Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans

Lebenslanges Lernen ist heute selbstverständlich. Doch das war nicht immer so. Bei der Zürcher Kantonalbank erkannte man in den 1940er Jahren erstmals die Notwendigkeit, die Kenntnisse des Personals noch stärker zu vertiefen und damit auch die Freude am Beruf zu fördern.

Lange lag das Augenmerk bei der Schulung von Mitarbeitenden auf der kaufmännischen und banktechnischen Grundbildung. Etwas später kam die Erweiterung der Sprachkenntnisse dazu. Bereits 1943 hiess es: «Die Direktion und die Bankkommission haben sich schon vor dem Kriegsausbruch mit der Frage beschäftigt, in welcher Weise man unser Personal in seinen beruflichen Kenntnissen fördern und ihm mehr Zusammengehörigkeitsgefühl und Berufsfreude geben könnte.» Neben dem genannten emotionalen Aspekt standen handfeste Bedürfnisse nach qualifiziertem Personal dahinter, und so wurde noch im selben Jahr ein erster interner Fortbildungskurs für 30 Mitarbeitende organisiert. Inhaltlich ging es dabei vor allem um juristische Themen wie Steuern, Depotgeschäfte, Schuldbetreibungen, Baukredite und Sicherheiten. Daneben wurde «Die Aktie als Kapitalanlage» besprochen. Auch das Lernen von Fremdsprachen wurde als notwendig erachtet. So gab es in der ab 1952 erscheinenden Personalzeitung stets fremdsprachliche Textbeiträge, und es wurden Sprachaufenthalte in der lateinischen Schweiz oder im Ausland aktiv gefördert. Stolz konnte Direktor Wehinger dem Bankrat 1960 berichten: «Wir fördern die berufliche und persönliche Weiterbildung. So haben wir heute in unserem Personal rund 60 Angestellte mit eidgenössischem Bankbeamtendiplom, das sind mehr als bei den übrigen Banken.»

Heisses Schulungszentrum an der Zürcher Langstrasse


Die Zürcher Kantonalbank schulte ihre Mitarbeitenden zunehmend intern und richtete 1971 an der Langstrasse 21, im Gebäude der Agentur Aussersihl, ein eigenes Schulungszentrum mit drei «Schulzimmern» und einem grossen Vortragssaal ein. Ein Manko wurde jedoch in der Personalzeitung beklagt: «Während der Nachmittagspause spendet ein eiskaltes Coca-Cola die dringend notwendige Kühle, denn leider fehlt im neuen Schulungszentrum eine Klimaanlage», so einer der ersten Teilnehmer am Einführungskurs ins Bankgeschäft über die neue Lernlokalität. 1994 eröffnete man in Dübendorf-Stettbach ein ungleich grösseres Schulungszentrum, das 2020 jedoch aufgegeben und in den Standort Hard verlegt wird.

Computer generieren hohen Schulungsbedarf


Eine neue Dimension erhielt die Weiterbildung durch die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung 1964. Es herrschte zu dieser Zeit Personalmangel im Allgemeinen und was die neue Computertechnologie anbelangte im Besonderen. Learning by doing kombiniert mit Schulungen war für das Personal angesagt. Die Einführung des Personalcomputers löste in den späten 1980er Jahren nochmals einen riesigen Schulungsbedarf aus. 1992 waren etwa ein Viertel der Mitarbeitenden mit vernetzten Personalcomputern (PC) ausgestattet. Mit einem besonderen Effort war eine neue praxisbezogene PC-Grundausbildung und im selben Jahr auch das sogenannte CBT, das Computer Based Training, geschaffen worden. Ausbildungsvideos und Lehrfilme trugen zugleich zur Lehr- und Lernmethodenvielfalt bei. Zunehmend wurde die PC-Grundausbildung jedoch weniger nachgefragt und schliesslich ab 1998 bankintern nicht mehr angeboten. Die grundlegenden Kompetenzen zur Bedienung eines Computers bringen die Mitarbeitenden heute bereits mit.

Broschüre zu den Weiterbildungsmöglichkeiten bei der Zürcher Kantonalbank, 1989.

Übersicht über die Weiterbildungsmöglichkeiten nach Abteilung, 1989.

Übersicht über die Weiterbildungsmöglichkeiten nach Abteilung, 1989.

Und heute?


Das Bedürfnis nach Weiterbildung und Qualifizierung ist heute grösser denn je. Und sie wird intern und extern in grosser Methoden- und Inhaltsvielfalt angeboten und von der Bank gefördert. 2018 wurden 10,5 Millionen Franken in Aus- und Weiterbildung investiert, was pro Mitarbeitenden rund 2200 Franken pro Jahr ausmacht. Nahezu jeder achte Mitarbeitende nutzte externe Weiterbildungsmöglichkeiten. Die von der Bank angebotene Weiterbildung trägt der Tatsache Rechnung, dass permanenter Wandel auch permanentes Lernen erfordert. Digital unterstützt wird dies immer stärker im «Lernportal» mit einem vielschichtigen Themenangebot für Mitarbeitende und Führungskräfte.

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Titelbild: Personalzeitung, 1971. Vorstellung des neuen Schulungszentrums an der Langstrasse 21: «Es stehen drei Schulzimmer, ein grosser Vortragssaal, ein Gruppenarbeitsraum etc. zur Verfügung.» 

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