Wohnen für weniger Geld

Günstig wohnen? Wohnen ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Die gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaften erstellen, sichern und erneuern preisgünstige Wohnungen. Dank Kostenmiete und Innovationen im Bereich des sozialen Zusammenlebens, der Architektur und der ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit leisten sie einen dauernden Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit preisgünstigem und attraktivem Wohnraum. Diese Ausrichtung passt ausgezeichnet zum Leistungsauftrag der Zürcher Kantonalbank.

Soziale Anliegen finden sich schon im ersten Kantonalbankgesetz von 1869, wo die Gewährung von «Darlehen an Gemeinden, Korporationen und Genossenschaften» als Aufgabe der Bank erwähnt ist. Dies bezieht sich auch auf gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften, deren erklärtes Ziel günstige Mieten sind. Sie vermieten zur sogenannten Kostenmiete, die nur die Kosten der Wohnung deckt. Das Erwirtschaften einer Rendite ist keine Zielsetzung.

Die Bank als Pionierin?

Gemeinnütziger Wohnungsbau entstand in der Schweiz aus vereinzelten privaten Initiativen bereits zur Zeit der Gründung der Zürcher Kantonalbank (1860–1875). Ab etwa 1890 veranlassten Gemeinden den Bau von Arbeiterwohnungen. Im Gesetz über die Zürcher Kantonalbank ist 1902 erstmals als Aufgabe der Bank festgehalten, «gemeinnützigen Genossenschaften für die Erstellung billiger Wohnungen können Darlehen zu ermässigtem Zinsfusse gemacht werden». Dies ist bemerkenswert, schrieb doch die Stadt Zürich die Wohnbauförderung erst fünf Jahre später in der Gemeindeordnung fest. Wenn die Bank solche Zinsreduktionen für gemeinnützige Wohnbauträger beschloss, war sich der Bankrat durchaus bewusst: «Wenn die Bank heute solche Darlehen zu 4,25% abschliesst, so gibt sie das Geld zum Selbstkostenpreis und macht absolut keinen Gewinn.»

Ein Beispiel: Rektor Johannes Schurter, Bankrat von 1910 bis 1917, beantragte am 26. April 1912, den Darlehenszins für die Genossenschaft zur Erstellung billiger Wohnungen für ihr Bauprojekt an der Bertastrasse im Zürcher Kreis 3 um einen Viertelpunkt zu senken. «Rektor Schurter legt dar, wie die Mieter dieser Wohnungen, kleine Leute mit einem Taglohn von etwa 5 Franken, sich in allem aufs äusserste einschränken müssen, um überhaupt existieren zu können.»

Häuser der Gewobag in Richterswil, 1947.

Akuter Wohnungsmangel

Weil während des Ersten Weltkriegs weniger gebaut wurde, war danach der Mangel an Wohnungen besonders gross und die Kantonalbank vergab beträchtliche Summen an Baugenossenschaften, wie im Geschäftsbericht 1925 zu lesen ist: «Wir erblickten auch im Berichtsjahr unsere Hauptaufgabe darin, den Wohnungsbau und speziell die Erstellung preiswerter Kleinwohnungen zu fördern.» 1923 beschloss die Bank die Gewährung von Krediten bis zu 85 Prozent des Gebäude- und Liegenschaftswerts. Die Idee dahinter war: Wenn gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften möglichst hohe Kredite erhalten, dann können sie potenziell auch mehr günstigen Wohnraum schaffen.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte Wohnungsmangel. 1945 gewährte die Zürcher Kantonalbank eine «Zinsermässigung auf 3% für den neuen gemeinnützigen Wohnungsbau; er ist damit den Gemeindedarlehen gleichgestellt», wie es im Geschäftsbericht heisst. Über dreissig Baugenossenschaften waren zwischen 1944 und 1959 Kreditnehmer der Zürcher Kantonalbank – zwischen 1960 und 2000 waren es über siebzig.

Mehrfamilienhäuser der Gewobag in Seebach, erbaut Ende der 1940er Jahre.

Mehrfamilienhäuser der Gewobag in Seebach, erbaut Ende der 1940er Jahre.

Jüngste Vergangenheit

Der jüngste Aufschwung des genossenschaftlichen Bauens setzte in den späten 1990er Jahren ein. Und wieder galt gemäss Geschäftsbericht 2001: «Die Zürcher Kantonalbank fördert den preisgünstigen Wohnungsbau mit massgeschneiderten Finanzierungen für grosse und kleine Wohnbaugenossenschaften, teilweise unter Einbezug von Bürgschaftsgenossenschaften. Die dabei angewandten vorteilhaften Konditionen ermöglichen diesen Bauträgern eine moderate Mietzinsgestaltung.»

Die gemeinnützigen Wohnbauträger und die Zürcher Kantonalbank verfolgen beide sowohl wirtschaftliche als auch volkswirtschaftliche und sozialpolitische Ziele. Die Bank ist im Kanton Zürich mit rund 30’000 finanzierten Wohneinheiten fachlich qualifizierte Spezialistin und damit auch die grösste Finanziererin und Partnerin der Wohnbaugenossenschaften. Auf diesem Weg können Innovationen gefördert und beträchtliche Beträge in Neubauten, Renovationen und den Unterhalt der Liegenschaften investiert werden. Im Kanton Zürich sind das jährlich über 500 Millionen Franken, die Ausgaben gehen hauptsächlich ans lokale Gewerbe. Ausserdem unterstützt die Bank die beiden Verbände der gemeinnützigen Wohnbauträger Wohnen Schweiz und Wohnbaugenossenschaften Schweiz sowie die Regionalverbände Zürich und Winterthur als Kooperationspartnerin bei Verbandsaktivitäten. Bei etlichen Genossenschaften beteiligt sie sich am Anteilscheinkapital und unterstreicht damit ihr Interesse an partnerschaftlichen und nachhaltigen Beziehungen.

Mit diesem Engagement trägt die Zürcher Kantonalbank zur Lösung der volkswirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen im Kanton Zürich bei, wie es in ihrem Leistungsauftrag festgehalten ist.

Baugenossenschaft mehr als wohnen, 2019.

ABZ-Mehrfamilienhäuser im Sihlfeld, erbaut Ende der 1920er Jahre.

Vergebene Baukredite in den 1920er Jahren

Beträge in Franken 1923 1924

1925

An Baugenossenschaften 5,81 Mio (131%) 4,21 Mio (34%) 7,51 Mio (54%)
An Private 4,43 Mio (100%) 12,33 Mio (100%) 13,89 Mio (100%)

Titelbild: Grossprojekt Grünau der Gewobag, 1970er Jahre. 

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