Wie der Gewinn ins Gesetz über die Zürcher Kantonalbank kam

Gewinnerzielung steht im Mittelpunkt der meisten wirtschaftlichen Unternehmungen. Doch die Zürcher Kantonalbank gehört den Zürcherinnen und Zürchern – kann dies denn ihre Aufgabe sein?

Im ersten Kantonalbankgesetz von 1869 fehlt das Wort «Gewinn», Verluste hingegen werden erwähnt und sollten vom Staat ausgeglichen werden. Bereits drei Jahre nach Gründung der Bank und den Erfahrungen mit dem Deutsch-Französischen Krieg war man sich aber bewusst geworden: «… wenn Kalamitäten [Unglücke, Notlagen] irgendeiner Art über den Kanton hereinbrechen sollten, so könnten solche Verluste ganz erhebliche Ziffern erreichen.» Wenn die Bank langfristig bestehen sollte, so mussten neben den entstehenden Betriebskosten auch allenfalls entstehende Verluste von der Bank getragen werden können. Und dazu muss der erwirtschaftete Ertrag über den Selbstkosten liegen. Deutlich wird das im Geschäftsreglement von 1886: «Die Bank wird (…) die Rücksichten der Selbsterhaltung im Auge behalten, in dem Sinne, dass das Geschäftsergebnis zum mindesten die Verwaltungskosten decken und die Aeufnung [Bildung] eines Reservefonds ermöglichen soll.»

Angemessener Gewinn und kein «Staatsbetrieb»!

Rund 100 Jahre nach der Gründung der Bank wurde im Kantonalbankgesetz erstmals von Gewinn gesprochen. Das Gesetz über die Zürcher Kantonalbank vom 28. Mai 1978 erwähnt in Paragraph 3 das Bestreben, einen «angemessenen Gewinn» zu erzielen. Anlässlich der Revision des Gesetzes kam man damals zur Überzeugung, dass es nicht nur um die Selbsterhaltung der Bank ging, sondern um mehr, nämlich einen «angemessenen Gewinn». Nach intensiver Diskussion im Bankrat setzten sich die Befürworter der Formulierung durch. Man fand dieses Streben positiv für das Image der Bank und ganz im Geist der Zeit geeignet, «bei Dritten insbesondere bei den Zürcherinnen und Zürchern ein vorteilhaftes Bild von der ZKB zu vermitteln. Diese wären sonst wahrscheinlich nur allzu schnell bereit, sich ein negatives Urteil über die Bank zu bilden und sie als ‹Staatsbetrieb› abzustempeln.»

 

«Die Bank ist nach kaufmännischen Grundsätzen zu führen und hat einen angemessenen Gewinn anzustreben.»
Kantonalbankgesetz, Paragraph 3, 28. Mai 1978.

Die Bank der Zürcherinnen und Zürcher erzielte in den vergangenen Jahren zuverlässig Gewinne. Im ersten Jahr ihres Bestehens ergab sich aber, aufgrund der Investitionskosten in den Bankbetrieb, ein Verlust. Auf eine Abdeckung dieses Verlustes durch den Staat verzichtete man in Erwartung kommender besserer Betriebsergebnisse. Die Gewinne dienten bereits in den ersten Jahren des Bestehens dazu, die Eigenkapitalbasis der Bank zu stärken und nachhaltig zu erhöhen. Heute gehört die ZKB zu den sichersten Banken der Welt und wird durch die Rating-Agenturen mit Bestnoten bewertet. Dies resultiert nicht zuletzt auch aufgrund der sehr hohen Eigenkapitalbasis mit einer Gesamtkapitalquote (Tier 1 Kernkapitalquote) von 20 Prozent.

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Titelbild: «Angemessener Gewinn» als anzustrebende Zielgrösse.

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