einzelne Filialen unterstützen zudem Theateraufführungen ihrer Region. So fungiert beispielsweise die Filiale Horgen als Hauptsponsorin des «Jungen Theaters Oberrieden». In jenen Jahren wurde jeder einzelne Antrag vom Bankpräsidium in seinen Sitzungen diskutiert und die Entscheidungen unter «Freiwillige Beiträge» protokolliert.

Offenes Ohr für ein Theater in Nöten

Auch bei einem Tourneetheater mit festem Ensemble engagierte sich die Bank. Das «Theater Kanton Zürich» ist eine 1971 gegründete Genossenschaft, die u.a. Stücke der Weltliteratur in den Gemeinden des Kantons zur Aufführung bringt. Die Zürcher Kantonalbank half der Bühne zunächst mit einem Kredit und sprang grosszügig ein, als es 1975 um ihren Weiterbestand ging. Schliesslich gehöre es «zu unserem Aufgabenkreis, im Interesse des Kantons Zürich tätig zu sein», zudem habe die Bank bis anhin «immer wieder auch eine offene Hand für kulturelle Bestrebungen gezeigt», wie das Bankratsprotokoll festhielt. Heutzutage fungiert die Bank als wichtigste Einzelsponsorin dieses Theaters.

Sponsoring ist für beide Seiten attraktiv

Seit den 1990er Jahren professionalisierte die Zürcher Kantonalbank ihre Unterstützung für Kultur und insbesondere fürs Theater immer mehr. Sie zeichnete sich nun auch dadurch aus, das Hauptsponsoring einer bestimmten Institution zu übernehmen und in der Öffentlichkeit als Partnerin wahrgenommen zu werden. So wurde sie ab 1995 Hauptsponsorin des Zürcher Theaterspektakels; seit 2009 ist sie Sponsoringpartnerin des Theaters Neumarkt, das Winterthurer Casinotheater wird von der Bank seit 2011 als Hauptsponsorin unterstützt und das Zürcher Schauspielhaus seit der Saison 2017/2018.

«Wir rufen in Erinnerung (…), dass bei der Hauptbank Billette für das Stadttheater und das Schauspielhaus zum (…) Abonnementsplatzpreis gekauft werden können. Zudem hat jeder Angestellte die Möglichkeit, pro Theatersaison für eigene Verwendung ein von der Bank zusätzlich verbilligtes Billett zu beziehen.»
Personalzeitung, September 1956.


Seit 2011 ist die Bank auch Hauptsponsorin des Casinotheaters Winterthur.

Die Bank ist für Anliegen der Theater generell sehr offen. Als das Theater am Neumarkt im Januar 2001 von der Bank für das Stück «Bungee Jumping» vier Milliarden Dollar ausleihen wollte, weil die Spannung zwischen den streitenden Menschen «mit theaterüblichem Papiergeld» unglaubwürdig wirke, antworteten die beiden Vizebankpräsidenten jedoch mit ironischem Unterton, dass die Lieferung «kaum unüberwindliche Probleme» mit sich bringen würde. Die gewünschte Stückelung ergebe «ja nur 40 Millionen 100-Dollarscheine» und für die Anlieferung könne man gerne einen 40-Tönner-Lastwagen durch die engen Gassen des Niederdorfs dirigieren. Spätestens mit der Formulierung, dass die Premiere aber sicher nicht vor dem 1. April erfolgen könne, war wohl allen klar, dass dem Wunsch schon rein logistisch nicht entsprochen werden konnte.

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Titelbild: In der Silvesternacht 1889/1890 brannte das damalige Stadttheater an den Unteren Zäunen ab.

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