Abschied von der Zigarette im Büro

In der Zürcher Kantonalbank gilt seit 2007 ein absolutes Rauchverbot. Davor fanden immer wieder Diskussionen über den Tabakgenuss statt – interne Gesundheitstipps von Medizinern inklusive.

Zigaretten-, Pfeifen- und Zigarrenrauch gehörte früher zum Schweizer Alltag. Auf den Strassen, im Zug, in Trams, Theatern, Kinos und Restaurants wurde selbstverständlich geraucht. Auch im Fernsehen wurde während Diskussions- und Unterhaltungssendungen eifrig gepafft. Ebenso an fast allen Arbeitsplätzen des Landes. Ausnahmen bildeten nur solche Betriebe, wo glühende Zigaretten ein Sicherheitsrisiko darstellten. Auch in der Zürcher Kantonalbank war das Rauchen noch lange überall erlaubt.
 
Die weitgehende Normalität des Tabakkonsums in der Gesellschaft findet sich auch in Beiträgen der Personalzeitung in den 1950er Jahren. Verschiedene Autoren beleuchteten des Öfteren gesundheitliche Aspekte, aber auch die Lebensart des Rauchens. Gerade damals wurde besonders hervorgehoben, dass Rauchen ein Vergnügen bleiben solle und kein Missbrauch stattfinden dürfe. Diese Unsitte würde sich im Übermass des Tabakkonsums widerspiegeln, während beispielsweise eine geniesserische Zigarette nach dem Essen natürlich erlaubt sei. Mediziner gaben den Mitarbeitenden derartige Gesundheitstipps und betonten doch auch nachdrücklich: Es empfehle sich nicht zu warten, wenn man «beim Genuss der Frühstückszigarette einen krampfhaften Schmerz in der Herzgegend» verspüre! In diesem Fall müsse «ein für allemal Abschied von der liebgewonnenen Zigarre oder Zigarette» genommen werden.

Die Zigarre als Zeichen von Zivilisation?

An vielen Arbeitsplätzen der Bank durfte damals schon nicht mehr geraucht werden; allerdings gab es keine generellen Regelungen. Das Thema eines umfassenderen Verbotes war aber nicht ad acta gelegt. 1961 meldeten sich zwei Mitarbeiter mit unterschiedlichen Auffassungen bankintern zu Wort: Der eine meinte ultimativ, er könne im Rauch nun mal nicht arbeiten. Überhaupt sei Büroluft ja schon ungesund genug. Das Rauchverbot in den Büros der Zürcher Kantonalbank müsse unbedingt bestehen bleiben, auch wenn man dadurch allfällige Bewerber verliere – was zu Zeiten des grassierenden Personalmangels grundsätzlich zu bedauern sei –, aber man verliere ja auch Bewerber, weil die Bank die Fünftagewoche noch nicht eingeführt habe. Der Befürworter des Tabakgenusses wiederum meinte, Rauchen sei nichts weniger als Zeichen von Kultur und Zivilisation: «Wo man raucht, da kannst du ruhig harren, böse Menschen haben nie Zigarren!»

Der Staat schreitet ein

Ab den 1990er Jahren intensivierten Staat und Gesundheitsorganisationen ihre Massnahmen zum Schutz vor Passivrauchen. So wurde 1998 die Eidgenössische Kommission für Tabakprävention geschaffen. Es mehrten sich Rauchverbote, die Tabaksteuer wurde erhöht und Kampagnen mit abschreckenden Bildern warnten vor den Gefahren des Nikotins. Einzelne Restaurants verboten das Rauchen in ihren Räumen und ihrem Vorbild folgten immer mehr Einrichtungen. Und auch in den Zügen der SBB war ab 2005 gänzlich ausgeraucht.
 
Die strenge gesetzliche Regelung nahm schliesslich im Kanton Tessin seinen Anfang: Dieser erliess 2005 als Pionier ein weitgehendes Rauchverbot, weitere Kantone folgten, und schliesslich trat ab 2010 das eidgenössische Passivrauchgesetz in Kraft – womit auch im Kanton Zürich in öffentlichen Gebäuden ausgeraucht war.


Dass einer der Herren bei einer Besprechung Pfeife rauchend dargestellt wurde, zeigt den damaligen Büroalltag.


Beim näheren Hinsehen wirkt der Aschenbecher sorgsam prominent platziert.

Raucherecken ade

In der Bank galten bis in die späten 1980er spezielle Richtlinien, wonach in einzelnen Bereichen, zu bestimmten Zeiten, an bestimmten Orten geraucht werden durfte. Die Arbeitsplätze waren aber schon länger rauchfrei, dafür wurden Raucherzonen eingerichtet. Letztere stellten allerdings vermehrt ein Problem dar: Ihr Unterhalt verursachte erhebliche Kosten, und der Rauch drang trotz allem in die Räume. Die Bank unternahm zudem seit vielen Jahren grosse Anstrengungen in der betrieblichen Gesundheitsprävention, und der Schutz vor Passivrauch wurde ein zentrales Thema.
 
So wurde 2007 schliesslich in der Zürcher Kantonalbank der Nikotinkonsum nicht nur eingeschränkt, sondern ganz verboten. Dies stiess weitgehend auf positive Reaktionen. Aber ganz ohne Widerspruch einzelner Mitarbeitenden ging die Einführung der absolut rauchfreien Bank nicht über die Bühne. Insbesondere, dass die Zürcher Kantonalbank die Neuerung ohne Übergangsfrist und ohne Erhaltung der Raucherecken umsetzte, wurde von Rauchenden als negativ empfunden. Von «bevormundendem, diktatorischem und freiheitsberaubendem Vorgehen» war in E-Mails an die Personalleitung und an den Personalverband, die heutige Arbeitnehmervertretung, die Rede. Ebenso stiess auf Unverständnis, dass Rauchen nun sogar vor und um die Bank untersagt war.
 
Trotzdem: Man musste Abschied nehmen von den Zeiten, als der rauchende Bürokollege wie 1961 nonchalant bemerken konnte: «Sie husten! Lasset uns lüften und den Aschenbecher leeren.»

Anfang der 1980er Jahre wurden diverse Mitarbeitende des Hauptsitzes während ihrer Arbeit fotografiert.

Anfang der 1980er Jahre wurden diverse Mitarbeitende des Hauptsitzes während ihrer Arbeit fotografiert.

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